„Wir können das alles nicht nachvollziehen“

Immer wieder illegale Müllentsorgung in der Böhmestadt

„Wir können das alles nicht nachvollziehen“

Für Hans Buchholz ist das alles nicht zu verstehen: Immer wieder wird der Containerstandplatz im Soltauer Achtergang zur illegalen Mülldeponie. Was einige Zeitgenossen nicht ordnungsgemäß entsorgen wollen, schaffen sie offensichtlich bei Nacht und Nebel dorthin. „Wir haben Verantwortung und Sauberkeit gelernt und können das nicht nachvollziehen“, beklagt Buchholz. Als Anlieger des Achterganges will er sich die schöne Umgebung dieses Soltauer Wohnbereiches nicht verunstalten lassen. Eine Patentlösung für dieses Problem wird es aber wohl nicht geben.

Alte Matratze, Stühle, defekter Staubsauger und Plastiktüten mit Hausmüll - als Buchholz im Sommer wieder einmal auf illegal abgelegten Müll im Achtergang aufmerksam wurde, wandte er sich an alle möglichen Stellen. Mit Erfolg: „Die Firma, die dort die Container aufstellt, hat das dann alles wieder in Ordnung gebracht“, berichtet der Soltauer, der allerdings auch schon andere Mutwilligkeiten beobachten konnte: „So haben Leute Flaschen zerschlagen und die Scherben dann in den Kleidercontainer geworfen, wahrscheinlich, damit sich andere, die den Container nutzen, daran verletzten sollten.“

Von diesen Böswilligkeiten abgesehen, sind es aber, wie gesagt, insbesondere die Müllprobleme, die Buchholz umtreiben, „denn wenn der Containerstandplatz saubergemacht worden ist, bleibt er es nicht lange.“

Probleme wie im Achtergang gibt es nicht nur dort und nicht nur in Soltau, wobei es innerörtlich häufig Containerstandorte sind, die sich die Müllfrevler aussuchen. Dieses Phänomen ist übrigens schon seit langem zu beklagen: So berichtete der HK beispielsweise im August 2002, dass die Glassammelstelle am Weinberg in Soltau aus diesem Grund geschlossen werden musste. Wie weit illegales Müllabladen inner- und außerörtlich im großen und im kleinen Stil verbreitet ist, zeigt zudem ein Blick ins Internet: Es gibt kaum eine Kommune, die nicht damit zu kämpfen hat.

Dabei ist das alles andere als ein Kavaliersdelikt und wird mit Bußgeldern geahndet. Doch das scheint die Täter nicht wirklich abzuschrecken - schließlich lassen sie sich in der Regel kaum ermitteln.

Für Helge Röbbert ist das Problem ebenfalls nicht neu: „Über Müllentsorgung gerade im Achtergang gab es schon häufiger Beschwerden“, weiß Soltaus Bürgermeister. Aber auch an anderen Orten in der Böhmestadt finden sich bevorzugte „Ablagestellen“.

Dass es nicht erlaubt ist, auf diese Weise Abfall loszuwerden, ist eine Sache - was Zeitgenossen dazu treibt, es dennoch zu tun, eine andere. Röbbert sieht hier quasi den Weg des geringsten Widerstandes als mögliche Ursache, zumal das Risiko, erwischt zu werden, gering ist: „Es gibt vieles, was als Hausmüll gilt, also auch nicht als Sperrmüll abgeholt wird, und daher in die graue Tonne muss. Dort passt es dann nicht rein, weil es zu groß oder zu sperrig ist, wie etwa manche Kinderspielzeuge. Oder der Platz in der Tonne ist zu knapp bemessen, um ihn auf diese Weise zu füllen. Hausmüll, den man nicht wegbekommt, muss man zur Deponie bringen und dafür bezahlen. Manchen dürfte das zu aufwendig und auch zu teuer sein. Das könnte einigen die Entscheidung zur illegalen Müllentsorgung erheblich erleichtern“, vermutet der Bürgermeister.

Wer dann fürs große Reinemachen zuständig sei, so Röbbert, sei nicht immer einfach zu sagen: „Sind es Containerstandorte, liegen sie auf städtischen, privaten oder Landkreisgrundstücken? Diese Fragen wären dazu eigentlich zu klären. Doch wenn etwas sauberzumachen ist, dann macht es meist unser Bauhof sauber. Das heißt, die Stadt ist häufig gefordert, auch wenn sie nicht zuständig ist.“ Am Ende trägt die Last also zumeist der Steuerzahler.

Wirklich wirksame Gegenmaßnahmen scheint es nicht zu geben - schließlich lässt sich nicht jeder potentielle „Entsorgungsplatz“ permanent überwachen. Doch die Soltauer, so kündigt Röbbert an, sollen zumindest auch für solche Fälle einen kurzen Draht zur Stadtverwaltung bekommen: „Wir wollen demnächst auf unserer Homepage so etwas wie ‚Sag‘s uns einfach‘ einrichten, damit diese, aber auch andere Dinge schnell an die Stadt weitergegeben werden können.“

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