Weniger Wohnungseinbrüche

Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2017 zurückgegangen. Dies zeigt die aktuelle Kriminalstatistik, die jüngst in der Polizeiinspektion Heidekreis präsentiert wurde.

Weniger Wohnungseinbrüche

Es ist ein Szenario, vor dem sich viele Bürgerinnen und Bürger fürchten: Beim Öffnen der Haustür fällt sofort auf, daß Einbrecher die Abwesenheit dazu genutzt haben, eine Tür oder ein Fenster aufzuhebeln und in das Haus oder die Wohnung einzusteigen. Die Schubfächer sind herausgerissen, die Kommoden und Schränke durchwühlt. Was sie alles mitgenommen haben, läßt sich in dem Chaos, das die Täter hinterlassen haben, nicht so schnell feststellen. Ist der Familienschmuck noch da? Fehlt das Sparbuch? Wo ist der Laptop? Der hohe Sachschaden an Tür oder Fenster und fehlende Dinge, die nicht selten einen hohen ideellen Wert haben - all dies ist schon schlimm genug. Doch am meisten haben Einbruchsopfer darunter zu leiden, daß Fremde in ihren bis dato „geschützten Raum“ eingedrungen sind. „Es gibt Opfer, die nicht mehr in ihrer Wohnung leben konnten und umziehen mußten. Das ist schon eine harte Situation für Betroffene“, so Kriminaloberrat Karsten Lemke, Leiter des Zentralen Kriminaldienstes der Polizeiinspektion (PI) Heidekreis. Gemeinsam mit Polizeidirektor Stefan Sengel, Leiter der PI, sowie Kriminalkommissar Rüdiger Strahl, Leiter der Analysestelle, präsentierte er am vergangenen Montag die Kriminalstatistik 2018 für den Landkreis Heidekreis. Demnach ist die Zahl der Straftaten insgesamt im Vergleich zu 2017 gesunken, und die Aufklärungsquote der PI Heidekreis liegt auch in diesem Jahr über dem Landesdurchschnitt.

„Ich bin sehr zufrieden mit den Ergebnissen und der Meinung, daß dies auch ein Erfolg der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist“, unterstrich Sengel. Wies die Statistik der Polizeiinspektion Heidekreis im Jahr 2017 noch 12.440 Straftaten auf, so waren es im vergangenen Jahr 10.506. Die Beamten hatten also 1.934 Taten weniger registriert, was einer Abnahme um 15,55 Prozent entspricht. Was die Aufklärungsquote angeht, so hat die PI Heidekreis mit einem Wert von 67,50 Prozent ein nicht ganz so gutes Ergebnis wie im Vorjahr erzielt (69,24 Prozent), liegt aber deutlich über dem Landesdurchschnitt (62,81 Prozent).

„Am meisten freut mich, daß wir im Bereich Einbruchdiebstahl deutlich sinkende Zahlen haben“, betonte der PI-Leiter. Schließlich seien Wohnungseinbrüche „eines der sozialschädlichsten Delikte.“ Einbrecher verursachten beim Aufhebeln von Türen und Fenster einen hohen Sachschaden, machten im Verhältlnis dazu aber zumeist keine große Beute. Schlimm sei das Ganze jedoch für die Opfer, die sich in ihren vier Wänden nicht mehr wohlfühlten. „Viele können drei bis sechs Monate nicht mehr richtig schlafen, schrecken bei jedem Knarzen hoch und sitzen senkrecht im Bett. Manche ziehen deshalb auch um. Das ist ein Delikt, daß den Opfern zu schaffen macht“, bestätigte Sengel das, was Lemke zuvor bereits angerissen hatte. Umso erfreulicher sei der Rückgang der Wohnungseinbrüche im Heidekreis.

Hatte es im Jahr 2017 noch 354 Wohnungseinbrüche beziehungsweise Einbruchsversuche gegeben, so waren es im vergangenen Jahr nur noch 204 - eine Abnahme um 150 Fälle, also um 42,37 Prozent. Bei einem Drittel der 204 Fälle hatten die Täter von ihrem Vorhaben abgelassen, etwa weil sie gestört worden sind oder sich Einbruchsschutzmaßnahmen bewährt haben. Die Täter gehen fast immer gleich vor: „In der Regel werden die Häuser nicht tagelang im Vorfeld ausgespäht, sondern kurzzeitig vorher ausbaldowert, zum Beispiel durch Täter, die sich als Paketzusteller verkleiden“, so Lemke: „Zumeist versuchen sie dann über rückwärtige Gebäudebereiche, die nicht einsehbar sind, einzubrechen.“ In der Regel seien reisende Tätergruppen aus ganz Deutschland oder dem Ausland für die Wohnungseinbrüche verantwortlich, aber es gebe nach wie vor auch Straftäter aus heimischen Gefilden, zum Beispiel Drogenabhängige. Rund 70 Prozent der Täter kämen von außerhalb, etwa 30 Prozent stammten aus der Region.

Weil Wohnungseinbrüche inzwischen als Verbrechen eingestuft sind und als solche bestraft werden, stehen den Beamten zusätzliche Ermittlungsmethoden zur Verfügung, zum Beispiel die sogenannte Funkzellenabfrage. Zudem wird in der Fläche Präsenz gezeigt. „Es sind mehr Streifen unterwegs, hinzu kommen Projekte wie der Rund-um-die-Uhr-Dienst in Schneverdingen und Schwarmstedt“, so Sengel. Das spreche sich auch in Verbrecherkreisen herum, denn: „Manche Täter fahren an den Polizeistationen vorbei und schauen, ob die Beleuchtung an ist. Manche lesen auch unsere Pressemitteilungen, um zu sehen, wo wir aktiv sind“, weiß der PI-Leiter.

Auf der anderen Seite seien die Bürger sensibilisiert, etwa durch Aktionen wie „Vorsicht wachsamer Nachbar!“. Auch Präventionsmaßnahmen in Kooperation mit dem Landkreis machten sich bemerkbar. Bauherren achteten zunehmend auf Schutz- und Sicherungsmaßnahmen, um es Einbrechern so schwer wie möglich zu machen. Hinzu kämen Großkontrollen, um sich „auf Tour“ befindende Einbrecher im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Verkehr zu ziehen. „Wir setzen Nadelstiche, durch die wir kleine Hinweise und Ansatzpunkte bekommen. So erhalten wir Puzzleteile, die irgendwann ein Gesamtbild ergeben - und dann zieht sich die Schlinge auch mal zu“, erläuterte Sengel. Inzwischen käme auch Verbrechensvorhersage-Software zum Einsatz. Insgesamt seien es mehrere Faktoren innerhalb eines sich stetig verbessernden Netzwerkes, um gegen die reisenden Tätergruppen vorzugehen. Der positive Trend zumindest setze sich in den ersten Monaten dieses Jahres fort - „und wir hoffen, daß das so bleibt“, konstatierte der PI-Leiter.

Eine Zunahme der Fälle, nämlich 56 mehr als 2017, hat es im Bereich Ladendiebstahl gegeben. Im vergangenen Jahr registrierte die Polizei 499 Ladendiebstähle. Dies sei aber auch auf den verstäkten Einsatz von Ladendetektiven und Überwachungstechnik zurückzuführen, so die Verantwortlichen der PI, „denn dies sorgt auch für höhere Zahlen.“

Rückläufig sind die Zahlen im Bereich Warenkreditbetrug und Warenbetrug. Hier sank die Zahl der Fälle von 525 auf 405 beziehungsweise von 245 auf 174. Das ist ein Rückgang um 22,86 beziehungsweise 28,98 Prozent. Die Gesamtzahl aller Betrugsfälle, dazu gehört zum Beispiel auch Sozialleistungsbetrug ist von 1.427 Taten im Jahr 2017 auf 1.221 Taten gesunken. Für Schlagzeilen sorgen nach wie vor „falsche Polizisten“, die Seniorinnen und Senioren um ihr Erspartes bringen. Auch mit dem „Enkeltrick“ sind Betrüger weiterhin aktiv. „Das ist ein mindestens europaweites Netzwerk von Tätern“, erläuterte Lemke.

Gesunken ist die Zahl der Vergewaltigungen beziehungsweise sexuellen Nötigungen - und zwar von 35 Fällen im Jahr 2017 um sieben auf 28. Die Zahl der sexuellen Übergriffe blieb mit 16 Taten unverändert. Die Vergewaltigungen seien jeweils im privaten Umfeld begangen worden. „Es gab keine Vergewaltigung im öffentlichen Raum, also im Park oder auf dem Radweg“, so Sengel. Einen Anstieg verzeichnete die Polizei bei der Verbreitung von „pornographischen Erzeugnissen“. Hier stieg die Zahl der Taten von 27 auf 39. „Hier nimmt das Datenvolumen zu - und zwar nicht unerheblich“, berichtete Lemke. Einen Rückgang gab es hingegen bei den Sexualdelikten zum Nachteil von Kindern. Hier wurden sechs Fälle weniger als im Vorjahr (28) registriert.

Logo