Toter Wolf mit Schußwunde gefunden

Ein toter Wolf mit Schußwunde wurde am 20. Mai in der Gemeinde Südheide gefunden

Toter Wolf mit Schußwunde gefunden

Nachdem vam 20. Mai ein toter Wolf in Barmbostel (Gemeinde Südheide) mit einer Schußwunde aufgefunden worden ist, meldet sich Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies dazu zu Wort: „Wölfe sind durch EU- und Bundesgesetz streng geschützt und dürfen nicht einfach getötet werden. Der Vorfall zeigt einmal mehr die Brisanz, die im Thema Wolf steckt. Die Menschen müssen einerseits die Gewissheit haben, dass ein handlungsfähiger Staat problematische Wölfe auch entnimmt. Dafür brauchen wir dringend Rechtssicherheit. Eigenmächtige Tötungen durch Bürger sind aber grundfalsch, denn Wölfe stehen unter strengem Schutz. Ein solcher Fall muss verfolgt und streng bestraft werden.“

Auch der Naturschutzbund (NABU) nimmt zu diesem Fall Stellung: „Dies ist bereits der achte, durch Schußwaffen, illegal getötete Wolf in Niedersachsen seit dem Jahr 2000. Die Politik darf illegale Tötungen mit Forderungen nach Abschßquoten und Bestandsregulierungen nicht salonfähig machen“, heißt es in einer Mitteilung des NABU Niedersachsen. Der NABU fordert die zuständigen Behörden und Minister auf, „entschlossener gegen illegale Wolfstötungen vorzugehen und Täter entsprechend strafrechtlich zu verfolgen.“ Bislang habe es bundesweit nur drei Verurteilungen gegeben - in allen Fällen hätten sich die Täter selbst gestellt. Eine illegale Wolfstötung könne mit einer hohen Geldstrafe, dem Entzug der Waffenbesitzerlaubnis und sogar Freiheitsentzug von bis zu fünf Jahren bestraft werden.

Als „besonders verantwortungslos“ bezeichnete der NABU Äußerungen von Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies zur ‚Lex Wolf‘. In einem Statement habe dieser die geplante Aufweichung des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) gelobt, indem er den Abschuß von Wölfen ohne individuelle Zuordnung befürwortet habe. „Dies ist eines Umweltministers nicht würdig, denn damit würden auch Tiere abgeschossen, die nie Probleme verursacht haben oder verursachen werden. Genau diejenigen sind es aber, die nicht von einer Verfolgung betroffen sein dürften. Rudelstrukturen durch willkürlichen Abschuß zu zerstören heißt, mehr Weidetierrisse zu riskieren“, so Dr. Holger Buschmann, Landesvorsitzender des NABU Niedersachsen. Und weiter: „Es sind genau solche unsachlichen Forderungen, die dazu führen können, daß Einzelne glauben, mit der Tötung eines Wolfes auch noch Gutes zu tun. Daher muß langsam die Frage gestellt werden, ob die Landesregierung die Wiederausrottung des Wolfes wünscht?“

Statt die Begrenzung der Wolfspopulation zu fordern, müsse auch Ministerpräsident Stefan Weil „endlich die wissenschaftliche Realität anerkennen, daß seltene große Beutegreifer nicht bejagt werden müssen“, betont Buschmann: „Es zeigt sich, daß Herdenschutzmaßnahmen wirken. Ziel muß es sein, Weidetierhalter schnell, unbürokratisch zu unterstützen und über effektiven Herdenschutz zu informieren, statt immer wieder Bestandsregulierungen zu fordern.“ Es wäre daher wesentlich konstruktiver, sich auf umfassende und bundesweite und vor allem fachlich begründete Standards beim Herdenschutz zu konzentrieren und diese klar zu benennen. Der NABU plädiere „daher vehement für einen verbesserten und verstärkten Herdenschutz in Niedersachsen.“

Derweil begrüßt der heimische SPD-Bundestagsabgeordnete Lars Klingbeil den heute von der Bundesregierung im Kabinett beschlossenen Gesetzentwurf zum weiteren Umgang mit dem Wolf. Der Entwurf sehe vor, daß einzelne Tiere eines Rudels in Zukunft auch dann entnommen werden könnten, wenn nicht genau festgestellt werden könne, welcher Wolf Nutztiere gerissen habe. Außerdem schaffe der Gesetzentwurf für die zuständigen Landesbehörden mehr Rechtssicherheit. Denn: Wölfe sollen auch entnommen werden können, wenn der Schaden, den sie verursacht haben, nicht die Existenz einer Nutztierhalterin oder eines Nutztierhalters gefährdet. Zudem werden Schäden von Hobby-Tierhaltern stärker berücksichtigt.

Dazu Klingbeil: „Ich bin sehr froh, daß die Bundesregierung beim Thema endlich vorangekommen ist. Diese Konkretisierung und Ausweitung der rechtlichen Vorschriften für eine Entnahme von Wölfen ist eine richtige Antwort auf die berechtigten Sorgen und Ängste in unserer Region.“ Der örtliche Bundestagsabgeordnete ergänzte allerdings, „daß die Entwicklung der Wolfspopulation in Deutschland weiterhin genau beobachtet werden muß.“

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