Blockade mit Orchestermusik

Knapp 100 Musikaktivisten von „Lebenslaute“ spielen vor Rheinmetall

Blockade mit Orchestermusik

Kammermusik, internationale Blasmusik oder Chorgesang: Am heutigen Montagmorgen gab es in Unterlüß reichlich Live-Klänge vor den Toren von Rheinmetall. Wer ins Werk wollte, hatte allerdings Schwierigkeiten, denn die Konzerte dienten einem einzigen Zweck. Die Musikerinnen und Musiker blockierten ab 5.40 Uhr für mehrere Stunden die vier Hauptzufahrten der Fabrik. Reichlich Polizei war im Einsatz, um die Aktivisten von ihrem Einsatz abzuhalten. Um 11 Uhr gab es zum Abschluss noch ein Aktionskonzert aller beteiligten Musiker an der Haupteinfahrt.

98 Frauen und Männer des Aktionsnetzwerks „Lebenslaute“ waren an dem Boykott beteiligt. An den vier Hauptzufahrten zum Werk hatten sich jeweils 20 bis 35 Musizierende zu spielfähigen Ensembles zusammengefunden. Ihre Konzertaufstellung hinderte Fahrzeuge und Angestellte von Rheinmetall effektiv daran, die Waffenfabrik und den Dienstplatz zu erreichen. Auch der Lieferverkehr musste zunächst warten, als die Musiker ihr Programm begonnen hatten. An allen vier Blockadepunkten erklang klassische und populäre Chor- und Instrumentalmusik. Nach rund einer Stunde öffnete Rheinmetall ein Nebentor im Wald, damit die Beschäftigten über einen Feldweg auf das Werksgelände gelangen können, auch dort behinderten musizierende Aktivisten kurzzeitig die Zufahrt, bis Polizeikräfte die Blockade räumten.

„Hier in Unterlüß liegt die Hauptproduktionsstätte der Militärsparte Rheinmetall Defence. Hier produziert Rheinmetall Waffen und Munition, Komponenten für Panzer und betreibt Europas größtes privates Waffentestgelände. Wir sind hier, weil Rheinmetall ausgehend von diesem Ort Milliardengeschäfte mit dem Tod macht. Deutschland führt heute wieder Krieg, und Krieg beginnt auch in Unterlüß“, so Marcus Beyer von der Pressegruppe Lebenslaute.

Und Cornelia Weigel von der Pressegruppe Lebenslaute ergänzt: „Rheinmetall- Produkte werden an repressive und nationalistische Regierungen geliefert. Beispielsweise hat die Türkei bei ihrem völkerrechtswidrigen Angriff auf die kurdische Region Afrin in Nordsyrien im Januar 2018 deutsche Leopard-Panzer mit Kanonen und Munition aus dem Hause Rheinmetall eingesetzt.“

Nach Abschluss der Blockade gab es um 11 Uhr das offizielle Aktionskonzert am Haupteingang unter Beteiligung aller 98 Musizierenden.Unter dem Motto „Mit Klang und Schall – Entwaffnet Rheinmetall!“ kamen Werke im Spannungsbogen zwischen Bob Dylans „Masters of War“ und Händels Friedensode zu Gehör. „Mit unserer Musik verleihen wir auch inhaltlich unseren Forderung Nachdruck: Schluss mit der Rüstungsproduktion bei Rheinmetall und anderen Waffenfabriken! Waffen befeuern Kriege. Nicht zuletzt trägt ihr Einsatz erheblich zum Klimawandel bei. Rheinmetall liefert Überwachungstechnologie zur Abschottung Europas. Mit Lebenslaute setzen wir uns hingegen für die Beseitigung von Grenzen ein“, so Marcus Beyer.

„Lebenslaute“ ist ein bundesweites Netzwerk von Musikaktivisten, Laien und Profis, die klassische Musik an Orten aufführen, von denen Bedrohung ausgeht. Seit 1986 finden Besetzungen und Blockaden unter anderem von Militärstützpunkten, Atomanlagen, Abschiebeflughäfen oder Kohlegruben statt.

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