Weniger Taten, höhere Aufklärungsquote

Kriminalstatistik 2021: Insgesamt 10.339 Straftaten im Heidekreis

Weniger Taten, höhere Aufklärungsquote

„Ich bin wieder sehr zufrieden mit den Leistungen der Kolleginnen und Kollegen“, betonte Polizeidirektor Stefan Sengel am vergangenen Mittwoch im Dienstgebäude des Zentralen Kriminaldienstes in Soltau. In diesem stellte der Leiter der Polizeiinspektion Heidekreis gemeinsam mit dem Leiter des Zentralen Kriminaldienstes, Erster Kriminalhauptkommissar Dirk Ebel, sowie dem Leiter der Analysestelle, Kriminalhauptkommissar Rüdiger Strahl, die Kriminalstatistik 2021 für den Heidekreis vor. Insgesamt hatten es die Beamten im Landkreis im vergangenen Jahr mit 10.339 Straftaten zu tun. Das waren 211 Taten weniger als im Jahr zuvor. Gestiegen ist die Aufklärungsquote, wie Sengel erläuterte. Diese sei mit 67,69 Prozent leicht höher als im Jahr 2020 mit 66,86 Prozent, zudem liege sie über der Quote der Polizeidirektion Lüneburg (65,83 Prozent) und des Landesdurchschnitts in Niedersachsen (64,07 Prozent). „Man kann zu dem Schluss kommen, dass die Bürgerinnen und Bürger hier sicher sind“, bilanzierte der PI-Leiter.

Nicht in der Statistik enthalten ist der furchtbare Dreifachmord in Bispingen. Fälle, die noch in der Bearbeitung seien, tauchten nicht in der Kriminalstatistik auf, erläuterte Sengel. Schwierig werde es, Zahlen mit denen des Vorjahres zu vergleichen, wenn es eine neue bundeseinheitliche Definition gebe, wie seit 2021 im Bereich „Häusliche Gewalt“. Hier sei das Deliktsfeld erweitert worden, nämlich um unabhängig von einem gemeinsamen Haushalt verübte Taten, auch von ehemaligen Partnern. So falle nun zum Beispiel auch das Zerstechen der Reifen des Autos der „Ex“ zur „Häuslichen Gewalt.“ Nach dieser neuen Definition hatte es im Heidekreis im vergangenen Jahr insgesamt 479 Fälle gegeben.

Die Zahl der Straftaten insgesamt ist in den vergangenen zehn Jahren relativ konstant geblieben, lediglich im Jahr 2017 hatte es mit 12.440 Taten einen kleinen Ausreißer nach oben gegeben. In den vergangenen vier Jahren bewegten sich die Zahlen in etwa auf gleichem Niveau. „Da gibt es keine Auffälligkeiten“, stellte Ebel fest. Einen leichten Anstieg um 2,40 Prozent habe die PI Heidekreis im Bereich Diebstahlsdelikte verzeichnet, wobei die Zahl der schweren Delikte hier deutlich gesunken sei. Laut Ebel sei dies auch auf die Corona-Pandemie zurückzuführen. Einreisebeschränkungen hätten umherziehende Tätergruppen abgehalten, es habe keine Festivals und Großveranstaltungen gegeben. Zugenommen habe indes die Zahl der Taschen- und die der Fahrraddiebstähle. Im vergangenen Jahr schnappten sich Täter 317 per Pedale angetriebene Zweiräder, davon 21 E-Bikes. „E-Bikes und Pedelecs sind erheblich teurer als herkömmliche Räder, so kommen deutlich höhere Schadenssummen zustande“, erläuterte Ebel. Taten wie die Einbruchdiebstähle in Fahrradgeschäfte in Wietzendorf und Schneverdingen, bei denen die Täter 20 beziehungsweise 15 Räder auf einen Schlag hätten mitgehen lassen, flössen nicht in die Statistik ein.

Einen starken Rückgang verzeichnet die Polizei seit 2019 bei den Wohnungseinbrüchen. Die Zahl sank von 248 in 2019 auf 166 Fälle und nun noch einmal um 65 auf 101 Fälle (-39,16 Prozent). Im vergangenen Jahr gab es in diesem Bereich 40 Taten zur Tageszeit und 61 zur Nachtzeit. Erfreulich sei, dass es den Tätern in 51 der 101 Fälle nicht gelungen sei, in die jeweiligen Objekte einzusteigen, hob Sengel hervor. „Das hatten wir noch nie“, so der PI-Leiter. Immer mehr Bürgerinnen und Bürger schützten ihre Häuser immer besser, was auch auf die umfangreichen Präventionsmaßnahmen der Polizeiinspektion Heidekreis zurückzuführen sei. Die deutlich gesunkene Zahl der Wohnungseinbrüche sei natürlich auch auf die Corona-Pandemie zurückzuführen, zumal die Einschränkung der Reisemöglichkeiten Täterbanden aus dem Ausland abgehalten habe und dank Homeoffice viele Bürger den ganzen Tag über Zuhause gewesen seien. Aber auch die Arbeit der Ermittlungsgruppe Wohnungseinbruchsdiebstahl und die Streifenfahrten der Beamten der PI Heidekreis hätten zu den sinkenden Einbruchszahlen beitragen, unterstrich Sengel.

Nur einen leichten Rückgang hat es bei den Betäubungsmitteldelikten gegeben, hier sank die Zahl der Straftaten von 957 auf 941. Rückläufig waren auch die Zahlen in Sachen Warenkreditbetrug, wo acht Fälle weniger verzeichnet wurden, sowie Warenbetrug. Bei letzteren Delikten gab es im vergangenen Jahr 289 Fälle, 69 weniger als im Jahr 2020. Als Warenkreditbetrug gilt übrigens auch das Volltanken des Fahrzeuges, ohne zu bezahlen. 392 dieser Fälle hatte es im vergangenen Jahr gegeben (2020: 402). Etwa ein Drittel aller Tankbetrugsdelikte im Bereich der Polizeidirektion Lüneburg entfielen auf den Heidekreis, was auch auf die Tankstellen auf den Autohöfen an den Autobahnen zurückzuführen sei, so Sengel. Die Aufklärungsquote betrage hier 54 Prozent: „Jeden zweiten kriegen wir.“ Aufgrund der drastisch gestiegenen Spritpreise rechnet der PI-Leiter mit einem deutlichen Anstieg der Zahlen, was sich auch bereits abzeichne.

Sorgen bereiten den Ermittlern die dreisten Betrügereien über das Telefon. Im vergangenen Jahr hatte es zum Beispiel 270 sogenannte „Schockanrufe“ gegeben, 54-mal setzten die Täter den „Enkeltrick“ ein, 26-mal waren „Gewinnversprechen“ die miese Masche. Ängste und Sorgen insbesondere älterer Bürgerinnen und Bürger gnadenlos auszunutzen, das sei einfach „eine ätzende Betrugsschiene“, ärgert sich Sengel. Obwohl die Polizei hier auch in Kooperation mit den Banken versuche, mit Präventionsmaßnahmen gegenzusteuern, gelänge es den Tätergruppen nach wie vor, an das Geld ihrer Opfer zu gelangen. Im Jahr 2019 sei auf diese Weise ein Gesamtschaden in Höhe von 300.000 Euro entstanden, berichtete Ebel. „Und es wird eine hohe Dunkelziffer geben von denen, die sich gar nicht melden“, befürchtet Sengel: „Hier müssen wir am Ball bleiben und dürfen nicht müde werden, weiter aufzuklären.“

Einen deutlichen Anstieg weist die Statistik mit 71 zur Anzeige gebrachten Fällen bei der Verbreitung von pornografischen Bildern und Filmen (2020: 38) und im Bereich der Kinder und Jugendpornografie (Besitz und Verbreitung) auf. Viele Jugendliche seien sich offenbar nicht bewusst, dass das Weiterverschicken von intimen Fotos etwa der Ex-Freundin oder des Ex-Freundes strafbar sei. Sengel geht davon aus, dass es hier eine hohe Dunkelziffer gibt und unterstrich, wie stark die Opfer in solchen Fällen zu leiden hätten. Hier gelte es, die Aufklärung, auch an den Schulen, zu intensivieren. „Ich halte es auch für ausgesprochen richtig und wichtig, in diesem Bereich das Licht anzumachen“, meinte der PI-Leiter. „Wir bekommen nur das mit, was wir durch eigenes Handeln, etwa bei Handydurchsuchungen, finden, oder aber das, was uns, zum Beispiel durch Eltern, angezeigt wird“, fügte Ebel hinzu. Er und Sengel appellierten deshalb an die Bevölkerung, aufmerksam zu sein und in solchen Fällen unbedingt Anzeige zu erstatten.

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