Ab 2020 günstiger nach Hamburg fahren

HVV-Ausweitung: Ab Soltau und Munster auch Einzelfahrscheine billiger

Ab 2020 günstiger nach Hamburg fahren

Was bisher nur Pendlern mit Zeitkarte vorbehalten war, gilt zum 15. Dezember 2019 auch für Passagiere mit Einzelfahrscheinen: Von Soltau, aber auch von Munster aus nach Hamburg greift dann auf der Schiene der günstigere Tarif des Hamburger Verkehrsverbundes (HVV). Ausgeweitet wird der HVV-Fahrpreis aber auch auf andere Landkreise. Deren Vertreter unterzeichneten am vergangenen Donnerstag die entsprechenden Verträge in Uelzen - mit dabei auch Dr. Bernd Althusmann, niedersächsischer Minister für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung, sowie Andreas Rieckhof, Staatsrat der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation der Freien und Hansestadt Hamburg.

Bisher können auf der Heidebahn von Soltau und nachfolgenden Bahnhöfen nach Hamburg nur Pendler mit sogenannten Zeitkarten (Pendlertickets) den HVV-Tarif nutzen - eine Regelung, die seit 2008 gilt. Da diese Vergünstigung nicht kostendeckend zu leisten ist, tragen der Landkreis Heidekreis einerseits und die Nordkreiskommunen andererseits den Ausgleich des dadurch entstehenden Defizits. Ziel im Heidekreis war es allerdings, auch bei den Einzelfahrscheinen (Bartarif) zu einer Übernahme des HVV-Tarifs zu kommen.

Alle beteiligten Landkreise und anderen Einrichtungen unter einen Hut zu bringen erforderte einen zähen Verhandlungsmarathon, auf den Landrat Manfred Osterman immer wieder hingewiesen hatte, etwa auch, als der damalige Erste Hamburger Bürgermeister, Olaf Scholz, im September 2017 auf Einladung des hiesigen SPD-Bundestagsabgeordneten Lars Klingbeil in den Heidekreis gekommen war. Damals hatte Ostermann aber als Ergebnis der Verhandlungen des Lenkungskreises eine sich abzeichnende Einigung der Beteiligten vermelden können. Dieser „Lenkungskreis südliche Tariferweiterung“ war bereits 2014 ins Leben gerufen worden, um eine ebensolche Lösung zu finden.

Im Juli 2018 schließlich verständigten sich die Landkreise Cuxhaven, Heidekreis, Rotenburg (Wümme) und Uelzen sowie das Land Niedersachsen, die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) und Hamburg in besagtem Lenkungskreis auf eine Ausweitung des HVV-Tarifs und hielten dies in einem Grundsatzbeschluß fest. Was seinerzeit noch fehlte, war die Zustimmung der politischen Gremien und der HVV-Gesellschafterversammlung.

Mit der Vertragsunterzeichnung am vergangenen Donnerstag kommt nun für die genannten Landkreise zum Jahresende die Einführung des HVV-Pendlertarifs (Zeitkarten) auf bestimmten Linien. Speziell für den Heidekreis, wo dieser Tarif für die Heidebahn ab Soltau in nördlicher Richtung ja bereits gilt, kommt auf dieser Strecke dann der HVV-Bartarif hinzu, also ab Soltau, Wolterdingen, Schneverdingen und Wintermoor. Neu ist darüber hinaus auch die Anbindung der Örtzestadt: Auf der Strecke Munster-Soltau-Hamburg gilt ab Jahresende der HVV-Tarif sowohl für Zeitkarten als auch für Einzelfahrscheine.

Als Gastgeber für die Vertragsunterzeichnung, zu der am vergangenen Donnerstag auch zahlreiche Medienvertreter angereitst waren, wies Dr. Heiko Blume als Landrat des Landkreises Uelzen noch einmal auf die jahrelangen Verhandlungen und komplizierten Berechnungen hin: „Ich bin froh, daß am Ende dieses Ergebnis herausgekommen ist.“ Damit sprach er wohl allen aus der Seele. So unterstrich Althusmann, die Ausweitung des HVV-Tarifs auf den gesamten niedersächsischen Teil der Metropolregion Hamburg sei eine wesentliche Verbesserung im Bereich des öffentlichen Personennahverehrs: „Das ist gut für die Menschen im nördlichen Niedersachsen und in Hamburg, ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der Lebensqualität.“ Die Ausweitung des HVV-Tarifs, so der Minister, sei aber keine Einbahnstraße, denn Hamburg profitiere ebenfalls, was Rieckhof bestätigte: „Vom Jungfernstieg bis an die Nordsee, zum Wadern in die Lüneburger Heide oder zum Hundertwasserbahnhof nach Uelzen: Die HVV-Süderweiterung bringt auch den Hamburgern viele neue Möglichkeiten, zum Verbundtarif viele Ecken der Metropolregion zu entdecken. Der erweiterte HVV macht den Nahverkehr noch attraktiver. Das ist gut für die Umwelt, entlastet die Straßen und stärkt die Metropolregion.“

So sieht es auch Ostermann, der ebenfalls zur Vertragsunterzeichnung angereist war: Die Metropolregion und Hamburg selbst profitierten. Zu den Zeitkarten, die es ab Soltau schon seit gut zehn Jahren gebe, komme jetzt der Einzelfahrschein hinzu: „Eine besonders große Verbesserung jedoch gibt es für Munster“, betonte der Landrat. Insgesamt würden die Preise zum Teil um mehr als 50 Prozent günstiger.

Was aber hier eingespart wird, sorgt bei den Eisenbahnunternehmen für Verluste. Und die müssen ausgeglichen werden: Ab 2020 ist das Land Niedersachsen jährlich mit einem Betrag von 1,4 Millionen Euro dabei, der mit 1,76 Prozent dynamisiert wird. Zusätzlich trägt das Land Hamburg die auf sein Gebiet entfallenden Kosten. Zudem fallen einmalige Kosten für die Tarifumstellung an, die von beiden Ländern gefördert werden. Niedersachsen trägt hier 70 Prozent der nach Abzug des Hamburger Anteils verbleibenden Kosten, was etwa 1,1 Millionen Euro entspricht. Auch auf die Landkreise kommen mit den HVV-Tarifen Kosten zu, die Ostermann für den Heidekreis auf rund 470.000 Euro jährlich beziffert. „Die übernimmt zunächst einmal der Landkreis. Es gibt aber noch Gespräche mit den Kommunen über eine eventuelle Aufteilung dieser Summe“, erläuterte der Landrat.

Alles in allem, so Ostermann, seien die Verhandlungen zur HVV-Ausweitung zwar langwierig gewesen, hätten aber zu einem guten Ausgang geführt: „Einen ähnlich guten Ausgang wünsche ich mir auch für die Verhandlungen mit dem Großraumverkehrsverbund Hannover (GVH).“ Die stehen nämlich auch auf dem Programm, wenn es um die tarifliche Anbindung des eher nach Hannover orientierten Südkreises geht.

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