„Zeit für Gespräche ist am wichtigsten“

50 Jahre Grüne Damen / erste Soltauer Gruppe seit 35 Jahren aktiv

„Zeit für Gespräche ist am wichtigsten“

Sie haben etwas zu verschenken, was im durchorganisierten Krankenhausbetrieb längst zur Mangelware geworden ist - Zeit. Genau dies macht die Grünen Damen und Herren so einzigartig, und das seit genau 50 Jahren. Auf Bundesebene hat es dazu in Bonn bereits eine Tagung mit Jubiläumsfeier gegeben. Doch auch im Heidekreis-Klinikum (HKK) in Soltau, wo sich die Grünen Damen seit 35 Jahren engagieren, gibt es aus diesem Anlass am 2. Dezember eine interne Feier, zu der auch Niedersachsens Sozialministerin Dr. Carola Reimann erwartet wird. Damit wird der Einsatz dieser Ehrenamtlichen auch im Heidekreis einmal mehr in den Mittelpunkt gerückt.

Dass dieses Engagement auch in Soltau solchermaßen im Fokus steht, freut Susanne Zschätzsch besonders. Als Landesbeauftragte der Grünen Damen hatte die Soltauerin auch HKK-Geschäftführer Dr. Achim Rogge über die Einladung zur Jubiläumsfeier in Bonn berichtet. Der habe gemeint, nicht alle könnten dorthin, „deshalb sollten wir auch hier etwas tun“, berichtet die 60jährige. So habe das HKK jetzt eingeladen: „Und das ist ganz toll.“ Das zeigt auch, wie hoch diese ehrenamtliche Arbeit im HKK im Kurs steht. Und nicht nur dort, denn die Grünen Damen sind im Heidekreis in weiteren Kliniken und Altenheimen aktiv, jeweils in eigenen Gruppen.

In Soltau gibt es vier dieser Gruppen - im HKK, im Mediclin-Klinikum sowie in den beiden Alten- und Pflegeheimen Stiftung Haus Zuflucht und Haus im Park. Während die Gruppe im Haus Zuflucht auch eine eigene Leitung besitzt, ist Susanne Zschätzsch für die drei übrigen Gruppen zuständig. Sie engagiert sich seit 2003 bei den Grünen Damen in der Böhmestadt und hat 2011, gemeinsam mit Beate Exner, die inzwischen auch Bundesvorstandsmitglied ist, die Position der Landesbeauftragten für Niedersachsen übernommen.

Die Grünen Damen und Herren gehören dem Verein Evangelische Kranken- und Alten-Hilfe an: „Der Bundesvorstand schafft die Strukturen, in denen wir uns bewegen können. Und die Landesbeauftragten kümmern sich darum, dass die Leute vor Ort gut arbeiten können. Das alles läuft komplett ehrenamtlich“, betont Zschätzsch. Darauf hebe auch die Jubiläumsdevise „Was hält unsere Gesellschaft zusammen? Ehrenamt - Übernahme von Verantwortung - Dienst für andere“ ab.

In Soltau sind es derzeit rund 50 Grüne Damen und Herren, die sich solcherart um Patienten oder alte Menschen kümmern. Dabei sind einige Grundregeln zu befolgen: „Wir unterliegen der Schweigepflicht, wir erledigen nur Arbeiten, die wir mit Freude tun, und wir übernehmen keine Arbeiten, für die es bezahlte Kräfte gibt“, erläutert die Soltauerin.

Die Aufgaben von Pflegekräften oder gar Ärzten gehören damit auf keinen Fall zum Spektrum der Grünen Damen und Herren. Sie übernehmen, was das Fachpersonal vielleicht gern tun würde, aber nicht leisten kann: Sie schenken Zeit für Gespräche. Das kann sehr wichtig sein, etwa dann, wenn ein Patient seine Angehörigen nicht mit Äng­sten belasten will, oder auch dann, wenn Verwandte nicht kommen können oder sich nicht kümmern wollen. Dazu die Landesbeauftragte: „Das Gespräch ist also am wichtig­sten.“ Doch das werde nicht aufgedrängt: „Wir bieten es an - und wenn der Patient nicht will, gehen wir wieder. Das ist unser großer Vorteil. Unser Potential dabei ist die Liebe zum Menschen.“ Am Ende führe dies zu Dankbarkeit auf beiden Seiten, „denn auch wir werden durch viele dieser Begegnungen mit den Menschen beschenkt.“

Unterstützung leisten die Grünen Damen aber auch bei alltäglichen Dingen, etwa wenn es um kleine Besorgungen und ähnliches geht. Auch hier haben sich übrigens die Bedürfnisse erweitert: So helfen die Ehrenamtlichen etwa auch beim Einloggen ins Patienten-Wlan. „Außerdem sammeln wir vergessene und nicht wieder abgeholte Handy-Ladekabel, um aus diesem Fundus auszuhelfen.“ Darüber hinaus betreuen speziell dafür geschulte Grünen Damen die Soltauer Krankenhausbücherei, andere bereiten Gottesdienste und gemeinsam mit Ruth Stakeman die Reihe „Musik im Krankenhaus“ vor.

Die Grünen Damen und Herrn haben sich damit über die Jahre fest etabliert: „Unsere Arbeit hier wird vom Haus wertgeschätzt, wir werden auf Augenhöhe akzeptiert“, freut sich die Soltauerin.

Was heute jedoch so selbstverständlich klingt, war in den Gründungstagen vor 50 Jahren problematisch, denn als Brigitte Schröder die Grünen Damen 1969 aus der Taufe hob, waren sie nicht willkommen: „Sie musste kämpfen, bis die erste Gruppe in einem evangelischen Krankenhaus eingerichtet werden konnte“, weiß Susanne Zschätzsch zu berichten. Heute, ein halbes Jahrhundert später, werden immer noch neue Gruppen gegründet - in der Regel aber mit umgekehrten Vorzeichen: Da sind es die Krankenhäuser, die bei den Grünen Damen nachfragen.

Letztere haben allerdings, wie viele andere ehrenamtliche Einrichtungen, mit Nachwuchsmangel zu kämpfen: So brauchen auch die Grünen Damen in Soltau „in allen vier Gruppen ganz dringend mehr Mitglieder“, betont die Landesbeauftragte. Interessierte, die dabei mitmachen möchten, müssen älter als 18 Jahre sein, in der Regel zwei bis drei Stunden pro Woche zur Verfügung stehen und zuverlässig sein. Dabei sollten sich durchaus auch jüngere Leute angesprochen fühlen: „Bei uns sind nicht nur Rentnerinnen und Rentner, sondern auch Berufstätige und sogar eine Studentin.“ Wer sich ebenfalls enagieren oder zunächst informieren möchte, kann sich an Susanne Zschätzsch unter Telefon (05191) 6023252 oder per E-Mail zschaetzsch@ekh-deutschland.de wenden.

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