Weniger Unfälle in Corona-Zeiten

Polizeiinspektion Heidekreis präsentiert Verkehrsunfallstatistik 2020

Weniger Unfälle in Corona-Zeiten

Mit hohem Tempo geht es über die vermeintlich freie Autobahn. Plötzlich summt das Handy. Eine Kurznachricht ist eingegangen. Könnte wichtig sein. Nur mal kurz schauen, da wird schon nichts passieren. Der Griff zum Mobiltelefon, ein Blick aufs Display. Plötzlich ein Stau - und schon kracht es: Unachtsamkeit am Steuer ist nach wie vor eine der Hauptursachen für Verkehrsunfälle im Heidekreis. Das erklärten Polizeioberrat Sebastian Pölking sowie Polizeihauptkommissar Detlev Maske, Sachbearbeiter Verkehr, am vergangenen Donnerstag bei der Präsentation der Verkehrsunfallstatistik 2020 für den Landkreis Heidekreis. Und die stand im Zeichen der Corona-Krise: Ort für das Pressegespräch war wegen der Abstandsregel der große Besprechungsraum im Dienstgebäude des Zentralen Kriminaldienstes, und Polizeidirektor Stefan Sengel, Leiter der Polizeiinspektion (PI) Heidekreis, musste sich kurz nach der Begrüßung verabschieden, um an einer Videokonferenz teilzunehmen. Corona wirkte sich, wie zu erwarten war, auch auf die Statistik aus. „Die Zahlen sind gesunken“, betonte Pölking, „dabei spielen die Pandemie und die damit verbundenen Bewegungseinschränkungen eine große Rolle.“

Der 44jährige aus Lüneburg hat den Dienstposten Leiter Einsatz übernommen, Verkehrssicherheitsarbeit fällt in seinen Verantwortungsbereich. „Das ist ein wichtiges Thema und macht mir Spaß, denn Verkehrssicherheitsarbeit betrifft uns alle“, so Pölking. Er wolle die „Risikogruppe Radfahrer“ stärker in den Fokus nehmen, auch im Zuge der länderübergreifenden Kampagne „sicher.mobil.leben“. „Auch das Thema Unachtsamkeit greifen wir auf. Im Straßenverkehr werden alle Sinne benötigt. Jede Ablenkung erhöht das Verkehrsunfallrisiko“, betonte der Polizeibeamte. Während der Fahrt Kurznachrichten zu schreiben, das sei mit einer Beeinträchtigung durch 1,1 Promille Alkohol im Blut zu vergleichen. „Jeder Blick aufs Handy ist wie ein Blindflug zu werten, gerade auf der Autobahn, was verheerende Folgen haben kann“, unterstrich Pölking. Hier solle künftig im Heidekreis mit Verkehrskontrollen sowie neuen technischen Mitteln dafür gesorgt werden, das Entdeckungsrisiko zu erhöhen. „Ich hoffe, dass dies dann präventiven Charakter entwickelt“, so der Lüneburger. Verkehrsteilnehmer, die beim Fahren bei der Handynutzung ertappt würden, zahlten ein Bußgeld in Höhe von 100 Euro, zudem gebe es einen Punkt in der Verkehrssünderkartei. Dazu Pölking: „Es wundert mich sehr, dass die Leute, gerade Lkw-Fahrer auf der Autobahn, trotzdem immer noch mit Handys herumhantieren. Wir hoffen, hier künftig etwas bewegen zu können.“ Einen weiteren Schwerpunkt will Pölking auf das Thema Drogen und Alkohol im Straßenverkehr legen und hier die Kontrollmaßnahmen intensivieren, zumal die Zahl der Fahrten unter Drogen- oder Alkoholeinfluss ansteige. „Das ist kein Kavaliersdelikt. Wir werden uns des Themas annehmen“, erklärte der Leiter Einsatz.

Lockdowns, geschlossene Tier- und Freizeitparks - all dies hat sich im vergangenen Jahr auf das Verkehrsunfallgeschehen ausgewirkt. Wenn deutlich weniger Einheimische und vor allem Gäste unterwegs sind, dann kracht es auch weniger. Hatte die Polizeiinspektion Heidekreis im Jahr 2019 noch 5.899 Verkehrsunfälle registriert, so waren es im vergangenen Jahr 1.130 weniger, also 4.769. „Das ist ein Rückgang von 19,2 Prozent - und das ist erfreulich“, so Maske. Damit werde in etwa der Stand von 2012 erreicht: „Da waren die Verkehrsmengen natürlich andere. Das ist der besonderen Situation geschuldet.“ Im Vergleich zum Jahr 2019 sei die Zahl der Verkehrsunfälle mit Personenschäden von 782 auf 595 gesunken, die Zahl der Unfälle mit schweren Personenschäden von 148 auf 110. Die Zahl der leicht verletzten Personen sei von 994 auf 701 zurückgegangen, die der schwer verletzten von 168 auf 121.

Ein starker Rückgang war bei der Zahl der bei Unfällen ums Leben gekommenen Personen zu verzeichnen, nämlich von 18 auf acht, ein Minus von 55,6 Prozent. Fünf Menschen starben nach Unfällen mit dem Pkw, zwei Personen nach Unfällen mit dem Lkw oder Kleintransporter und eine Frau kam ums Leben, als sie ihr Fahrrad über die Bundesstraße 3 schob. Die Unfälle, bei denen Tote zu beklagen waren, haben sich laut Maske „überall im Landkreis auf den unterschiedlichsten Strecken und Straßen ereignet.“ Vier Menschen starben auf Landesstraßen, eine Person auf einer Kreisstraße, zwei auf der Autobahn und eine auf einer Bundesstraße. Ursachen sind laut Maske nicht angepasste Geschwindigkeit, Missachten der Vorfahrtsregelung, Alkoholeinfluss, Überholen trotz Gegenverkehr und die bereits erwähnte Unachtsamkeit gewesen. „Ob tatsächlich Wild vor das Auto gelaufen ist, wie manchmal behauptet wird, oder ob jemand womöglich doch das Handydisplay vor den Augen hatte, das können wir oft nicht nachvollziehen“, so der Sachbearbeiter Verkehr. Und weiter: „Acht Verkehrstote sind immer noch viel, aber eine solche Zahl hat es in den vergangenen zehn, 15 Jahren nicht gegeben. Wir sind auf einem guten Weg“, sagte Maske. In der Statistik ist auch die Zahl der Verkehrsunfallfluchten aufgeführt. Diese sank von 1.137 auf 945 Fälle, wobei die Polizei 412 Fälle (2019: 474 Fälle)aufklären konnte. Damit betrug die Aufklärungsquote 43,60 Prozent (2019: 41,65 Prozent). Die Zahl der Verkehrsunfallfluchten, bei denen Personen zu Schaden gekommen sind, stieg von 53 auf 56. 34 dieser Fälle konnten aufgeklärt werden. „Das ist mit 60,71 Prozent eine super Aufklärungsquote“, hob Maske hervor.

Im Jahr 2019 waren bei Unfällen keine Kinder ums Leben gekommen, glücklicherweise auch im vergangenen Jahr nicht. Die Zahl der Unfälle, bei denen Kinder beteiligt waren, sank von 145 auf 107. Ein Kind wurde schwer verletzt (2019: acht), 47 zogen sich leichte Verletzungen zu (2019: 82). 26 der Mädchen und Jungen saßen bei den Unfällen im Pkw, 16 waren mit dem Fahrrad und fünf zu Fuß unterwegs, außerdem war eine junge Reiterin betroffen.

Was die „Risikogruppe“ der 18- bis 24jährigen betrifft, so ist hier die Zahl der Unfälle mit ihrer Beteiligung von 970 auf 835 gesunken. Mit einem 18jährigen war ein Todesopfer dieser Altersklasse zu beklagen (2019: fünf), die Zahl der Schwerverletzten sank von 33 auf 17, die der Leichtverletzten von 143 auf 128. Einen starken Rückgang gab es auch bei den Unfällen, in die Senioren involviert waren - von 1.121 auf 776. Um vier gestiegen ist die Zahl der Unfälle, an denen Fußgänger beteiligt waren, nämlich von 55 auf 59. Rückläufig ist hingegen die Zahl der Unfälle, an denen Radfahrerinnen und Radfahrer beteiligt waren. Hier sank die Zahl von 165 auf 156. Keine Radlerin und kein Radler kam ums Leben, 24 wurden schwer und 101 leicht verletzt. Zu Unfällen komme es unter anderem, weil Autofahrer beim Abbiegen die Geschwindigkeiten von Pedelecs falsch einschätzten, berichtete Pölking.

Die Zahl der Unfälle, an denen Motorradfahrer beteiligt waren, ist ebenfalls leicht zurückgegangen - von 62 auf 57. Glücklicherweise wurde dabei kein Biker getötet, die Zahl der Schwerverletzten stieg von 14 auf 19, die der Leichtverletzten sank von 22 auf 20. Einen Rückgang verzeichnete die Polizei bei den Wildunfällen von 1.855 auf 1.611 (-13,2 Prozent) und bei den sogenannten Baumunfällen von 117 auf 83. Auch auf den Autobahnen krachte es weniger - und zwar 308mal als im Jahr 2019, in dem es 1.227 Unfälle gegeben hatte.

Logo