„YouZe“ in Soltau jetzt unter Regie der „Generation Z“

Nach Wechsel des Trägers: Leiterin Carina Zottl führt Einrichtung weiter

„YouZe“ in Soltau jetzt unter Regie der „Generation Z“

„Du kommst hier nicht rein!“ - der eine oder die andere hat diesen Satz vielleicht schon mal am Eingang einer Diskothek gehört, ausgesprochen von grimmig dreinschauenden Muskelbergen, die es nicht ganz so genau nehmen mit dem Antidiskriminierungsgesetz. „Türpolitik“ nennt sich das Ganze und viele dürften sich wegen dieser „Auslese“ schon vor vermeintlich angesagten Tanztempeln oder Nobel- und Prominentendiskotheken die Füße platt gestanden haben. In Soltau hingegen gibt es einen „Club“, der sich nicht an Pistengänger, sondern an ein jüngeres Klientel richtet und der auf kampfsporterfahrenes Security-Personal getrost verzichten kann: das „YouZe“. Kinder und Jugendliche, die das Kinder- und Jugendzentrum in der Böhmestadt besuchen, werden mit offenen Armen empfangen und erhalten einen Clubausweis, der ihnen sozusagen Tür und Tor öffnet und zugleich als Pfand dient, wenn sie sich zum Beispiel Tischtennisschläger oder Gamepads zum „Daddeln“ ausleihen. „Willkommen im Club“ heißt es somit in der Scheibenstraße 12 - zwar seit kurzem unter Regie eines neuen Trägers, aber unter der bewährten Leitung von Carina Zottl und ihrem Team.

Rund 350 Kinder und Jugendliche sind stolze Besitzerinnen und Besitzer eines „YouZe“-Clubausweises. Sie werden als „Mitglieder“ stets auf digitalem Wege über Aktuelles aus dem Hause informiert. Aber auch das Team profitiert von dieser Lösung, weiß es doch anhand der am Eingang abgegebenen Karten stets, wer sich wann in der Einrichtung aufhält, um die vielfältigen Angebote zu nutzen. „Freien Eintritt“ haben natürlich auch diejenigen, die keinen Clubausweis in der Tasche haben. Sie müssen beim Besuch lediglich einen kleinen Zettel ausfüllen.

Es ist rund dreieinhalb Jahre her, dass es in der Scheibenstraße 12 einen Neuanfang gegeben hat. Damals übernahm die Takoda GbR, ein freier Träger der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe, das Ruder. Der Vertrag lief zum Ende des vergangenen Jahres aus. Weil die Jugendarbeit in Soltau mit dem „YouZe“ in Trägerschaft einer geeigneten Einrichtung fortgesetzt werden sollte, wurde die Verwaltung beauftragt, ein Interessenbekundungsverfahren zu starten. Carina Zottl hatte daraufhin ihr Konzept zur Fortführung der offenen Kinder- und Jugendarbeit im Sozialausschuss vorgestellt. Ende November vergangenen Jahres gab der Stadtrat grünes Licht. Die 40-Jährige wird ihre Arbeit nun selbstständig als Geschäftsführerin ihrer gemeinnützigen Unternehmergesellschaft „Generation Z“ mit der bewährten Mannschaft fortsetzen, also nicht mehr unter dem Dach der Takoda GbR. Maren Weder, Frank Reinke und Madlen Dörfelt bleiben an Bord, ebenso Minijobber, Ehrenamtliche und Bundesfreiwilligendienstleistende. Insgesamt 15 Frauen und Männer, darunter auch zwei Ukrainer, betreuen die Kinder und Jugendlichen mit viel Herzblut.

„Es war gut, das bewährte Team zu behalten, so dass man nicht wieder ganz von vorn anfangen muss“, betonte Zottl am vergangen Freitagvormittag im Pressegespräch. Silke Thorey-Elbers hob hervor, dass es „der richtige Schritt“ gewesen sei, die Jugendarbeit in der Einrichtung vor dreieinhalb Jahren neu aufzustellen. „Das Jugendzentrum ist zu einem Anziehungspunkt geworden, zu dem Eltern ihre Kinder wieder gern hingehen lassen“, betonte die Leiterin der Fachgruppe 50 (Soziale Hilfen) der Stadtverwaltung. Mit Auslaufen des Vertrages Ende 2022 habe es keine Option für eine Verlängerung gegeben: „Wir mussten neu ausschreiben. Und das haben wir gut über die Bühne gebracht.“ Die Bewerbungskriterien seien klar festgelegt gewesen. Und aufgrund der zuletzt im Jugendzentrum geleisteten Arbeit sei es nicht schwer gewesen, die Qualität der Arbeit zu beurteilen und zu bewerten.

„Wir sind extrem stolz darauf, was Carina und ihr Team hier in dreieinhalb Jahren abgeliefert haben. Und wir freuen uns, dass sie weitermachen kann“, unterstrich David Dinges, einer der beiden Leiter der Takoda GbR. Er und sein Kompagnon Jan Struck hätten sich nicht erneut um den Auftrag beworben, um sich auf ihr Kerngeschäft, die Jugendhilfe im Heidekreis, zu konzentrieren. Die Takoda GbR betreue im Heidekreis 24 Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis 22 Jahren - und zwar ambulant und stationär. Im Verlauf der Corona-Pandemie „mit ihren unvorhersehbaren Folgen“ gelte es nun, alle Ressourcen und Kräfte zu bündeln. „Es hat uns sehr viel Spaß gemacht, in den letzten Jahren zu beobachten, wie das ‚YouZe‘ durch das Engagement unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Zusammenarbeit mit der Stadt Soltau zu einem wichtigen Anlaufpunkt für derzeit mehr als 300 Kinder und Jugendliche geworden ist“, so Dinges: „Wir haben nur positive Rückmeldungen bekommen. Das ‚YouZe‘ ist ein Leuchtturm in der Region.“ Laut Carina Zottl steht die Einrichtung Kindern ab acht Jahren offen, „Kernpublikum“ seien die Acht- bis Zwölfjährigen. Aber auch etwas ältere Besucherinnen und Besucher um die 14 Jahre nutzten die Angebote gern.

„Sehr, sehr wichtig“ sei die Verbindung mit den Schulen, hob Marion Kreutzer von der Stadtjugendpflege hervor. Erste Kontakte mit dem „YouZe“ gebe es bereits für Mädchen und Jungen ab sechs Jahren im Rahmen des Ferienprogramms. „Eltern bringen ihre Kinder und sehen dann, wie hell und freundlich es im Kinder- und Jugendzentrum ist. Sie nehmen es positiv wahr“, so Thorey-Elbers.

Außerdem sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des „YouZe“-Teams im Rahmen der Grundschulsozialarbeit mit vielen Kindern in Kontakt. Die älteren Schülerinnen und Schüler erreicht die Einrichtung unter anderem im Rahmen des Ganztages. „Gruppen und Klassen kommen her, unsere Räumlichkeiten werden im Schulkontext gern genutzt. Da gibt es immer wieder Anfragen. Außerdem haben wir auch zwei Coolness- und Anti-Agressivitätstrainer im Team und bieten an, mit Schulkassen zu arbeiten“, berichtete Zottl. Gerade diese Flexibilität und Vielfalt mache die Qualität der geleisteten Kinder- und Jugendarbeit aus, lobte Thorey-Elbers.

Die jungen Besucher selbst nutzen im Hause die verschiedensten Angebote, freies W-Lan inklusive. Besonders gern spielten sie Billard, aber auch der „Gaming-Room“ und das Karaoke-Singen seien Renner, so Zottl. Angebote gebe es für die verschiedensten Altersgruppen: „Unser Wunsch ist es“, so die Leiterin, „dass alle Soltauerinnen und Soltauer in ihrer Schullaufbahn wenigstens einmal im ‚YouZe‘ zu Gast gewesen sind.“

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