Versorgungslücke schließen

Dr. Florian Gal neuer Chefarzt der Psychiatrie und Psychotherapie am HKK

Versorgungslücke schließen

Coronabedingt gab es nur einen kleinen Bahnhof für Dr. Florian Gal, als er am vergangenen Freitag ganz offiziell die Leitung der Abteilung Psychiatrie und Psychotherapie am Heidekreis-Klinikum (HKK) in Walsrode übernommen hat. Er tritt damit die Nachfolge von Dr. Rahul Sarkar als Chefarzt an. Vor nur wenigen ausgewählten Gästen sorgte HKK-Geschäftsführer Dr. Achim Rogge für Verabschiedung und Begrüßung gleichermaßen.

Seit 2016 hatte Sarkar die Chefarztposition inne. Rogge betonte, der gebürtige Hamburger habe seine Abteilung während dieser Zeit sympathisch und zielgerichtet geführt und Strukturen verändert. Schon seit 2016 befindet sich die Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie in einem Wandlungsprozess. Dabei wurden die be­stehenden Stationen mit ihren stark durch die Sozialpsychiatrie geprägten Struktu­ren umgebaut und eine Psychiatrie mit offenen Türen geschaffen. Neben einer neuen Psychotherapiestation wurde unter Sarkars Leitung auch am HKK Soltau eine Psychiatrische Institutsambulanz (PIA) gegründet. Zudem wurden die Tagesklinikkapazitäten ausgebaut und eine spezielle Behandlungseinheit für Patienten mit Borderline-Störungen (DBT-Einheit) ins Leben gerufen.

Der scheidende Chefarzt, der das HKK auf eigenen Wunsch verlässt, unterstrich, es sei eine „tolle Zeit“ gewesen: „Ich konnte hier super arbeiten und hatte Freiräume, die man sonst nicht findet.“

Bei der Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin, so Rogge, sei es nicht nur um die Qualifikation, sondern auch darum gegangen, den passenden Menschen zu finden. Und das sei mit Gal gelungen. Der 41jährige war zuletzt sechs Jahren als Leitender Oberarzt und Abteilungsleiter im Psychiatrischen Zentrum Rickling, der größten Psychiatrischen Fachklinik Schleswig-Holsteins, tätig.

Gal, so der HKK-Geschäftsführer weiter, habe zunächst eine Ausbildung zum Rettungssanitäter absolviert, danach dann aber mit dem Medizinstudium begonnen: „Dabei hat er dann seine Liebe zu den Fachgebieten Psychiatrie und Psychotherapie entdeckt.“ Und, so Rogge, der neue Chefarzt beschäftige sich auch mit dem Thema Resilienz, der Widerstandsfähigkeit der Psyche, die bei jedem Patienten unterschiedlich stark ausgeprägt ist und psychische Erkrankungen mehr oder weniger hervortreten lässt.

Gal ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie mit den Qualifikationen geriatrische und suchtmedizinische Grundversorgung. Gemeinsam mit der Chefärztin der Geriatrie in Soltau, Özgen Isik-Obersteller, wird er mit dem Aufbau der Gerontopsychiatrie und -psychotherapie eine Versorgungslücke im Heidekreis schließen können.

Die Gerontopsychiatrie ist ein vergleichsweise sehr junges Fachgebiet der Psychiatrie, das durch den demographischen Wandel stetig an Bedeutung gewinnt. Sie befasst sich mit Patienten, die in einem höheren Lebensalter psychiatrische Erkrankungen wie etwa Demenz aufweisen, gegebenenfalls aber auch körperliche. „Zunächst soll das Angebot ein stationäres sein, es ist aber ebenso denkbar, dieses zukünftig auch auf den teilstationären und ambulanten Bereich auszuweiten. In der ersten Jahreshälfte 2021 wollen wir soweit sein und eine gerontopsychiatrische Station eröffnen“, skizzierte Dr. Gal künftige Pläne. Auch Rogge verwies hier auf den wachsenden Bedarf: „Wir müssen investieren - nicht nur in Personen, sondern auch in Strukturen.“

Wie Gal weiter erläuterte, „sind psychische Krankheiten eine Volkskrankheit. Demenz beispielsweise kann jeden treffen. Ich gehe davon aus, dass dies noch weiter zunimmt. So wird etwa knapp ein Drittel der Bevölkerung des Heidekreises in zehn Jahren älter als 65 sein. Ich war begeistert, als ich die Information bekam, dass eine Gerontopsychiatrie aufgebaut und eine neues Heidekreis-Klinikum errichtet werden soll.“

Zu letzterem Punkt - vor zwei Wochen hatte sich der Kreistag mit großer Mehrheit gegen D4 (Dorfmark) und für F4 (Bad Falligbo­stel) als HKK-Standort ausgesprochen - äußerte sich auch Rogge noch einmal: „Wichtig ist nicht die Diskussion über den Standort, sondern dass wir überhaupt bauen. Wenn wir das vorgegebene Zeitfen­ster nicht eingehalten können, dann kriegen wir kein neues Krankenhaus.“ Im Zuge der Vorbereitungen „werden unsere Mitabeiterinnen und Mitarbeiter mitgestalten. Wir haben für jeden Bereich ein Konzept und den Patienten immer im Fokus.“

Aber zurück zum neuen Chefarzt: Der 41jährige mit derzeitigem privaten Mittelpunkt Hamburg ist verheiratet und hat drei Kinder. „Ich freue mich auf meine neue Aufgabe“, meinte er und kann sich durchaus vorstellen, in die Heide zu ziehen. Dies nicht nur wegen der Landschaft: „Ich bin hier auch von den Menschen sehr freundlich empfangen worden.“ Übrigens spricht Dr. Florian Gal auch fließend Japanisch, was allerdings weniger mit seinem Beruf zu tun hat: „Meine Frau ist Japanerin.“

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