„Alpha-E würde funktionieren“

BI-Gutachten zu Schienengüterverkehr in Uelzen vorgestellt

„Alpha-E würde funktionieren“

Offensichtlich hängt er schon länger schief - der Haussegen zwischen den fünf Bürgerinitiativen (BI) und der Deutschen Bahn (DB): Es geht um die Umsetzung des Alpha-E-Projektes, in dessen Rahmen in der Zukunft der Hafenhinterlandverkehr (Schienengütertransport) geregelt werden soll. Das Dialogforum Schiene-Nord (DFSN) in Celle hatte diese Lösung vor einigen Jahren statt der Y-Trasse gewählt. Auch in den Bundesverkehrswegeplan (BVWP) wurde Alpha-E aufgenommen. Diese Lösung, so sehen es die BIs, werde hintertrieben. Deshalb haben sie ein Gutachten bei Planer Dr. Martin Vieregg aus München in Auftrag gegeben, das am vergangenen Freitag in Uelzen vorgestellt wurde. Das Ergebnis sagt, dass Alpha-E die Verkehrsanforderungen erfüllen kann.

Zum Alpha-E-Konzept gehört auch die Amerikalinie, die durch Soltau und Munster führt. In hiesigen Gefilden ist es nach wie vor die BI „Unsynn“, die für Alpha-E eintritt. Doch dieses Konzept, so heißt es auch im Gutachten, sei von DB und Bund durch das „Optimierte Alpha-E“ des BVWP 2030 ersetzt worden, das andere Schwerpunkte setze: „Es soll nun der Güterverkehr vor allem auf die Route Hamburg-Uelzen konzentriert werden. Von Uelzen geht ein Strang weiter nach Berlin und einer über Celle nach Lehrte. In der Diskussion ist inzwischen auch eine Neubautrasse für ICE-Züge von Ashausen nach Unterlüß mit Umfahrung von Lüneburg und Uelzen, obwohl das Diskussionsergebnis des Dialogforums gerade auf die Vermeidung von Neubaustrecken abzielt.“

Eine solche verkappte Neubautrasse sei vom Dialogforum abgelehnt worden, heißt es von den fünf BIs. Sie wollten sich deshalb nicht länger auf die DB-Gutachter verlassen und gaben selbst eine eigenfinanzierte Expertise in Auftrag, die fahrplanbasiert sei und sogar schon den Deutschland-Takt für den Personenverkehr berücksichtige, um die Umsetzbarkeit der vom DFSN gefassten Beschlüsse zu überprüfen.

Den Weg dahin macht Jörg Eggers von der BI „Unsynn“ deutlich: „Wir sind sowohl als BI als auch als Teilnehmer im Projektbeirat Alpha-E in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder durch Planungsschritte der DB im Alpha-E-Bereich enttäuscht worden. Die Ergebnisse der vergangenen Sitzungen der sogenannten ‚gläsernen Werkstatt‘ in Hannover sind sehr weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben und haben eigentlich seitens der DB mehrfach gezeigt, was alles nicht geht. Dort vorgestellte Ergebnisse lassen bisher leider auch erwarten, dass die DB sich mit den diversen Planungsschritten im Gesamtprojekt immer weiter vom Beschluss des Dialogforums in Celle entfernt.“

Eggers weiter: „Trotz starker Unterstützung durch die regionalen Bundestagsabgeordneten und aus dem niedersächsischen Landtag für Alpha-E haben dann Ankündigungen aus Stadt und Landkreis Lüneburg, sowie Aussagen aus dem Bundesverkehrsministerium auf einer IHK-Konferenz in Lüneburg Ende vergangenen Jahres für weitere Unsicherheiten in dem Bereich gesorgt.“ Dies habe die BIs schließlich zum Gutachten bewogen.

Im Ergebnis zeigen die Kernaussagen des Gutachtens, „dass es möglich ist, Alpha-E so umzusetzen, wie es im Dialogforum beschlossen worden ist. Das ist eine sehr wichtige Aussage, kommt das Konzept doch auch nach der Untersuchung ohne Neubaustrecken durch die Heideregion oder entlang der A 7 - möglicherweise mit Ableitung auf die Amerikalinie in Harber - aus“, unterstreicht Eggers.

Für die Amerikalinie sieht das Gutachten eine Zunahme von 30 auf 60 bis 70 Güterzüge täglich vor: „Diese Aussagen zur westlichen Amerikalinie sind nicht neu. Die dargestellte Trassenkapazität war immer vorhanden, allerdings in den vergangenen Jahren aus unserem Blickfeld verschwunden, weil nicht genutzt. Das war auch im DFSN schon bekannt, ist aber durch Routenplanungen der DB so nicht dargestellt worden“, so der BI-Vertreter, der noch einmal betont: „Wir stehen weiterhin hinter dem Beschluss des DFSN Celle.“

Aus der Studie leitet „Unsynn“ für die hiesige Region mehrere positive Aspekte ab. So würde sich bei einer besseren und schnelleren Anbindung des Schienenpersonenverkehrs (SPNV) an die Taktknoten auf der Strecke Bremen-Uelzen die Attraktivität des SPNV in der Region deutlich erhöhen. Schnellere Personenzugverbindungen würden nach Meinung von Bahnfachleuten die Notwendigkeit der Überholstellen (geplant sind neun auf der Amerikalinie West) verringern: „Damit könnte hoffentlich die Zahl dieser sehr immissionsträchtigen Überholstellen reduziert und ihr Standort weitestgehend außerhalb bewohnter Gebiete - wie aktuell geplant - angeordnet werden“, meint Eggers. Die Wahrscheinlichkeit einer entsprechenden übergesetzlichen Lärmschutzregelung würde überproportional ansteigen. Schließlich verweist Eggers noch darauf, dass der Gutachter zwar von der prognostizierten Steigerung des Güterverkehrsaufkommens ausgegangen sei, hier jedoch auf eine Trendumkehr hinweise - eine Beobachtung, „die wir seit Beginn unserer Arbeit vertreten.“

Wie die fünf BIs betonen, erhebe die Studie nicht den Anspruch, die allein richtige Lösung zu sein. Das Gutachten zeige aber, dass mit anderen Denkansätzen auch andere, dem Bürgerwillen mehr entsprechende Lösungen machbar seien: „Wir erwarten von Bund und Bahn, dass sie diese neuen Denkansätze unvoreingenommen und ergebnisoffen prüfen.“ Das sei inzwischen zugesagt worden, so Eggers: „Wir sind gespannt, ob man jetzt den fahrplanbasierten Ansatz aufnimmt und zu den Ausgangsforderungen des DFSN zurückkehrt. Alles andere würde angebliche Bürgerbeteiligungen für die Zukunft in Frage stellen und den Konsens gefährden.“

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