Wenn es um Existenzen geht

Finanzamt Soltau bearbeitet eine Flut von Anträgen

Wenn es um Existenzen geht

Sie wirken sich immer massiver auf die Wirtschaft und die Arbeitswelt aus, die Folgen der Corona-Pandemie. Unter anderem sind kleine Ladengeschäfte, Blumenläden, Restaurants und vom Tourismus lebende Anbieter sowie sogenannte Soloselbständige und Freiberufler betroffen. Das kann zum Beispiel der Künstler sein, der auf Kindergeburtstagen als Clown für leuchtende Augen sorgte, nun aber keine Termine mehr im Kalender hat. „Da wurde von heute auf morgen der Stecker gezogen - und viele hatten keine Möglichkeit, Rücklagen zu bilden“, weiß Jörg Zimmermann. Gemeinsam mit dem für die Erhebung zuständigen Sachgebietsleiter Jürgen Böhmer informierte der Leiter des Soltauer Finanzamtes am vergangenen Dienstag über die aktuelle Situation in der Behörde, die seit 13. März für den Besucherverkehr geschlossen ist, in der die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aber, unter Berücksichtung der Schutzbestimmungen und mit deutlich „ausgedünnter“ Besetzung, weiterhin Steuererklärungen und Anträge bearbeiten.

Aktuell gehen wegen der Coronakrise täglich Anträge wegen Stundungen und Anpassungen von Vorauszahlungen ein, bislang rund 200. „Allein heute haben wir 70 bis 80 Fälle erledingt - und jeden Tag kommt ein neuer Schwung rein“, erläuterte Zimmermann. „Die Angst sitzt den Leuten sehr stark im Nacken, das ist uns bewußt. Wir versuchen schnelltsmöglich zu helfen, sind aber auch an bestimmte Vorgaben gebunden“, unterstrich Böhmer. Wegen der Fülle der Anträge bittet Zimmermann, möglichst von Rückfragen, insbesondere auch telefonischen, abzusehen „und sich nur in wichtigen und besonders dringenden Fällen an das Finanzamt zu wenden, damit genügend Zeit bleibt, die Anträge und Steuererklärungen zu bearbeiten.“ Für die bereits eingereichten Anträge gelte: „Das Finanzamt ist bereits am Ball!“ Künftig gestellte Anträge sollten ein kurzes Schlagwort der betroffenen Branche sowie bei nur mittelbarer Betroffenheit eine kurze Erläuterung enthalten. Je aussagekräftiger der Antrag sei, desto schneller könne er bearbeitet werden.

„Die Anträge werden jetzt zeitnah abgearbeitet. Wir verzichten ausdrücklich auf teils gewünschte Eingangsbetätigungen oder Zwischeninformationen. Fehlt nur eine Kleinigkeit, rufen wir gezielt an, um nach Abklärung die begehrten Anpassungen dann auch vorzunehmen. Die hiesigen Steuerberaterinnen und -berater sind bereits entsprechend informiert“, erläuterte Böhmer. Das Land habe dazu einen vereinfachten Vordruck aufgelegt, den Unternehmen und Einzelgewerbetreibende auf der Internetseite des Landesamts für Steuern unter www.lstn.niedersachsen.de fänden.

Zimmermann betonte, „dass sämtliche Anträge der Wahrheit entsprechen müssen. Leider gab es schon einige Trittbrettfahrer, die noch nicht einmal mittelbar von der Corona-Problematik betroffen waren, aber trotzdem Anträge gestellt haben. Solche fischen wir heraus und schauen genauer hin, schließlich sollen die Firmen tatsächlich belasteter Branchen die Erleichterungen bekommen, weil es um deren Existenz geht“, so der Finanzamtsleiter.

Böhmer gab zudem einen wichtigen Hinweis für kleine gewerbliche Unternehmen, Soloselbständige und Freiberufler, die jetzt Soforthilfen bei der N-Bank beantragen: „Der unter anderem notwendige Nachweis bei der N-Bank, dass das Unternehmen existiert, kann durch Hochladen des letzten Steuerbescheids oder der Steuernummernmitteilung oder des Beitragsbescheids der zuständigen Kammer erfolgen. Nur wenn ein frisch gegründetes Unternehmen keines der drei Dokumente vorliegen hat, hilft das Finanzamt weiter.“

Wie alle Finanzämter im Land hat auch die Soltauer Behörde am 25. März dieses Jahres mit der Bearbeitung von Einkommensteuererklärungen für den Veranlagungszeitraum 2019 begonnen. Laut Zimmermann hatte sich die Bereitstellung der erforderlichen Programme bundesweit wegen umfangreicher Programmanpassungen verzögert. „Das läuft nicht so fix, wie wir uns das vorgestellt haben“, erklärte der Finanzamtsleiter: „Die gesamte Maschinerie läuft mit dem Corona-Effekt.“

Die ersten Steuerbescheide insbesondere für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Heidekreis werden laut Zimmermann wegen der technisch bedingten Vorlaufzeit ab der 15. Kalenderwoche, also der Karwoche, versendet. In den Vorjahren sei dies jeweils bereits Anfang März geschehen. Es sei natürlich verständlich, dass viele Menschen gerade jetzt händeringend auf etwaige Rückerstattungen warteten.

Damit die Steuerklärungen auch in diesem Jahr möglichst schnell bearbeitet werden können, rät das Finanzamt Bürgerinnen und Bürgern, auf folgende Punkte besonders zu achten:

• Nutzen Sie die elektronische Steuererklärung - näheres unter www.elster.de.

• Schicken Sie ohne Aufforderung vom Finanzamt bitte nur dann Belege, wenn sich erstmalig neue Sachverhalte (zum Beispiel doppelte Haushaltsführung, Arbeitszimmer, oder ähnliches) ergeben haben.

• Falls Sie die Steuererklärung in Papier abgeben, schreiben Sie bitte leserlich und füllen Sie die vorgesehenen Felder vollständig aus. Für das Steuerjahr 2019 kommen erstmalig neue, besser einscanbare Vordrucke zum Einsatz. Ist der Papiervordruck vollständig und leserlich ausgefüllt, kann er maschinell verarbeitet werden. In der Regel kann dann auch rasch ein Steuerbescheid erzeugt werden.

• Vermeiden Sie Nachfragen zum Bearbeitungsstand der Steuererklärung.

Wie in vielen anderen Behörden und Betrieben wurde auch im Finanzamt Soltau umgehend auf die Corona-Pandemie reagiert. Zwar habe es in der Belegschaft einen Verdachtsfall gegeben, der Test habe den Verdacht jedoch glücklicherweise nicht bestätigt. „Mitarbeiter, die in Ländern wie Italien oder Spanien im Urlaub waren, haben wir in Quarantäne geschickt“, berichtete Zimmermann. Ein Teil der insgesamt 190 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erledige die Aufgaben derzeit im Homeoffice. Im Hause selbst gebe es ein Schichtdienstverfahren, „so dass sich einige Mitarbeiter im Moment nicht sehen. Der Rest ist verteilt auf Einzelzimmer“, so der Behördenleiter. Der Außendienst übernehme derzeit andere Aufgaben, vor allem die Bearbeitung der Anträge auf Stundungen. Aufgrund der Einschränkungen sei mit Verzögerungen in der Bearbeitung von Steuererklärungen zu rechnen.

„Damit sich im Land auch weiter was dreht, brauchen wir Steuereinnahmen“, hob Zimmermann hervor. In Zeiten der Coronakrise gebe es schließlich auch „Unternehmen, die jetzt brummen“. Zudem reagierten viele Betriebe flexibel auf die Gegebenheiten, richteten etwa Lieferdienste ein oder verkauften ihre Produkte über das Internet. „Wir sind zuversichtlich, dass sich die Lage stabilisiert“, meinte Zimmermann. Und Böhmer: „Dass der totale Zusammenbruch kommt, das sehe ich nicht so.“

Logo