HKK: Vertrauen zurückgewinnen

Rogge: Rückkehr der Unfallchirurgie nach Soltau wird derzeit überprüft

HKK: Vertrauen zurückgewinnen

„Wir sind auf dem richtigen Weg“, meint Dr. Achim Rogge. Und die ersten 100 Tage seiner Tätigkeit als Geschäftsführer des Heidekreis-Klinikums (HKK) scheinen ihm recht zu geben: Acht Prozent mehr medizinische Leistungen habe das HKK im ersten Quartal 2019 erbracht. Rogge wertet dies auch als Zeichen dafür, daß es jetzt innerhalb der Belegschaft eine Aufbruchsstimmung gebe. Er weiß aber auch: „Das Heidekreis-Klinikum hatte und hat schwere Zeiten.“ Das HKK dort herauszuführen - dafür ist Rogge angetreten und hat ein entsprechendes Entwicklungs- und Sanierungskonzept vorgestellt.

Zirka 2.000 Fälle habe das HKK in den vergangenen fünf Jahren verloren, die jährliche Defizitabdeckung durch den Landkreis als einzigem Gesellschafter sei von 2,9 Millionen Euro 2014 auf zuletzt 13 Millionen Euro 2018 gestiegen. Dafür müsse man dem Landkreis dankbar sein: „Und wir sind uns bewußt, daß uns der Landkreis auch weiterhin unterstützt - aber nicht mehr in dieser Dimension“, so der Geschäftsführer.

Die Situation muß sich also verbessern - auch in Hinblick auf das neue, zentrale HKK, das frühestens in fünf bis sechs Jahren seine Arbeit aufnehmen kann und zu dem das Land Niedersachsen rund 130 Millionen an Fördermitteln beisteuern will. Bis dahin nämlich dürfen die derzeitigen Häuser in Soltau und Walsrode nicht in einen Dornröschenschlaf fallen, sondern müssen weiterentwickelt werden - sonst bleiben die Patienten weg. So seien Entwicklungschancen, aber auch Einsparmöglichkeiten - immer in Absprache mit Führungskräften und Betriebsrat - geprüft worden, erläutert Rogge.

Wichtig für die positive Wahrnehmung in der Bevölkerung ist beispielsweise die Notaufnahme: „Mir ist schnell klargeworden, daß die Notfallversorgung an beiden Standorten eine zentrale Rolle spielt“, so Rogge. Seine erste Maßnahme sei daher gewesen, daß Patienten, die in die Notaufnahme kommen, an jedem Standort von einem Arzt untersucht werden, selbst wenn sie danach eventuell an einen anderen Standort gebracht werden müssen. Zudem sei das HKK dabei, die gesetzlichen Anforderungen, die bundesweit für alle Kliniken - mit einer Übergangsfrist von drei Jahren - gelten, zu erfüllen, „um nicht von der Not- und Unfallversorgung ausgeschlossen zu werden“, erklärt der Geschäftführer. In diesem Zuge werde gerade überprüft, ob die Unfalchirurgie von Walsrode nach Soltau verlegt werden solle. Ein bemerkenswertes Vorhaben, wurden doch die Chirurgien aus Soltau und Walsrode erst vor rund zwei Jahren in Walsrode konzentriert. Entschieden ist das allerdings noch nicht.

Bisher haben viele Patienten mit den Füßen abgestimmt und sich eher für andere Krankenhäuser entschieden, wobei, so Rogge, „die Soltauer nicht nach Walsrode und die Walsroder nicht nach Soltau fahren.“. Zudem liegen die Zahlen in Soltau und Walsrode weit auseinander: 2018 gab es in Soltau 5.000 stationäre Fälle. In Walsrode waren es 12.000, davon 2.000 in der Psychiatrie. Bei den ambulanten Fällen war der Unterschied noch extremer: 10.000 in Soltau, aber 40.000 in Walsrode.

Um verlorenes Vertrauen der Patienten zurückzugewinnen, wäre die Verlegung der Unfallchirurgie nach Soltau ein Schritt. Darüber hinaus will das HHK durch Leistung glänzen: „Wir werden der Bevölkerung zeigen, was wir können, indem wir uns Zertifizierungen stellen“, kündigt Rogge an. Angestrebt für dieses Jahr ist die Zertifizierung der Fachabteilung Allgemein- und Viszeralchirurgie und der Fachabteilung Gastroenterologie zum Darmzentrum. Bereits in vollem Gange ist die Zertifizierung der Unfallchirurgie zum Traumazentrum. Geplant ist außerdem eine Erweiterung des medizinischen Angebots, etwa in den Bereichen Lungenheilkunde und gynäkologische Onkologie.

Auch Aufsichtsratsvorsitzender Hermann Norden sieht die Notwendigkeit solcher Maßnahmen: „Wir müssen beide Häuser medizinisch weiterentwickeln, bis der Neubau fertig ist.“ Schließlich soll das HKK fachlich auf neuestem Stand sein, wenn es umzieht.

Und es soll wirtschaftlich besser dastehen, wozu nicht nur ein attraktives medizinisches Angebot, sondern auch Einsparungen beitragen sollen. Dies sei neben der Steigerung der Fallzahlen nötig, „denn von 100 Euro geben wir 120 Euro aus, davon 85 für Personal. Der Normwert liegt hier bei 60. Wir versuchen den Anteil auf 65 zu senken. Hätten wir beispielswiese die genannten verlorenen 2.000 Fälle, wäre dieser Ausgleich auf 65 ungefähr erreicht.“ Mit betriebsbedingten Kündigungen sollen die Einsparungen allerdings nicht ermöglicht werden. Die gab es unter Rogge bisher nicht, „und die wird es auch in Zukunft nicht geben. Das haben Geschäftsführung und Betriebsrat gemeinsam beschlossen. Auszubildende werden übernommen“, so der Geschäftsführer.

Abgebaut, etwa durch natürliche Fluktuation, wurden bisher 40 Planstellen, verteilt auf alle Abteilungen und Berufsgruppen. Zudem sei ein vor 70 Jahren geschlossener Kooperationsvertrag mit dem Evangelischen Diakonieverein Berlin-Zehlendorf den heutigern Notwendigkeiten angepaßt worden. Dazu Rogge: „Wir hätten es ohne diese Einschnitte nicht geschafft, die Standorte wieder auf Kurs zu bringen, um mittel- bis langfristig in sicheres Fahrwasser zu kommen. Weitere personelle Anpassungen wird es aber 2019 nicht geben.“ Der Sanierungskurs, über den sich Geschäftsführung und Betriebsrat einig seien, setze auf Leistungssteigerung bei moderaten Personalanpassungen, die auf die kommen fünf Jahre verteilt würden.

Laut Personalchef Christoph Schneidewin gibt es derzeit 1.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei 820 Vollzeitstellen am HKK. Für 117 steht in den kommenden fünf Jahren die Rente an. Zudem gibt es 243 befristete Verträge und die natürliche Fluktuation. Jede freiwerdende Stelle werde darauf überprüft, ob sie notwendig sei und wiederbesetzt werden müsse.

Rogge setzt auf die Wirksamkeit der angepeilten Maßnahmen und die Rückgewinnung von Patienten, und zwar kontinuierlich über die kommenden Jahre: „Gelingt uns dieser Turnaround nicht, dann wird uns auch der Neubau nicht helfen.

Beschlüsse zu den Vorschlägen des Entwicklungs- und Sanierungskonzepts für das HKK, so Norden, stünden in der Aufsichtsratssitzung am 23. Mai an.

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