Zahn der Zeit nagt am Turm von St. Johannis

Notwendige Sanierung dauert vermutlich anderthalb Jahre

Zahn der Zeit nagt am  Turm von St. Johannis

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus: Unzählige Gerüstbauteile brachte ein großer Laster aus Bad Oldeslohe in den vergangenen Tagen in die Soltauer Bahnhofstraße, denn die älteste Kirche der Stadt, die St. Johanniskirche, hat Sanierungsbedarf. Ausgerechnet am 68 Meter hohen Glockenturm hat der Zahn der Zeit intensiv genagt - das Mauerwerk muß aufwendig repariert werden. Auch Ziffern und Zeiger der Uhr sollen bei der Gelegenheit wieder „chic gemacht werden“, wie Pastorin Elke Conrad formuliert. Inzwischen sind die vielen Einzelteile zusammengebaut und der Kirchturm komplett eingerüstet - ein Anblick, an den sich die Soltauer schon einmal gewöhnen können, denn es wird lange dauern, bis die Arbeiten abgeschlossen sind. Die Denkmalschützer, die „hier im Prinzip das Heft in der Hand haben“, wie Franz-Otto Wiehenstroth, Vorsitzender des Kirchenvorstands, sagt, rechnen mit anderthalb Jahren.

Regelmäßig gibt es Begehungen mit dem Amt für Bau- und Kunstpflege mit Sitz in Celle - das ist üblich bei historischen Gebäuden, die unter Schutz stehen. Dabei offenbarte das alte Turm-Gemäuer zunehmend Schwachstellen: Steine sind ausgewaschen, vor allem an der Wetterseite, am Gesims sind Steine locker, „es ist auch schon etwas heruntergebröselt“, so Wiehenstroth. Seit rund einem Jahr ist deshalb klar, daß etwas getan werden muß am Glockenturm - nun geht es los:

Zunächst muß das Gerüst noch mit Planen umhüllt werden, um Arbeiter und auch Passanten zu schützen, dann sollen defekte Ziegel am Turm, Witterungsschäden am Putz und lose Gesimssteine unter dem Dachüberstand repariert und die Uhren überarbeitet werden. Auch müssen Steine ersetzt werden, und da es sich bei dem Glockenturm um ein Denkmal handelt, natürlich nicht mit modernem Material, sondern mit „Original“-Steinen, die in einer Ziegelei eigens für diesen Zweck gebrannt werden.

Mit Hilfe von Drohnen ist im Vorfeld versucht worden, ein genaueres Bild der notwenigen Arbeiten zu bekommen: Der Helm des Turms ist in Ordnung, am Turm selbst sind aber viele Feinarbeiten nötig. Was im einzelnen getan werden muß und wie genau die Schäden aussehen, „das sieht der Maurer allerdings erst, wenn er auf dem Gerüst steht“, erklärt Wiehenstroth. Die Aufträge für die Sanierung wurden vom Amt für Bau- und Kunstpflege, das die Arbeiten betreut und beaufsichtigt, an Unternehmen vergeben, die mit der Sanierung denkmalgeschützer Bauten vertraut sind.

Einige wenige Einschränkungen bringt die Baustelle für Kirchenbesucher mit sich: Ein Bauzaun soll für Sicherheit sorgen, der Zugang durch den seitlichen Nebeneingang bleibt jedoch weiterhin möglich. Die Pforte zum Kirchhof am Turm allerdings wird verschlossen, die Fahrradständer sind während der Bauphase nicht nutzbar. Auch die Auto-Abstellflächen wurden reduziert: Eine Hälfte des Parkplatzes dient nun als Lagerfläche für Material und eine mobile Toilette für die Bauarbeiter.

Bezüglich der immensen Kosten, die das Vorhaben mit sich bringt, hat die Kirchengemeinde nichts zu fürchten: Da es sich um eine Außensanierung handelt, ist hier die Landeskirche am Zuge. „Die St. Johannisgemeinde muß keine fianzielle Beteiligung leisten, das ist bei Außenarbeiten glücklicherweise anders als bei Sanierungen im Innraum“, freut sich Wiehenstroth.

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