Zahl der Straftaten 2019 leicht rückläufig

Polizeiinspektion Heidekreis stellt Kriminalstatistik vor

Zahl der Straftaten 2019 leicht rückläufig

Eine positive Nachricht konnte jetzt Polizeidirektor Stefan Sengel vermelden: Die Zahl der Straftaten im Bereich der Polizeiinspektion (PI) Heidekreis ist im vergangenen Jahr leicht zurückgegangen. Was die Kriminalstatistik für 2019 im einzelnen aufzuweisen hat, erläuterte der PI-Leiter gemeinsam mit Polizeirat Sebastian Pölking, Leiter des Zentralen Kriminaldienstes, und Kriminalhauptkommissar Rüdiger Strahl, Leiter der Analysestelle, am heutigen Freitag in Soltau.

Mit 10.189 ist die Zahl der Straftaten insgesamt gegenüber 2018 (10.506) um 317 Taten oder 3,02 Prozent gesunken. Erfreulich, so Sengel, sei auch diesmal wieder die Aufklärungsquote. Sie liege zwar mit 66,52 Prozent etwas niedriger als 2019 (67,75 Prozent), sei damit aber noch immer sehr positiv und liege höher als die Durchschnittswerte im Bereich der Polizeidirektion (PD) Lüneburg (64,27 Prozent) und des Landes Niedersachsen (63,44 Prozent). „Dazu gehört zwar auch ein bisschen Glück - vor allem aber zeigt dieser Erfolg die Qualität der Arbeit in der Polizeiinspektion Heidekreis“, so Sengel.

Auch Pölking betont, dies sei ein Zeichen guter kriminalistischer Arbeit. Diese Fallarbeit indes werde immer umfangreicher, denn das Gesamtaufkommen gehe zwar zurück, „doch die Straftaten werden immer komplexer und damit auch die Auswertung aufwendiger.“

Einen deutlichen Rückgang um 274 Taten oder 9,13 Prozent von 3.001 Fällen (2018) auf 2.727 gab es bei den Diebstahlsdelikten insgesamt. Die Zahl der Fahrraddiebstähle etwa sank um 93 Taten oder 21,14 Prozent von 440 auf 347. 17 oder 4,9 Prozent davon betrafen Pedelecs: „Wir gehen davon aus, dass deren Anteil an den gestohlenen Fahrrädern in Zukunft steigen wird“, so Pölking.

Anders als im Durchschnitt der Polizeidirektion Lüneburg ist die Zahl der Wohnungseinbrüche im Heidekreis 2019 wieder angestiegen, und zwar um 44 Fälle oder 21,57 Prozent auf 248. In diesem Wert enthalten sind allerdings auch knapp 42 Prozent oder 104 Fälle, bei denen die Täter keinen Erfolg hatten. Dies, so Sengel, sei eine gute Präventionsquote, die er auch auf die intensive polizeiliche Informationsarbeit zur besseren Einbruchsicherung der Wohnung zurückführt. Hervorzuheben sei auch die Aufklärungsquote von gut 33 Prozent (PD Lüneburg: 26,13 Prozent, Niedersachsen: 24,03 Prozent). Dass die Zahl der Wohnungseinbrüche jetzt wieder angestiegen sei, führt Pölking vor allem auf die seit einiger Zeit baustellenfreie A 7 zurück, was Tätern ein schnelleres Verschwinden ermögliche. Pölking appellierte noch einmal an die Bürgerinnen und Bürger, die Polizei zu benachrichtigen, sollte in der Nachbarschaft etwas Verdächtiges vor sich gehen.

Mit 96 Prozent ist die Aufklärungsquote bei Betäubungsmitteldelikten - 2019 waren es insgesamt 850 - sehr hoch. Hier, so Pölking, gebe es eine hohe Dunkelziffer.“

Von einem großen Dunkelfeld gehen die Ermittler bei den Betrugsdelikten aus, insbesondere, wenn diese über das Internet laufen und der Täter möglicherweise gar nicht im Heidekreis sitzt. Eine besondere Facette ist der Tankbetrug: Von den 1.252 Fällen in der PD Lüneburg entfielen allein 398 auf den Heidekreis. Dies deshalb, weil, hier durch die Autobahnen ein sehr dichtes Tankstellen- und Raststättennetz besteht. Eine besonders perfide und hochprofessionelle Art des Betruges an Senioren läuft über Enkeltrick und falsche Polizisten: Hier lag die Fallzahl 2019 bei 203. Da sich viele Opfer schämten, so Pölking, gebe es hier wohl eine hohe Dunkelziffer.

Einen Rückgang gab es bei den Rohheitsdelikten: Die Zahlen für Raub fielen von 64 auf 54 Fälle bei einer Aufklärungsquote von 70,37 Prozent und die für Körperverletzungen von 1.175 auf 1.110 Fälle bei einer Aufklärungsquote von 92,5 Prozent

Gegenüber dem Vorjahr hat die Gewalt gegen Polizeibeamte leicht zugenommen: Sie stieg um vier von 67 auf 71 Fälle, begangen von 57 Tatverdächtigen. Die Zahl der Gewalttaten gegen Rettungsdienst und Feuerwehr sank von fünf auf zwei. Hier verweist Sengel auf Polizeipräsident Thomas Ring, der dies aufs schärfste verurteile. Sengel selbst meint: „Das bereitet uns Sorgen, aber wir versprechen uns einiges von den neuen Bodycams. Wenn aber auch noch jene, die ehrenamtlichen Dienst für die Allgemeinheit leisten, zur Zielscheibe werden, ist das Maß voll. Da müssen wir tätig werden.“

Was Sexualdelikte betrifft, so sank die Zahl der Vergewaltigungen um neun auf 18 (Aufklärungsquote: 88,29 Prozent). Dabei handelte es sich nicht um überfallartige Taten von Einzeltätern oder Gruppen. Die Zahl der sexuellen Übergriffe/sexuellen Nötigungen sank um zehn auf sechs Fälle (Aufklärungsquote: 83,33 Prozent). Um zwölf auf 34 Taten ist die Zahl der „Sexualdelikte zum Nachteil von Kindern“ angestiegen (Aufklärungsquote: 97,06 Prozent). Eine erneute Zunahme von 22 auf 61 Taten mussten die Beamten auch bei der Verbreitung pornographischer Erzeugnisse verzeichnen. Im Bereich des Besitzes und der Verbreitung von Kinder- und Jugendpornographie etwa wurden insgesamt 50 Täter und Täterinnen ermittelt.

Leicht rückläufig sind die Zahlen häuslicher Gewalt, die von 408 auf 398 sanken. Dass es dennoch diese hohe Fallzahl gebe, hänge auch vom stärkeren Anzeigeverhalten ab. Hier gebe es inzwischen eine höhere Sensibilität. 47 Prozent (217 Fälle) spielten sich in der Partnerschaft ab, wobei es sich, so Sengel, häufig um dieselben Täter, aber auch Täterinnen handele. Der zweitgrößte Block häuslicher Gewalt mit 21 Prozent (98 Fälle) bezieht sich auf „sonstiges“. Das kann Gewalt unter Kindern einer Familie sei. Nicht ganz selten, so der PI-Chef, „ist aber auch Gewalt von Jugendlichen den Eltern gegenüber.“

Was schließlich Kinder- und Jugendkriminalität betrifft, so ist Zahl der Fälle zwar von 799 auf 755 gesunken, die Zahl der minderjährigen Tatverdächtigen jedoch von 667 auf 690 gestiegen. Diese Zahlen liegen allerdings noch unter dem Durchschnittswert der vergangenen zehn Jahre.

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