„Wir erwarten Antworten“

Offener Brief der IG Almhöhe zum „famila“-Vorhaben des Bürgermeisters

„Wir erwarten Antworten“

„famila möchte gerne nach Soltau“ - das hatte Helge Röbbert vor kurzem verkündet (HK berichtete). Doch die Vorstellung des Soltauer Bürgermeisters stößt auf Kritik. Nach dem in der Bauausschusssitzung im Juli präsentierten Plan, dass „famila“ laut Stadtverwaltung an der Celler Straße auf rund 3.500 Quadratmetern einen Vollsortimenter-Standort schaffen wolle, hat die Interessengemeinschaft (IG) Almhöhe jetzt einen offen Brief verfasst. In dem Schreiben geht es auch um die Frage, was mit den freien Flächen im Fachmarktzentrum (FZM) „Soltauer Alm“ passieren solle.

Zur Erinnerung: In der Mitteilung der Stadt Soltau hatte Röbbert im Juli erklärt, dass er für einen neuen Lebensmittelmarkt im FMZ keine Zukunft sehe. „Trotz intensiver Anstrengungen ist es nicht gelungen, dass sich im Fachmarktzentrum erneut ein Vollsortimenter ansiedelt.“ Doch der Bürgermeister freue sich, „dass wir nun mit famila die Versorgung unserer Bürgerinnen und Bürger im südlichen Teil von Soltau sichern können“, so Röbbert in der damaligen Mitteilung. Und weiter: „Jetzt möchten wir möglichst schnell die planungsrechtlichen Voraussetzungen schaffen, um eine zukunftsfähige Nahversorgung für die Südstadt sicherzustellen.“

Zum Thema „famila möchte gerne nach Soltau“ nimmt die IG Almhöhe nun in einem offenen Brief an den Bürgermeister und den Rat der Stadt Soltau Stellung: „Gerne möchten wir auch den Bürgern und Kunden in der Region sagen, dass wir mit dem Wunsch, ein weiteres Fachmarktzentrum zu errichten, nicht einverstanden sind“, macht Otto Elbers vom Vorstand der Interessengemeinschaft Almhöhe deutlich.

Im offenen Brief formuliert die IG ihre Kritik folgendermaßen:

„Die Interessengemeinschaft Almhöhe vertritt seit 1996 die Betriebe in dem Gewerbegebiet Almhöhe. Mit 50 Wirtschaftsunternehmen aus Handel, Handwerk und Gewerbe und circa 1.000 Mitarbeitern erwirtschaftet die Almhöhe einen Jahresumsatz von über 350 Millionen Euro und ist damit das bedeutendste Wirtschaftszentrum in Soltau. Mit 40.000 Quadratmetern Verkaufsfläche und davon allein 16.000 Quadratmetern im Fachmarktzentrum, stellt sich dieser Einzelhandelsschwerpunkt als beliebtes Einkaufszentrum der Region dar.

Die Nachricht im Jahr 2018, dass Kaufland das Fachmarktzentrum verlässt, hat die Bürger in der Region, besonders jedoch auch die Anlieger im Gewerbegebiet, bestürzt. Nach einer Durststrecke von drei Jahren hat der Verkauf des Fachmarktzentrums im Dezember 2020 Hoffnung für einen Neustart geweckt. Die Idee des neuen Betreibers, das Fachmarktzentrum mit neuen Konzepten und erheblichen Investitionen neu aufzustellen, wurde von den Gewerbetreibenden der Almhöhe sehr begrüßt. Der Zeitungsbericht vom 23. Juli 2021 „famila möchte gerne nach Soltau“ - aber nicht in das Fachmarktzentrum, sondern auf einen Acker an der Celler Straße in Tetendorf, für den es bislang noch gar keinen Bebauungsplan für ein Gewerbegebiet mit Schwerpunkt Einzelhandel gibt, zeigt eine andere Entwicklung auf. Das löste bei vielen Bürgerinnen und Bürgern in Soltau, bei der IG Almhöhe sowie auch beim neuen Investor Verwunderung und Ärger aus.

In der Mitgliederversammlung der IG Almhöhe am 10. August 2021, an der viele Betriebe der Almhöhe teilgenommen haben, wurden folgende Fragen formuliert:

• Was bewegt die Stadt Soltau, einem erfolgreichen Einzelhandelsschwerpunkt auf der Almhöhe die Einzelhandelsflächen zu entziehen?

• Um dann mit einem zusätzlichen Einzelhandelsstandort in Tetendorf Strukturen zu zerstören?

• Und gleichzeitig zu planen, im Fachmarktzentrum an Stelle von Handel ausschließlich Fertigung und sonstiges Gewerbe vorzusehen? Das führt zu Unverständnis bei den Betrieben der Almhöhe und besonders bei Jawoll, OBI, Expert, Euronics, Fehlig und Röhrs.

• Mit welcher Berechtigung werden in 500 Metern Entfernung vom Fachmarktzentrum Ackerflächen versiegelt, durch Ausgleichsmaßnahmen weitere Flächen belastet und dadurch die Anwohner in Tetendorf mit zusätzlichen Emissionen belastet?

• Warum wird nicht berücksichtigt, dass im Radius von 500 Metern um das Fachmarktzentrum herum wesentlich mehr Bürger als in Tetendorf wohnen? Und durch das neue Wohngebiet an der Tetendorfer Straße werden noch erheblich mehr Einwohner dazukommen! Der Standort Fachmarktzentrum liegt ideal für die Versorgung dieser Menschen, von denen sicher viele auch ohne Auto einkaufen wollen oder müssen.

• Alle drei Monate treffen sich die Sprecher der Almhöhe, der Innenstadt und des Designer Outlet Soltau (DOS) bei der Stadt Soltau, um Fragen zum Einzelhandel zu diskutieren und gemeinsame Aktionen zu planen. Warum wurden wir als Vertreter von Handel und Gewerbe in Soltau nicht über die Planungen und Entwicklungen informiert?

Wir erwarten von der Verwaltung und der Politik schnelle und schlüssige Antworten auf unsere Fragen.

Schöne Grüße von der Almhöhe.“

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