Shuttle für Schnucken: Schnell und sicher

Bingo-Umweltstiftung zeichnet Projekt „Flotte Schnucke“ aus: Modifizierter Anhänger dient als Transportmittel für kleine Herde und bietet nachts als „mobiler Stall“ Schutz vor dem Wolf

Shuttle für Schnucken: Schnell und sicher

Wenn sich Touristen mit dem Heide-Shuttle in die Natur fahren lassen, um dort in der ländlichen Idylle natürlich auch Heidschnucken zu begegnen, stehen diese möglicherweise schon an einer Ampel im Wagen neben ihnen. Denn genau wie die zweibeinigen Besucher im Bus mit Fahrradanhänger nutzen auch manche der vierbeinigen „Einheimischen“ seit einiger Zeit einen eigenen Shuttle-Service. Allerdings nicht für Freizeittouren, sondern für den Weg zur „Arbeit“: Ein Anhänger macht die Schafe mobil und bringt sie auf verschiedene Heideflächen - kleine, verstreut liegende Areale, die weder mit Maschinen noch durch Wanderschäferei gepflegt werden können. Um diese Gebiete mit der Hilfe kleiner Schnuckenherden zu erhalten, hat der Verein Vereinigte Heidehöfe für Naturschutz die „Flotten Schnucken“ auf den Weg gebracht. Die Initiative wurde jetzt als „Projekt des Monats“ von der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung (NBU) ausgezeichnet. Am Schafstall in Timmerloh gab es am vergangenen Donnerstag für das von Landwirten initiierte Projekt einen Scheck.

Die 500 Euro auf dem symbolischen Scheck, den Dr. Andreas Lindemann von der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung überreichte, sind nur ein kleiner Teil der gesamten Summe: Die Schafe sowie der Anhänger wurden von der NBU mit insgesamt gut 23.000 Euro gefördert. „Wir unterstützen rund 600 Initiativen pro Jahr, doch nur sechs davon waren so herausragend, dass sie zusätzlich als Projekt des Monats ausgezeichnet worden sind“, hob Lindemann hervor. Als ihm das Konzept der „Flotten Schnucken“ vorgestellt worden sei, habe er schnell gemerkt: „Diese Truppe ist dafür genau richtig.“

Die Idee der Vereinigten Heidehöfe für Naturschutz: Bis zu 40 Heidschnucken kommen auf derzeit 45 Hektar privater Heidefläche zum Einsatz und knabbern erfolgreich gegen die Verbuschung der typischen Heidelandschaft an. Der im Rahmen des Projektes angeschaffte und umgebaute Anhänger dient dabei nicht nur dem Transport der Herde, sondern auch als Schutz vor Wölfen. Denn der Anhänger, „ein modifizierter Tiertransporter“, wie Dr. Andreas von Felde vom Vorstand Vereinigte Heidehöfe für Naturschutz erklärte, sei für die Schnucken im Grunde eine Art Wohnwagen: „Die Tiere haben sich schnell daran gewöhnt, verbinden damit Fressen, Schlafen und Unterschlupf“, so von Felde. Somit ist der Schnucken-Shuttle zugleich Transportmittel und Unterkunft, wenn die Tiere auf ihren „Ausflügen“ auswärts nächtigen. Tagsüber können die Vierbeiner dann von ihrer „Mobile Office“-Basis aus in die Natur traben und dort „ihren Job“ machen: die Heideflächen pflegen.

Naturschutz, das sei eben auch im Interesse der Landwirte, betonte von Felde und erinnerte noch einmal an den Werdegang des Vereins Vereinigte Heidehöfe: 2017 gegründet, habe der Zusammenschluss heute rund 135 Mitglieder. Etwa 100 davon sind landwirtschaftliche Betriebe der Lüneburger Heide, die gemeinsam die charakteristische Kulturlandschaft nachhaltig erhalten wollen. Der Weg zu mehr Akzeptanz bei Umweltschützern sei steinig gewesen, so von Felde: „2018 waren wir bei den Niedersächsischen Umwelttagen eingeladen. Dort waren nur ganze fünf Landwirte vertreten, und über die wurde gesprochen, als seinen sie eine fremde Spezies.“ Seine Erfahrung: „Landwirte bekommen für Naturschutz keine Mittel, sie sind für diesen Bereich vielleicht einfach noch nicht entdeckt worden.“

„Doch anders, als oft dargestellt, kümmern sich viele landwirtschaftliche Betriebe um den Naturschutz. Der Zusammenschluss von über 100 Höfen zeigt hier viel Verantwortungsgefühl“, lobte Kreistagsabgeordnete Heidi Schörken den Verein. Und dessen Projekt der „Flotten Schnucken“ sei ein tolles Beispiel als Schutz vor dem Wolf und transportabler Stall. „Wir erleben hier, wie sich Landwirte aktiv in den Naturschutz einbringen“, würdigte auch Dr. Jens Bülthuis, Bürgermeister der Gemeinde Bispingen, Verein und Projekt. Die Vereinigten Heidehöfe seien ein Glücksfall für die Region, ergänzte Oliver Schulze, und die „Flotten Schnucken“ seien dabei nur ein Baustein ihres Spektrums, so der Erste Kreisrat: „Landwirtschaft wird zukünftig auch Landschaftspflege sein.“ Carsten Büttinghaus, fast seit Gründung des Vereins selbst Mitglied, sei durch seinen Hof in Wilsede schon immer mittendrin im Naturschutz(gebiet) und daher mit diesem eng verbunden: „Es gehört schon seit Generationen quasi zur DNA der Landwirtschaft, sich eben stets mit der Fläche, der Umgebung und der Natur zu beschäftigen“, hob der Kandidat für den Bundestag hervor. „Ein Landwirt ist nicht nur Versorger, sondern er wird auch mehr und mehr zum Naturschützer.“

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