Zentrumsnah acht Wohnungen

Lebenshilfe realisiert Wohnprojekt in Soltau / „Bau-Schau“ statt Richtfest

Zentrumsnah acht Wohnungen

„Hör‘ mal wer da hämmert“ heißt es am vergangenen Dienstag nach der Mittagszeit in der Neuen Straße 16 in Soltau. Dort, wo noch vor gar nicht allzulanger Zeit Brötchen und Brot gebacken wurden, um die Teigwaren ofenfrisch am Verkaufstresen an den Mann, die Frau und das Kind zu bringen, wird fleißig gewerkelt. Auf dem rund 1.000 Quadratmeter großen Grundstück, auf dem sich die Bäckerei und Konditorei „Wrigge & Könemann“ befand, entsteht ein Appartementhaus mit acht Wohneinheiten für Menschen mit und ohne Handicap. Ins Leben gerufen hat das Projekt die Lebenshilfe Soltau, die es als Bauherrin mit dem Soltauer Büro Krampitz Architekten realisiert.

Weil es pandemiebedingt kein Richtfest gibt, steht bei strahlendem Sonnenschein quasi als Ersatz eine kleine „Bau-Schau“ auf dem Programm. Lebenshilfe-Geschäftsführer Gerhard Suder und sein Mitarbeiter Christian Röhrs, Bereichsleiter Wohnen, Immobilienmaklerin Heidrun Rebhan, die sich um die Vermietung kümmern wird, sowie Bauleiter Holger Nehls berichten bestens gelaunt über den Stand der Dinge. Bis auf die lauten Hammerschläge der Zimmerleute, die die schweren Dachbalken in Position bringen und befestigen, geht es auf der Baustelle recht ruhig zu. Kein Wunder: „Der Rohbau ist soweit fertig“, sagt Nehls, der seine Gäste samt Pressevertretern über die Baustelle führt. „In der kommenden Woche fängt der Dachdecker an, in etwa eineinhalb Wochen ist alles regendicht“, erläutert der Diplom-Ingenieur: „Dann kommt auch der Kran weg.“

Ende vergangenen Jahres wurde das Haus, in dem die Bäckerei beheimatet war, abgerissen. Nach der Schließung des Betriebes hatte die Lebenshilfe Gebäude und Grundstücke erworben, um dort „Inklusives Wohnen“ zu ermöglichen. Und es ist nicht zu übersehen: Es geht zügig voran.

Im 8,50 Meter hohen, 11,50 Meter breiten und 33 Meter langen Gebäude werden acht 40 bis 45 Quadratmeter große Wohnungen entstehen. Sechs davon werden barrierearm gestaltet. Jeweils eine im Unterge- sowie eine im Obergeschoss werden sogar komplett barrierefrei sein. Wie die künftigen Bewohnerinnen und Bewohner darin leben werden, lässt sich bereits bei der Baustellenbesichtigung erahnen. Die Wohnungen oben wie unten werden über Laubengänge zu erreichen sein, was sich laut Suder in ähnlichen Appartementhäusern bewährt habe. Der Haupteingang werde sich an der Seite des Hauses befinden. Jede Wohnung werde über Bad, Schlafzimmer sowie ein Wohnzimmer mit Küchenbereich verfügen. „Unsere Hand in Hand-Werk gGmbH wird sie mit Einbauküchen ausstatten“, berichtet Suder. Und mit Blick auf das Schlafzimmer: „Es sind zwar Singlewohnungen, aber man kann hier auch ein Doppelbett reinstellen.“ Zur Erhöhung des Wohlfühlfaktors sollen auch die kleinen Terrassen unten beziehungsweise die Loggien der Wohnungen im Obergeschoss beitragen.

Weiter geht es mit der Führung und Nehls zeigt auf den Fahrstuhlschacht. Im Fahrstuhl hätten später auch E-Rollstühle samt Begleitperson Platz, Fahrräder könnten problemlos mit dem Lift mit ins Obergeschoss genommen werden.

Das ist durchaus nützlich, denn zu jeder Wohnung, oben wie unten, gehört jeweils ein separater Abstellraum am Laubengang. Apropos abstellen: Hinter dem Haus werden zwölf Parkplätze entstehen. Das sind mehr als es Wohnungen gibt, aber das ist Vorschrift, wie Bauleiter Nehls erläutert: „Pro Wohnung müssen eineinhalb Parkplätze vorgehalten werden.“ Eine „Betonwiese“ solle dort allerdings nicht entstehem, sondern vielmehr jede Menge „echtes“ Grün das Bild prägen. Und so ist die Rede von „einem Garten, in dem man parken kann.“

Dass die Mieter dort gegebenenfalls auch mal gemeinsam den Grill anwerfen, ist durchaus erwünscht: „Wir wollen Menschen mit geringem Einkommen die Möglichkeit bieten, zentrumsnah zu wohnen, in einem angenehmen Mileu“, sagt Suder. Vier Wohnungen seien für Menschen mit Handicap vorgesehen, die anderen vier für Senioren. „Es soll im besten Fall eine Hausgemeinschaft entstehen, in der die Mieter vielleicht auch etwas zusammen unternehmen“, betont er, „denn die Idee ist: Wohnen im Sozialraum.“

Schon in der Bauphase gibt es viele Interessenten. „Für acht Plätze haben wir jetzt schon neun Bewerber auf der Warteliste“, berichtet der Lebenshilfe-Geschäftsführer. Nehls erzählt in diesem Zusammenhang von neugierigen Baustellenbesuchern, die offenbar eine Bleibe suchten: „Es waren schon ältere Leute hier, die die Arbeiter gefragt haben, ob es hier freie Wohnungen geben werde. Das Interesse ist da.“ Die Lebenshilfe hat zwar bereits eine Liste, Ansprechpartnerin ist allerdings Immobilienmaklerin Heidrun Rebhan. „Die Menschen im Haus müssen natürlich zusammenpassen. Das wird die Kernaufgabe bei der Auswahl der Mieter sein“, unterstreicht Suder. Die Fertigstellung sei für Ende Oktober, Anfang November geplant. Womöglich könnten die Mieter dann schon über Weihnachten oder ab Januar kommenden Jahres einziehen.

Am Ende der Führung macht der Geschäftsführer deutlich, dass das Projekt zwischenzeitlich auf Messers Schneide gestanden habe. Grund sei etwa nicht etwa Materialknappheit gewesen, sondern eine erhebliche Kostensteigerung. „Im Vergleich zur ersten Berechnung waren die Kosten um etwa 25 Prozent gestiegen. So hätten wir das Vorhaben nicht realisieren können. Herr Krampitz und ich haben dann mit den regionalen Handwerksbetrieben Individualgespräche geführt, um gemeinsam zu überlegen, wo wir konstruktiv noch etwas einsparen können. Alle hatten großes Interesse daran, zusammen mit der Lebenshilfe so ein Projekt für Soltau zu realisieren. Das war eine sehr schöne Erfahrung. Und so haben wir das Ganze gerettet und stehen heute hier.“

Da hat es sich bewährt, das fast alle beteiligten Firmen, laut Nehls rund 85 Prozent, aus der Region stammen. „Und das zeigt auch, dass unser Netzwerk gut funktioniert“, fügt Suder hinzu. Damit liefert er auch fast das Schlusswort, denn kurz darauf ist die kleine „Bau-Schau“ dann auch beendet. Die kleine Gruppe verlässt das Areal, die Zimmerleute hämmern weiter.

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