Wege aus der Schuldenfalle

KSK Soltau und KSK Walsrode unterstützen Diakonische Schuldnerberatungsstelle mit 9.800 Euro aus dem Topf „Sparen und Gewinnen

Wege aus der Schuldenfalle

Für viele Konsumenten gilt heute offenbar das, was früher ein bekannter Spruch aus der TV-Werbung war, der eine alkoholhaltige Schokopraline schmackhaft machen sollte: „Wer kann dazu schon nein sagen?“ Es ist aber auch verlockend: Eingekauft wird vom heimischen Sofa aus, in Nullkommanichts per Mausklick oder Druck auf das Handydisplay. Und so landet schnell deutlich mehr im virtuellen Warenkorb, als das Konto hergibt. Kein Zweifel: Angebote im Online-Shopping verführen. Da kann der Nutzer schon mal den Überblick verlieren. Und irgendwann steht dann plötzlich der Gerichtsvollzieher vor der Tür. Aus dem Lot geratenes Konsumverhalten ist aber nur einer von vielen Gründen für „Miese“ auf dem Konto, gibt es doch etliche Wege, die in die Schuldenfalle führen. Auch der Verlust des Arbeitsplatzes, eine Krankheit, der Tod des geliebten Ehepartners sowie eine gescheiterte Selbstständigkeit können Ursachen sein. Wer einen Ausweg sucht, findet bei der Schuldnerberatung kompetente Ansprechpartner. Vielfältige Hilfen bietet etwa die Schuldnerberatungststelle, die beim Diakonischen Werk im Kirchenkreis Walsrode angesiedelt ist und überwiegend Schuldner aus dem Südkreis betreut. Diese erhielt am vergangenen Donnerstag von den Kreissparkasse Soltau und Walsrode eine Spende in Höhe von 9.800 Euro aus dem Zweckertrag „Sparen und Gewinnen“.

Den symbolischen Scheck überreichten die Vorstandsvorsitzenden Dr. Matthias Bergmann (KSK Soltau) und Matthias Schröder (KSK Walsrode) an Ottomar Fricke, Superintendent des Kirchenkreises Walsrode, sowie Diplom-Sozialarbeiterin Silvia Dörr von der Schuldnerberatung des Diakonischen Werks im Kirchenkreis Walsrode. „Wir sind dankbar, dass wir diese zusätzliche Förderung bekommen“, unterstrich Fricke. Finanziert wird die Einrichtung vom Landkreis Heidekreis, vom Land Niedersachsen und vom Kirchenkreis Walsrode. Hinzu kommen die Gelder aus dem „Sparen und Gewinnen“-Topf der Kreissparkassen Soltau und Walsrode.

Die Beratung der Klientinnen und Klienten erfolgt kostenlos und ist selbstverständlich vertraulich. Qualifiziertes Personal sucht gemeinsam mit den Schuldnern invdividuell nach Lösungen, auch private Insolvenzberatung wird geboten. Die anerkannte soziale Schuldnerberatungsstelle sucht derzeit Ehrenamtliche, die etwa beim Sortieren der Unterlagen helfen, da die bisherigen Ehrenamtlichen aus Krankheitsgründen nicht mehr zur Verfügung stehen. Dies sei bedauerlich, so Dörr, denn die Arbeit der freiwilligen Helfer sei äußerst hilfreich: „Es ist schön, zu erleben, wenn die Schuldner mit zwei bis drei geordneten Aktenordnern zur Beratung kommen, statt mit einem Karton voller Papiere. Wir versuchen Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten, doch damit ist der Aufwand bei der Beratung höher. Aber wir haben natürlich den Wunsch, dass eine nachhaltige Wirkung eintritt.“

Die Schuldnerberaterin nannte aktuelle Zahlen, die neuesten stammen aus dem Jahr 2018. Im vergangenen Jahr gab es demnach 128 aktive Beratungsprozesse - und damit 27 mehr als 2016. Hatte es im Jahr 2016 56 Neuanmeldungen gegeben, so waren es 2018 74. Das Gros der Klienten im vergangenen Jahr, 87,6 Prozent, waren deutsche Staatsbürger, weitere 2,1 Prozent EU-Bürger und 9,5 Prozent Schuldner mit sonstigen Staatsangehörigkeiten. Laut Dörr nehmen erfahrungsgemäß mehr Männer als Frauen die Schuldnerberatung in Anspruch. 29,4 Prozent der Klientinnen und Klienten im vergangenen Jahr waren zwischen 30 und 40 Jahre alt. Die meisten der Beratungssuchenden, 44,9 Prozent, waren ledig. Zwar werde auch Altersarmut zunehmend ein Thema, erklärte die Schuldnerberaterin, jedoch hätten gerade Menschen im Alter ab 60 Jahren „ein sehr hohes Schamgefühl, die Schuldnerberatung aufzusuchen.“ Den größten Teil der Schuldner stellten nach wie vor Männer und Frauen, die Leistungen nach nach dem Sozialgesetzbuch II bezögen (46,9 Prozent), jedoch wachse die Gruppe derjenigen, die trotz Arbeit in die Schuldenfalle gerieten, da sie nur über sehr geringe Einkommen verfügten. „Die Aussage, dass Arbeit vor Armut schützt, passt nicht mehr“, unterstrich die Schuldnerberaterin und sprach von „ansteigender Einkommensarmut.“ Als Beispiel nannte sie Paketzusteller, Reinigungskräfte, in der Gastronomie Tätige und Gartenbauhelfer. „Mit der Einführung des Mindestlohns wurden noch keine ausreichenden Erfolge erzielt - und auch Zeitarbeit ist ein Thema“, betonte Dörr. Eigentlich dürften Arbeitnehmer nicht länger als ein Jahr als Zeitarbeiter beschäftigt sein, „aber es werden geschickte Taktiken angewendet, um das zu umgehen.“

Es gibt viele Arten der Verschuldung - von Mietschulden über Forderungen von Energieversorgungsunternehmen bis hin zu Schulden bei Telekommunikationsanbietern und Versandhäusern. Nicht gezahlter Unterhalt ist ebenso ein Thema wie die Schwierigkeit, Bankkredite zu bedienen. Im Bereich der Schuldnerberatungststelle des Diakonischen Werks im Kirchenkreis Walsrode lag die Schuldenhöhe pro Haushalt im Jahr 2018 im Schnitt bei 22.784 Euro, wobei im Schnitt pro Haushalt acht Gläubiger Forderungen in Höhe je von rund 2.848 Euro hatten.

Bundesweit ist die Zahl überschuldeter Verbraucher in den vergangenen Jahren gestiegen, wenn auch zuletzt nur moderat. „Hauptauslöser für Verschuldung ist Armut. In der Regel sind arme Menschen betroffen, die für längere Zeiträume nur wenig Geld zur Verfügung haben“, erläuterte Dörr. Auf der einen Seite müßten mit Blick auf die hohen Lebenshaltungskosten gerechte Löhne gezahlt werden. Mit Blick auf die „Zügellosigkeit“ im Konsumverhalten müsse sich aber auch gesellschaftlich etwas ändern. Zudem sollten sich verstärkt Schulen dem Thema Finanzbildung widmen, um Schülern klar zu machen, „dass Geld nicht auf Bäumen wächst.“ Dafür plädieren auch die KSK-Vorstandsvorsitzenden Dr. Matthias Bergmann und Matthias Schröder, „denn Begriffe wie Betriebskosten und Nebenkosten sind vielen Schülern nicht geläufig.“

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