„Wir wollen Gespräche führen und keine Vorträge halten“

Mitmach-Parcours „KlarSicht“ informiert an der Oberschule Soltau über Gefahren von Alkohol und Tabak

„Wir wollen Gespräche führen und keine Vorträge halten“

„KlarSicht“ heißt der Mitmach-Parcours, mit dem die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) Schüler aktiv über die Gefahren von Alkohol und Tabak informieren möchte. Projektleiter Sebastian Tesch und sein Team haben ihre Stationen, an denen die Moderatoren mit den Schülergruppen diskutieren, in den vergangenen Jahren bereits an zahlreichen Schulen aufgebaut - in der vergangenen Woche nun auch in Soltau: An der Oberschule (OBS) der Böhmestadt hatten fast 300 Jugendliche Gelegenheit, sich mit den Themen Alkohol und Nikotin auseinanderzusetzen.

„Die siebten Klassen - zusammen rund 120 Schüler - und die achten Klassen mit etwa 150 Schülern waren eingeladen“, erklärt OBS-Leiterin Karin Spreckelsen. „Wir wollen aufklären und sind daher stets offen für solche Projekte“, so die Oberschuldirektorin weiter. „Und die Schüler arbeiten gut mit, sind sehr interessiert“, freut sich Direktorstellvertreterin Nadine Schirmacher. An den Stationen des Parcours selbst sind keine Lehrer dabei, nur die Moderatoren. So entstehe eine ganz andere Basis für ein vertrauensvolles Miteinander und eine Begegnung ohne Druck, weiß Tesch: „Wir wollen Gespräche führen und keine Vorträge halten.“ Der Mitmach-Parcours der BZgA ist ein auf Jugendliche zugeschnittenes Präventionsangebot: Schülerinnen und Schüler werden an den Lernstationen selbst aktiv und setzen sich in Rollenspielen und Diskussionen mit den Bereichen Alkohol und Tabak und deren Folgen auseinander. So sollen sie lernen, ihr eigenes Konsumverhalten zu reflektieren. Ein Highlight unter den sieben Stationen ist der sogenannte „Drunk-Buster“, eine „Rauschbrille“, die einen Promillewert von etwa 1,3 bis 1,5 simuliert. Unter anderem sollen die Jugendlichen damit eine gestrichelte Linie entlanggehen - oder es vielmehr versuchen, denn kaum ein Schritt trifft die Linie. Klar im Kopf, aber betrunken im Blick: Eine Erfahrung, die nachhaltiger ist als jeder eindringliche Vortrag.

Die zwei Stationen „Alkohol“ und „Tabak“ informieren interaktiv über die Gefahren beim Konsum von alkoholhaltigen Getränken und Zigaretten. Dabei geht es nicht darum, den Alkoholkonsum per se zu verteufeln. Vielmehr wird den Jugendlichen ein kritischer und bewußter Umgang mit Alkohol vermittelt. Ziel ist es, riskanten Alkoholkonsum zu vermeiden. „Unvernebelt“ ist die Aussage beim Tabak: „Nichtrauchen ist gesund und clever.“ An der „Talkshow“-Station werden in der Gruppe Geschichten entwickelt, in denen es um Probleme geht, die im Umgang mit Alkohol oder Tabak entstehen können - erfundene und erlebte, anonym erzählt. Gemeinsam wird überlegt, wie die auftretenden Probleme hätten verhindert werden können beziehungsweise wo Betroffene Hilfe finden. Bei der Station „Images“ setzen sich die Jugendlichen mit der Werbung der Alkohol- und Tabak-Industrie auseinander: Sie lernen so, die Werbeversprechen zu analysieren und zu durchschauen. Am „Tor der Entscheidung“ wird bereits zum Einstieg eine Frage zu Alkohol und Rauchen gestellt. Nach Abschluß des Parcours beantworten die Teilnehmer die gleiche Frage noch einmal. Die Einschätzungen vor und nach Absolvieren des Parcours können direkt miteinander verglichen werden.

Aktuelle Zahlen der BZgA zeigen übrigens, daß sich 14,7 Prozent der Jugendlichen im Alter von zwölf bis 17 Jahren mindestens einmal im Monat in einen Rausch trinken. Der Anteil der rauchenden Jugendlichen in dieser Altersgruppe ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken und war mit 7,4 Prozent im Jahr 2016 auf einem historischen Tiefstand. „KlarSicht“ soll helfen, die Zahlen weiter zu senken. Dabei spielen aber noch andere Faktoren eine Rolle: „Gesundheitstrends und soziale Medien haben ebenfalls dazu beigetragen, daß die Jugendlichen bewußter auf sich achten“, so Tesch. „Wir möchten die Schüler hier weiter stärken, entschlossen ‚Nein‘ zu sagen“, fügt Spreckelsen hinzu. Und ein „Nein“ zum Mittrinken oder -rauchen werde heute auch von Mitschülern einfacher akzeptiert, ergänzt Schirmacher.

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