Nachhaltig mit zwei PS

Neues Netzwerk „Aktiv für den Naturpark“ wächst

Nachhaltig mit zwei PS

„Im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt“ - wovon dieses Volks- und Kinderlied erzählt, ist inzwischen fast aus dem Alltag und damit auch aus dem Bewusstsein verschwunden. Aber nur fast, denn einige Bauern wie etwa Peter Hagel aus dem Vahlder Ortsteil Riepe zeigen auch heute noch, dass sich mit Pferden in der Landwirtschaft und in der Landschaftspflege arbeiten lässt. In letzterem Bereich ist Hagel auch im Gebiet des Naturparks Lüneburger Heide tätig - und hat sich dort dem neuen Partnernetzwerk „Aktiv für den Naturpark“ angeschlossen. Eine entsprechende Plakette, die den Hof als Mitgliedsbetrieb ausweist, hat Projektkoordinatorin Petra Reinken jetzt an den Landwirt übergeben.

Peter Hagel betreibt im Vahldener Ortsteil Riepe (Samtgemeinde Fintel) zusammen mit seiner Frau Anja den Nebershof nach Demeter-Richtlinien. 65 Hektar Land gehören dazu - und Vierbeiner: Neben mehreren Hunden sind dies die zehn Tiere einer Mutterkuhherde. „Unsere besondere Liebe aber gilt unseren elf Pferden. Die meiner Frau den sieben Reitpferden und meine den vier Arbeitspferden“, verrät Hagel.

Zwei der Tiere - Nils und Nele - sind allerdings noch zu jung, um mitarbeiten zu können. Das übernehmen ihre Mütter Anni und Beeke, auf die Hagel besonders stolz ist: „Das sind zwei Schleswiger Kaltblüter. Nur noch 200 eingetragene Zuchtstuten gibt es. Sie gehören damit zu den bedrohten Haustierrassen.“

Und weiter: „Diese beiden Stuten haben mir beigebracht, wie ich mit ihnen als Gespann arbeiten kann. Das ist zwar anstrengend, macht aber riesigen Spaß. Natürlich erledige ich nicht alle Arbeiten mit den Pferden und habe dazu auch einen Trecker. Aber ich suche immer mehr Einsatzbereiche, in denen ich die Pferde einsetzen kann.“ Dazu gehört nicht nur der eigenen Kartoffelacker, sondern auch Flächen im Bereich des Naturparks Lüneburger Heide. Und damit konnte Hagel, auch wenn sich sein Hof nicht mehr im Naturparkgebiet befindet, dem Netzwerk „Aktiv für den Naturpark“ beitreten.

Die Naturparke in Deutschland sind Modellregionen für nachhaltige Entwicklung. Das gilt auch für den Naturpark Lüneburger Heide: Auf einer Fläche von 107.000 Hektar fördert er die nachhaltige Regionalentwicklung zwischen Buchholz (Nordheide), Lüneburg und Soltau. Intakte Natur, wirtschaftliches Wohlergehen und hohe Lebensqualität gehören zu den Zielen.

Ganz in diesem Sinne ist auch das neue Projekt zu sehen: „Aktiv für den Naturpark“ ist ein EU-gefördertes Netzwerk aus regionalen Partnern, das das nachhaltige und naturschutzgerechte Wirtschaften im Naturpark Lüneburger Heide belebt und fördert. Es trägt dazu bei, Naturparke als Modellregionen für nachhaltige Entwicklung zu stärken.

Der Dachverband Deutscher Naturparke (VDN) hat die Auszeichnung „Aktiv für den Naturpark“ für all seine rund 100 Naturparke initiiert. Sie kennzeichnet Betriebe und Einrichtungen der jeweiligen Naturparkregion, die nachhaltig wirtschaften, schonend mit natürlichen Ressourcen umgehen und damit Botschafter für die Naturparke sind.

Die Naturparke wiederum fördern das Netzwerk insbesondere mit einer koordinierenden Stelle, Öffentlichkeitsarbeit und einem Budget für Maßnahmen in Zusammenhang mit dem Projekt.

Zum Stand der Dinge in hiesigen Gefilden erläutert Reinken: „Wir wollen ein Netzwerk für Betriebe aufbauen, die dazu allerdings einige Anforderungen erfüllen müssen.“ Nachhaltig, naturschutzgerecht und regional müssen sie sein, die Unternehmen und Soloselbstständigen, die in das Netzwerk „Aktiv für den Naturpark“ des Naturparks Lüneburger Heide aufgenommen werden wollen.

Nachdem es im Oktober mit sieben Pionieren ein erstes Treffen gab (HK berichtete), sind inzwischen drei weitere Selbständige Naturpark-Partner geworden: Zu Anne Bremer Webdesign, dem Heide-Ranger Jan Brockmann (beide Bispingen), dem Bauckhof Amelinghausen, der Biovollkorn-Bäckerei Ährenvoll (Schneverdingen), Embauerment (Buchholz), dem NaturCampus Bockum und der Zimmerei Balck aus Marxen gesellen sich nun die Waldkräuterey Ehrhorn und die dahinterstehende Firma Tausendgrün, Dorit Behrens aus Schneverdingen mit Stadtauswärts und eben auch Peter Hagel aus Vahlde, der Landschaftspflege mit Pferden anbietet.

Und auf diese Dienste hat das Forstamt Sellhorn im Bereich des Naturparks zurückgegriffen: „2019 hatte ich zum ersten Mal den Auftrag, Wiesen zu mähen. In diesem Jahr haben ein Freund und ich mit zwei Gespannen rund 20 Hektar gemäht. Das musste wegen des Wetters schnell gehen“, berichtet Hagel, der auf die Vorteile hinweist: „Die Doppelmessertechnik ist artenschonender als ein Kreiselmähwerk. Wir mähen lange nicht so tief und nicht so schnell. Dadurch gibt es keine Sogwirkung etwa für Insekten oder Amphibien, die noch weglaufen können. Auch Kitze im Gras sieht man eher und besser. Außerdem bekommen die Pferde mit, wenn da ein Kitz liegt, und scheuen.“

Damit liege Hagel auf der richtigen Linie, meint Petra Reinken: „Wiesen, die auf diese Art schonend gemäht werden, bieten eine größere Artenvielfalt. Das passt zur Idee der nachhaltigen Entwicklung in der Naturparkregion.“

Mit dem Mähen seien die Einsatzmöglichkeiten seines Gespanns aber noch nicht erschöpft: „Das Entkusseln der Heide gehört beispielsweise auch dazu. Was zu groß ist, um es mit der Hand herauszukriegen, ziehen die Pferde problemlos aus dem Boden.“

Und der Landwirt kann sich noch weitere Bereiche vorstellen, in denen er mit seinem Gespann tätig werden könnte, gerade auf Flächen, auf denen schwere Maschinen eher weniger sinnvoll sind. Es gebe allerdings oft Skeptiker. „Man muss den Leuten deshalb auf die Füße treten und ihnen zeigen, dass diese Aufgaben auch mit Pferden erledigt werden können. Dazu muss man natürlich mit seiner Arbeit überzeugen.“

Hagel, der auch bei Vorführungen immer wieder für die Arbeit mit dem Gespann wirbt, ist aber auch Realist und hat mit einer Romantisierung nichts im Sinn: „Man braucht entsprechend ausgebildete Pferde und muss sich mit ihnen auskennen. Dann macht es zwar Spaß, ist aber immer noch harte Arbeit. Pferde landwirtschaftlich einzusetzen ist darüber hinaus Teil unseres Kulturgutes, das erhalten werden muss, allerdings ohne es zu verklären.“

Für das Netzwerk „Aktiv für den Naturpark“ steuert Hagel damit eine wesentliche Facette bei. „Der Branchenmix ist schon jetzt sehr vielfältig“, freut sich Reinken.

Die Projektkoordinatorin weiter: „Wir wollen mit dem Netzwerk gemeinsam das nachhaltige und naturschutzgerechte Wirtschaften in unserer Region voranbringen. Idealerweise motivieren wir so auch andere Unternehmerinnen und Unternehmer, ihre Betriebe unter Nachhaltigkeitsaspekten zu entwickeln. Es bahnen sich auch schon erste geschäftliche Kontakte der Partner untereinander an, und so soll es auch sein.“

Natürlich möchte Petra Reinken noch weitere Mitstreiterinnen und Mitstreiter ins Boot des Netzwerkes holen und ist auch schon mit einigen im Gespräch. Allerdings: „Es ist ein bisschen schade, dass die Corona-Pandemie uns das analoge Netzwerken so schwermacht“, bedauert sie die derzeitigen Kontaktbeschränkungen. Für die nächsten Monate seien daher Web-Angebote für die Partner angedacht, bevor reale Treffen wieder möglich würden.

Besonders junge Betriebe in der Gründung zeigten Interesse, so Reinken, aber auch Unternehmen, die bereits am Markt etabliert seien. Neue Partner werden immer aktuell auf der Internetseite www.naturpark-partner-lh.de eingepflegt. Dort gibt es auch Informationen zu den Anforderungen an die Unternehmen und zu den Leistungen des Naturparks für die Unternehmen.

Die Projektkoordinatorin würde sich sehr über ein Restaurant oder Hotel als einen der nächsten Partnerbetriebe freuen. „Das Gastgewerbe prägt unsere Region genauso wie die Landwirtschaft. Außerdem gibt es bei Hotels und Gaststätten viele Stellschrauben, nachhaltiges Wirtschaften zu zeigen - sei es im Lebensmitteleinkauf, bei Reinigungsmitteln oder dem Abfallmanagement.“ Aber auch weitere nachhaltig wirtschaftende Landwirte oder Handwerker, die erneuerbare Energien anbieten - kurzum, alle interessierten Betriebe können sich unter der E-Mail-Adresse petra.reinken@naturpark-lueneburger-heide.de an den Naturpark Lüneburger Heide wenden. Dann wird alles Weitere besprochen.

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