„Wir brauchen mehr Mitglieder“

Selbsthilfegruppe „Nicht allein“: Zukunft ungewiss

„Wir brauchen mehr Mitglieder“

Fünf Jahre ist es her, seit Silke Meyer in Soltau die Selbsthilfegruppe „Nicht allein“ gegründet hat - eine Gruppe für Angehörige und Partner von drogengefährdeten und -abhängigen Jugendlichen und Erwachsenen. Was 2015 angelaufen ist und sich in den Jahren danach vielversprechend entwickelt hat, droht jetzt allerdings zu verkümmern, denn der Gruppe fehlen Mitglieder. Für Meyer vorerst noch kein Grund, die Flinte ins Korn zu werfen. Auf längere Sicht aber, so die Leiterin, brauche die Gruppe Nachwuchs, sonst müsse sie aufgelöst werden.

Ins Leben gerufen hatte Meyer die Gruppe, weil Sucht so gut wie nie eine „Einzelangelegenheit“ ist, denn nicht nur der oder die Abhängige ist betroffen - die Auswirkungen ziehen auch Freunde, Partner, die Familie in Mitleidenschaft. Die sind dann mit komplett neuen Situationen konfrontiert: Sie sind teilweise völlig überfordert und wissen nicht wirklich, wie sie damit umgehen sollen. Hier kann die Gruppe wirksame Hilfestellung leisten.

Das gilt nach wie vor, doch immer weniger machen von diesem Angebot Gebrauch. Eine der Ursachen sieht Meyer darin, dass beispielsweise Eltern nicht bei der Stange bleiben: „Leute rufen mich an, wenn sie feststellen müssen, dass ihr Sohn oder ihre Tochter drogenabhängig ist, und kommen dann auch in die Gruppe. Sobald aber dieser Schrecken vergangenen, der erste Druck weg ist und Sohn oder Tochter eine Therapie begonnen hat, meinen viele, wieder auf sicherem Boden zu stehen. Dann bleiben sie - möglicherweise auch für sich selbst zu früh - der Gruppe fern, statt ihre Erfahrungen an die anderen Mitglieder weiterzugeben.“

Einen weiteren Grund für das nachlassende Interesse findet Meyer im Internet, auf das mehr und mehr Rat- und Hilfesuchende auswichen: „Vieles läuft dort anonym in entsprechenden Foren, wo sich die Leute in zahllosen Einträgen zu Wort melden. Niemand weiß, was davon der Realität entspricht und wer dahintersteckt. In der Folge aber bleiben die Leute aus unserer Gruppe weg oder kommen erst gar nicht.“

Da die Gefährdung durch Drogen bisher nicht nachgelassen habe und auch Angehörige nach wie vor betroffen seien, werde sie noch nicht aufstecken: „Eine solche Gruppe mit persönlichem Kontakt, Empathie und emotionalem Austausch kann nicht durch das Internet ersetzt werden.“ Darauf, so Meyer, setze sie auch weiterhin, „denn echte Erfahrungen von echten Menschen zu teilen und davon zu profitieren, kann das Internet in dieser Form nicht bieten.“ So wirbt die Leiterin nach wie vor für ihre Selbsthilfegruppe „Nicht allein“: „Überall dort, wo ich Präventionsarbeit leiste, weise ich darauf hin.“ Aber auch bei den zuständigen Stellen ist Meyers Gruppenangebot bekannt und wird bei Nachfrage von Interessierten genannt.

Die Gruppe trifft sich an jedem ersten und letzten Dienstag eines Monats um 19 Uhr in der Bahnhofstraße 15 in Soltau. Wer Kontakt zu Silke Meyer aufnehmen und sich informieren oder sich für die Gruppe anmelden möchte, erreicht die Leiterin unter Tel.: 0176-56862877.

Noch ist Meyer zuversichtlich, dass die wertvolle Arbeit der Gruppe fortgesetzt werden kann, doch sie weiß: „Sollten in absehbarer Zeit aber keine neuen Mitglieder hinzukommen, dann müsste ich die Gruppe leider einstellen. Das wäre zwar sehr bedauerlich, aber am Ende unumgänglich.“

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