„Wieder Leben in der Bude“

Soltauer Hallenbad eröffnet nach Beckensanierung am 3. März

„Wieder Leben in der Bude“

„Bahnenzieher“ und andere Wasserfreunde in der Böhmestadt werden es kaum erwarten können: Nach langer Zeit auf dem Trockenen können sie demnächst erneut in ihr Lieblingselement eintauchen, denn das Soltauer Hallenbad öffnet nach den Sanierungsarbeiten wieder seine Pforten. Wie Volker Stegen, Prokurist der Stadtwerke Soltau, und Therme-Leiter Ronny Dechau jetzt erläuterten, fällt der Startschuss am Dienstag, dem 3. März - für die Frühschwimmer um 6 Uhr und für die anderen Wasserratten um 9 Uhr.

Was sich wie eine unendliche Geschichte ausnahm, hat nun doch einen Abschluss gefunden - zumindest für die Schwimmerinnen und Schwimmer: Das Hallenbad aus dem Jahre 1973 war im Rahmen umfangreicher Maßnahmen quasi neu aufgebaut und mit einem Cabrio-Dach ausgestattet worden, bevor es am 22. Juni 2014 wieder seine Pforten öffnete. Erste Probleme gab es dann zwei Jahre später, als sich im September 2016 zunächst die Fliesen im Springerbecken und wenige Wochen später auch im Schwimmerbecken aufwölbten, womit dann auch der Badebetrieb bis zum 1. April 2017 eingestellt werden musste. Ursache waren offensichtlich Kunststoffe, die zwischen Fliesen und Beton für Dichtigkeit sorgen sollten, es aber nicht taten. Doch auch was hier im Zuge der Mängelgewährleistung saniert wurde, sollte nicht lange halten: Schon Ende August 2018 wurden wieder Fliesenschäden im Hallenbad entdeckt - und seitdem ist es geschlossen.

„Der letzte Öffnungstag war der 29. August 2018. Damals war nicht absehbar, was sich bei dieser geplanten Revision alles zeigen würde“, so Stegen im Rückblick. Verantwortlich dafür, so die Stadtwerke, seien Materialmängel. Entsprechend hat das Soltauer Unternehmen gegen mehrere Beteiligte vor dem Landgericht Lüneburg Klage erhoben. Gleichwohl entschlossen sich die Stadtwerke, für eine umfangreiche Beckensanierung in Vorleistung zu treten, denn eine gerichtliche Entscheidung zu finanziellen Verantwortlichkeiten hätte zu lange gedauert.

Rund 1,1 Millionen Euro haben die Stadtwerke „vorgeschossen“, damit die Gäste wieder den Wasserspaß im Hallenbad genießen können. Dafür haben die Becken nicht nur eine neue Abdichtung und neue Fliesen bekommen. Auch die Beckenumläufe wurden komplett erneuert, um Stückwerk zu vermeiden. „Die neuen Fliesen sind hier in einem sandfarbenen Ton gehalten, was das Hallenbad heller erscheinen lässt“, so Stegen.

Noch bevor die Becken gefliest wurden, erhielten sie eine Probefüllung, denn „nicht die Fliesen, sondern die darunterliegende Schicht macht das Becken dicht. Eine solche Probefüllung ist vorgeschrieben und erlaubt es, bei möglichen Problemen nachbessern zu können“, erläutert Dechau.

Alle Arbeiten sind gut gelaufen, aber noch nicht ganz abgeschlossen. Dazu der Therme-Leiter: „Wir eröffnen in zwei Teilabschnitten. Vom 3. März an stehen Schwimmer- und Kinderbecken sowie das Lehrschwimmbecken wieder zur Verfügung.“ Erst später, aber noch im Laufe des März kommen im zweiten Abschnitt das Sprungbecken mit Turm und Rutschenzugang hinzu. Dieser Bereich, in dem zur Zeit noch gewerkelt wird, ist deshalb durch eine Spanplattenwand vom Rest des Bades getrennt.

Die frischhergerichteten Becken nach gut eineinhalb Jahren wieder für den Schwimmbetrieb fitzumachen, so Dechau, sei im Grunde kein wirkliches Problem, „aber anders, als nach einer ein- oder zweiwöchigen Phase, gab es einiges zu beachten. So mussten wir beispielsweise die Membran der Ultrafiltrationsanlage in einer Desinfektionslösung konservieren“, berichtet Dechau.

Wie der Therme-Leiter weiter betont, „haben alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter während dieser langen Periode mit zum Teil provisorischen Lösungen mitgezogen. Jetzt freuen sie sich darauf, dass endlich wieder Leben in die Bude kommt.“ Dafür sorgen auch die Schwimm- und anderen Kurse, die jetzt wieder ins Hallenbad zurückkehren werden.

Und natürlich geht es auch um Gäste, die in den vergangenen Monaten auf umliegende Bäder ausgewichen sind. Besucher sind im übrigen auch der Therme ferngeblieben, obwohl deren Betrieb nie eingeschränkt war: „Das betraf etwa Leute, die in die Sole wollten, für ihre Kinder aber kein Hallenbadangebot vorfanden und wieder gefahren sind. Andere wiederum meinten irrtümlicherweise, von der Schließung des Hallenbades sei auch die Therme betroffen“, erläutert Stegen. Die genaue Zahl der solchermaßen ausgebliebenen Thermebesucher lasse sich zwar nicht genau benennen, „aber die Tendenz war eindeutig.“

Das soll sich jetzt wieder ändern: Am 3. März, dem Eröffnungstag ist der Eintritt bis einschließlich 17 Jahre frei. Die Frühschwimmer erwartet am 4. März ein Frühschwimmerfrühstück. „Und in den Osterferien werden wir ein umfangreiches Ferienprogramm bieten“, kündigt Dechau an. Zudem gilt ein „Baustellenrabatt“, also ein ermäßigter Eintritt, solange noch Arbeiten in der Halle laufen. Danach, so Stegen, seien wieder die bisherigen Preise gültig. Eine Erhöhung der Eintrittspreise werde es nicht geben.

Apropos Geld: Offensichtlich haben die Stadtwerke richtig damit gelegen, für die Sanierung in Vorleistung zu treten. Dazu Stegen: „Wir haben die Klage wegen der Mängel im Juni 2019 eingereicht, im Dezember 2019 folgte die Klageerwiderung - und in der kommenden Woche gibt es einen Mediationstermin, um den Rechtsstreit eventuell zu umgehen. Ansonsten dürfte sich das Verfahren sehr lange hinziehen.“ So lange hätten die Soltauer Wasserratten dann wohl wirklich nicht warten wollen.

Logo