„Wir sind wieder am Start“

Hospizdienst Lebensbrücke lädt zu Trauer-Café in Soltau und Munster ein

„Wir sind wieder am Start“

Abstand statt Nähe - was die Corona-Krise gebietet, ist vor allem in sehr persönlichen Bereichen ein Desaster: Sterbe- und Trauerbegleitung etwa waren in den Zeiten der starken Einschränkungen fast zum Erliegen gekommen. Doch jetzt, da es Lockerungen gibt, steht der ambulante Hospizdienst Lebensbrücke für Soltau, Munster, Bispingen und Wietzendorf in den Startlöchern, um seine Angebote wieder zu aktivieren, wenn auch in modifizierter Form. Darauf haben Pastorin Elke Conrad und Koordinatorin Marianne Kraft am heutigen Montag in Soltau hingewiesen.

„Wir fangen mit unseren Trauerangeboten wieder an“, meint Marianne Kraft. Wie vor Corona steht damit jetzt wieder an jedem dritten Sonntag im Monat das Trauer-Café in Soltau auf dem Plan: Nächster Termin ist der 19. Juli um 15 Uhr. Neu ist dabei der Ort: Um den gebotenen Abstand halten zu können, treffen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei gutem Wetter im Kirchgarten von St. Johannis, bei schlechtem im Jugendraum in der Kirche. Auch in Munster geht es wieder an jedem dritten Mittwoch im Monat los mit dem Trauer-Café - zunächst am 15. Juli um 15 Uhr. Und das Trauer-Bistro - eine feste Gruppe - trifft sich ebenfalls wieder. Was neuerdings für all diese Angebote gilt: Wer teilnehmen möchte, muss sich vorher anmelden. Das ist möglich unter Tel.: (05191) 60144 oder per E-Mail an info@hospizdienst-lebensbruecke.de. „Dadurch leidet die Spontanität ein wenig. Eine gewisse Anonymität der Teilnehmer bleibt gewahrt, weil wir ja der Schweigepflicht unterliegen“, so die Pastorin.

In den Trauer-Cafés kommen zumeist ältere Menschen zusammen, die Partner, Partnerin oder ein Kind verloren haben. Begleitet von Haupt- und Ehrenamtlichen der Lebensbrücke, geht es hier um den Austausch zwischen den Betroffenen. Das Trauer-Bistro richtet sich vornehmlich an jüngere Menschen, die Partnerin, Partner oder Kind verloren haben: „Auch hier ist der Austausch sehr wichtig, aber die Themen sind doch oft andere als bei den Teilnehmern der Trauer-Cafés“, erläutert Marianne Kraft.

Froh, dass sich die Perspektiven jetzt etwas verbessert haben, zieht Elke Conrad eine sehr gemischte Bilanz der vergangenen Monate: „Wenn Menschen von ihren Angehörigen etwa im Heim Abschied nehmen wollten, dann war das nur sehr eingeschränkt möglich. Und auch die Gestaltung von Trauerfeiern war problematisch, weil sie unter freiem Himmel stattfinden mussten und nur zehn Personen daran teilnehmen durften. Das reichte oft nicht einmal für den engsten Familienkreis. Jetzt sind es - abhängig von der Größe der Kapelle - bis zu 50 Personen.“

Auch die Trauerbegleitung sei stark zurückgefahren worden: „Wir haben manche Gespräche aufs Telefon verlagert. Das ist zwar eine Krücke, war aber trotzdem sinnvoll. Oder wir haben Postkarten an die Betroffenen geschrieben, damit der Verbindungsfaden nicht abriss. Wir haben aber auch Trauergespräche auf einem Spaziergang angeboten, denn Spaziergänge waren erlaubt“, berichtet die Pastorin. Erfindungsgeist war also gefragt: „So haben wir das Trauer-Bistro nach draußen verlagert, beispielsweise in den Friedwald. Das hat ein positives Echo gefunden“, weiß Marianne Kraft.

Aber auch die hospizliche Begleitung schwerkranker und sterbender Menschen, der eigentliche Schwerpunkt der Lebensbrücke, hat coronabedingt gelitten: „Damit ist es rapide bergab gegangen“, so die Kordinatorin. Nach wie vor haben die Hospizbegleiterinnen und -begleiter noch keinen Zutritt zu den Alten- und Pflegeheimen. Aber auch sonst sei die Nachfrage zur Zeit eher klein - dies zumeist aus Vorsicht der Angehörigen, die mit Blick auf Covid-19 mit der Hospizbegleitung lieber noch warten wollten. Doch die Lebensbrücke selbst habe ebenfalls zum Schutz ihrer Ehrenamtlichen, die Risikogruppen angehörten, Absagen aussprechen müssen: „Insgesamt haben wir jetzt etwa zwei Drittel weniger Sterbebegleitungen als vor Corona.“ Letztlich sei es schwierig, diese Begleitung, zu der Gesten, Nähe und Berührungen gehörten, auf Distanz zu leisten: „Das ist einfach anders. Wir hoffen, dass wir nicht auf Dauer diesen Abstand halten müssen.“

Diese Entwicklung hat auch wirtschaftliche As­pek­­te: Während die Angebote der Trauerbegleitung über Spenden finanziert werden, wird die Hospizbegleitung von den Krankenkassen am Jahresende abgerechnet und refinanziert. „Wir werden diesmal unsere Kosten nicht decken können. Das wird bei vielen Hospizdiensten ähnlich sein“, befürchtet Marianne Kraft. Und Elke Conrad: „Das kann schon an die Existenz gehen.“ Allerdings, so die Koordinatorin, liefen in dieser Sache derzeit noch Gespräche mit den Krankenkassen.

Auch wenn momentan also nicht ganz soviel zu tun ist, ist die Lebensbrücke doch stets auf der Suche nach weiteren Ehrenamtlichen, die sich bei Hospiz- und Trauerbegleitung engagieren möchten. Damit sie dazu in der Lage sind, werden sie zunächst zur Hospizbegleiterin oder zum -begleiter ausgebildet, anschließend können sie sich in der Trauerbegleitung schulen lassen. „Wir suchen Ehrenamtliche jedes Alters, gern auch jüngere, die allerdings schon ein bisschen Lebenserfahrung mitbringen sollten“, so Marianne Kraft. „Und wir sind immer offen für Ehrenamtliche, die gern mit Kindern arbeiten“, unterstreicht Elke Conrad. Denn die Lebensbrücke bietet auch Kinderhospizarbeit an und kooperiert hier mit dem Kinderhospiz Löwenherz in Syke. Die Pastorin weiter: „Das ist nicht unbedingt Sterbe-, sondern eher Lebensbegleitung. Denn wenn ein Kind eine lebensverkürzenden Erkrankung hat, dann kann diese Begleitung oft über Jahre laufen. Wir leisten dabei Alltagsunterstützung und erhöhen die Lebensqualität in den Familien.“

Wer hier Interesse hat, kann über die obengenannte Rufnummer und E-Mail-Adresse Kontakt zur Lebensbrücke aufnehmen.

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