„Was fehlt, ist Wasser“

Erntekrone im Soltauer Kreishaus: Traditioneller Termin beim Landkreis mit Jahresbilanz zur Landwirtschaft

„Was fehlt, ist Wasser“

„Hoffnung, Freude, Sorge und Dank symbolisieren die vier Bögen der Erntekrone“, erklärt Edith Schöder. Die Vorsitzende des Kreislandfrauenverbandes Soltau erinnerte bei der Präsentation der Erntekrone im Soltauer Kreishaus auch daran, wie wertvoll die Gaben sind, die aktuell den historischen Bollerwagen im Foyer des Gebäudes schmücken: „Der Herbst ist Erntezeit - aber leider geht vielen der Blick dafür verloren, weil nahezu alles das ganze Jahr über verfügbar ist. Doch vielen Erzeugnissen in den Regalen der Geschäfte sieht man nicht an, wie viele Flugstunden sie schon hinter sich haben.“ Anders ist das natürlich bei den Produkten der hiesigen Landwirtschaft. Und da gebe es 2019 bei der Ernte deutliche Unterschiede zwischen Nord- und Südkreis, berichtete Landvolkvorsitzender Jochen Oestmann beim Empfang am vergangenen Montag.

„Wir hatten 2018 bereits ein extremes Jahr mit einem Jahrhundertsommer“, erinnerte Manfred Ostermann an das vergangene Jahr. Das habe die Ernte zum Teil stark beeinträchtigt, so der Landrat weiter, nicht zuletzt in seinem eigenen Garten: „Bei mir gab es auch dieses Jahr kaum oder nur sehr kleine Äpfel an den Bäumen.“

Den Grund kennt der Vorsitzende des Kreisverbands Lüneburger Heide des Landvolks Niedersachsen: „Was am meisten fehlt, ist Wasser. Sommer ist ja eine tolle Sache, aber bitte mit ein paar Unterbrechungen“ - und die wünscht sich Oestmann natürlich als Regen. Denn bei den Niederschlägen habe es im Landkreis deutliche Unterschiede gegeben: „Dabei ging es 2019 im Frühjahr nach der Bauernregel ‚Ist der Mai kühl und nass, füllt’s dem Bauern Scheun’ und Fass‘ eigentlich ganz gut los. Doch auf den mehr als 70 Kilometern von Lindwedel bis Steinbeck (Luhe) gab es dann den Sommer über zum Teil bis zu 100 Millimeter Unterschied bei den Niederschlagsmengen.“ Den Südkreis habe das in Bereichen stärker betroffen, so der Landvolkvorsitzende. „Unter anderem war das Ergebnis beim Mais dort nur knapp über dem von 2018.“

Die Getreideernte sei zwar qualitativ durchaus gut ausgefallen, „die Masse hingegen war eher enttäuschend.“ Auch die Viehbauern hätten aufgrund verdorrter Wiesen mittlerweile eine „Grundfutterlücke“, so Oestmann: „Die Milchviehhalter sind somit bereits das zweite Jahr in Folge in Sorge.“ Sorgen mache er sich auch um den Wald, denn auch der brauche auf Dauer „Regen in ausreichender Menge.“

Überhaupt sei das „Grundnahrungsmittel Nummer 1“: das Wasser. Und sowohl mit Trink- als auch mit Grundwasser müsse sorgsam umgegangen werden, so Oestmann: „Das Beregnen von ‚Nichtzielfeldern‘ ist kein Kavaliersdelikt mehr: Die Landwirte können die Bundesstraßen noch so oft bewässern, dort wächst einfach nichts.“ Das sei im besten Falle „nur“ gefährlich für Autofahrer.

Insgesamt wünsche sich Oestmann von der Politik in vielen Punkten einen besseren Austausch. „Wenn es mit und in der Landwirtschaft Probleme gibt, sollten diese auch mit jenen besprochen werden, die es angeht.“ Für einen stärkeren Dialog an Schulen und anderen Einrichtungen hoffe er zudem auf eine größere Beteiligung beim Programm der sogenannten „Agrarscouts“: „Wir würden uns über mehre Interessierte freuen, die Botschafter der modernen Landwirtschaft werden möchten.“ Für mehr Bewusstsein für die Landwirtschaft sowie einen sorgsameren und respektvolleren Umgang mit Lebensmitteln wollen sich auch die Landfrauen einsetzen, so Schröder: „Wir wünschen uns mehr Austausch und möchten Alltagskompetenzen in die Schulen bringen.“

Abschließend erinnert der Landrat noch einmal an Oestmanns Rede aus dem vergangenen Jahr: „Damals sagten Sie, 2018 sei die Landwirtschaft mit einem blauen Auge davongekommen“, so Ostermann - „und 2019?“, richtet der Landrat die Frage an Oestmann. Vielleicht nicht ganz so schlimm wie im vergangenen Jahr, meint der Landvolkvorsitzende, „aber ein Auge war ja auch schon blau.“

Logo