30 Jahre Frauenhaus: Noch so nötig wie 1990

Verein „Frauen helfen Frauen“ zieht Bilanz und plant Jubiläumsaktionen

30 Jahre Frauenhaus: Noch so nötig wie 1990

Sie spielt sich zumeist hinter verschlossenen Türen ab und ihre Dunkelziffer ist noch immer hoch: Häusliche Gewalt, von der in aller Regel Frauen betroffen sind, ist das „täglich Brot“ des Vereins „Frauen helfen Frauen“. Mit seiner Vorsitzenden Frauke Flöther und ihrer Stellvertreterin Ulrike Schröder-Muhl an der Spitze setzt er sich unermüdlich für die Opfer ein und hat dabei einen langen Atem bewiesen: Trotz vieler Widrigkeiten gelang es ihm, am 1. März 1990 in Walsrode ein Frauenschutzhaus zu eröffnen. Das ist jetzt 30 Jahre her, und der Verein hat bis heute nicht lockergelassen. Drei Jahrzehnte sind ein Grund zum Feiern, aber auch zur Rückschau, die die engagierten Frauen am Montag in Walsrode in der Vereinsgeschäftsstelle in der Sunderstraße hielten.

Flöther und Schröder-Muhl sind sozusagen die „Urgesteine“, denn sie waren schon dabei, als der Verein am 17. März 1987 gegründet wurde - als Initiative von Gewerkschafterinnen, die sich mit dem Thema „Gewalt in der Ehe“ beschäftigt hatten: „Der Zweck des Vereins war von vornherein die Gründung eines Frauenschutzhauses“, erinnert sich Flöther. Es mussten indes noch zahlreiche Hürden genommen werden. Drei Jahre später schließlich konnte der Trägerverein das Frauenschutzhaus in einer Walsroder Wohnung eröffnen. Später zog es in ein anderes Domizil um. Dieser Anfang war jedoch keineswegs rundum abgesichert, denn Unterstützung gab es zunächst nicht: „Wir hatten nicht den Eindruck, offene Türen einzurennen und haben zunächst ohne Fördergelder begonnen“, berichtet Flöther. Und Schröder-Muhl ergänzt: „Wir sind mit finanziellen Mitteln für eine halbes Betriebsjahr und mit viel Idealismus gestartet.“

Inzwischen verfügt das Frauenhaus über zehn Plätze für Frauen und Kinder sowie zwei Zustell- und drei Babybetten, vier Schlafräume, eine große Küche, zwei Bäder, einen großen Gemeinschaftsraum sowie einen Garten mit Sitzbereichen und Spielmöglichkeiten.

Solcherart etabliert, ist der Verein aber nach wie vor auf freiwillige Fördergelder angewiesen, denn Spenden und die Beiträge der rund 100 Mitglieder reichen für eine Finanzierung des Frauenhauses nicht aus: Der Landkreis Heidekreis steuert derzeit 80.000 Euro, das Land Niedersachsen 67.000 Euro bei. Jedes Jahr müsse „Frauen helfen Frauen“ erneut darauf warten, dass die Mittelzusage aus Hannover auch tatsächlich komme, „und das nach 30 Jahren guter Arbeit“, kritisiert Schröder-Muhl. Der Verein wünsche sich hier eine feste gesetzliche Regelung für die Finanzierung ebenso wie einen Rechtsanspruch auf einen Frauenhausplatz für Opfer häuslicher Gewalt: „Und wir wünschen uns weniger Bürokratie, denn die kostet Zeit, die wir lieber den Frauen widmen würden.“

761 Frauen mit 920 Kindern hat das Frauenhaus in Walsrode in diesen 30 Jahren aufgenommen. Das sind Zahlen, hinter denen immer Frauen und Kinder mit schweren Schicksalen stehen, die von den haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen professionell begleitet werden. Dabei sind es nur selten Frauen aus Walsrode und umzu, sondern aus weiter entfernten Bereichen, die hier Schutz finden, wie auch etwa Walsroderinnen eher in ein Frauenhaus in Verden, Uelzen oder Celle gehen: „Dies deshalb, weil sie so außerhalb der Reichweite ihres bisherigen Umfeldes sind“, weiß die Vorsitzende. Nicht alle Frauen allerdings schaffen den Absprung: „Was unsere Einrichtung betrifft, so geht rund die Hälfte wieder zurück in die Familie. Gründe dafür sind Zwänge und Ängste, etwa mit den Kindern nicht allein leben zu wollen oder etwas ganz Neues zu beginnen.“

Häusliche Gewalt sei zumeist ein längerer Prozess, bis es schließlich einen Anlass gebe, ins Frauenhaus zu gehen. Manchmal würden Frauen auch von der Polizei gebracht: „Oft fühlen sich Frauen, die zu uns kommen, zunächst etwas verloren, weil sie sich in einer vollkommen neuen Umgebung befinden, die sie erst einmal kennenlernen müssen“, erläutert Mitarbeiterin Anke Stamann. „Und auch für die Kinder ist es nicht leicht, denn sie vermissen ihre Freunde, aber auch den Papa“, ergänzt Annika Müller, Mitarbeiterin und Vereinsmitglied. Im Durchschnitt bleiben die Frauen 30 Tage im Walsroder Frauenhaus: „Bei einigen sind es wenige Tage bei anderen bis zu neun Monate, die sie bei uns verbringen“, so Flöther. Dabei müssen sich die Bewohnerinnen und ihre Kinder an Regeln des Zusammenlebens halten und, wenn möglich, auch einen finanziellen Eigenanteil leisten, „denn wir sind kein Hotel.“

Während der Zeit im Frauenhaus, aber auch danach, etwa bei der Wohnungssuche, leistet der Verein Unterstützung, denn auch hier warten Hürden, die von der Beibringung nötiger Papiere über die Einrichtung eines Kontos bis hin zur Suche nach einem Kita-Platz reichen: „Es wird immer mehr, was man braucht“, resümiert Flöther. Im Ergebnis ist auch nach 30 Jahren die Notwendigkeit eines Frauenhauses nicht geringer geworden: Denn häusliche Gewalt, obgleich heute stärker im öffentlichen Blickfeld als damals, gibt es nach wie vor, und die Dunkelziffer bleibt hoch.

Für das Jubiläumsjahr hat sich der Verein „Frauen helfen Frauen“ einige Aktionen vorgenommen, die mit einer Geburtstagsfeier am 1. März von 15 bis 17 Uhr im Walsroder Kulturzentrum „mittendrin“ mit Musik vom „Duo Macchiato“ beginnen. Weitere Aktivitäten finden Interessierte auf der Homepage www.frauen-helfen-frauen-ev.org.

Eine weitere Aktion, die am 24. April von 11 bis 13 Uhr in Walsrode läuft, ist der erste Suppentag im Heidekreis unter dem Motto „Die Suppe löffeln wir gemeinsam aus“. Interessierte bringen dazu Suppe, Teller und Löffel mit, um ins Gespräch zu kommen. Diese Aktion möchte der Verein auch in anderen Orten des Heidekreises auf die Beine stellen und sucht dafür noch Kooperationspartnerinnen und -partner. Interessierte wenden sich an „Frauen helfen Frauen“, Ruf (05161) 73300, E-Mail mail@frauen-helfen-frauen-ev.org.

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