VHS setzt in Corona-Zeiten auf digitale Angebote: „Wir sind gut aufgestellt“

Volkshochschule Heidekreis stellt sich den pandemiebedingten Herausforderungen

VHS setzt in Corona-Zeiten auf digitale Angebote: „Wir sind gut aufgestellt“

Unterbrochener Kursbetrieb, gestrichener Präsenzunterricht in den Abendstunden: „Der erste Lockdown im März vergangenen Jahres hat uns vor große Herausforderungen gestellt, aber wir haben sie angenommen und uns neu aufgestellt“, betonte Hans-Ulrich Obieglo, Geschäftsführer der Volkshochschule (VHS) Heidekreis, am vergangenen Montag in der VHS-Geschäftsstelle in Walsrode. Gemeinsam mit Landrat Manfred Ostermann als Vertreter der Gesellschafterversammlung informierte er darüber, wie sich die Corona-Krise mit all ihren Folgen auf die Arbeit und Angebote der kommunal verantworteten gemeinnützigen Bildungseinrichtung ausgewirkt hat. Reagiert hat die VHS mit einem massiven Ausbau digitaler Angebote. Sie muss nun allerdings auch 33 der insgesamt rund 140 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für zwei Monate in Kurzarbeit schicken. Dies werde jedoch „sozialverträglich geregelt“, betonte Ostermann: „Die finanziellen Einbußen werden nicht sehr groß sein.“ Die Kreispolitik habe er bereits über diese Maßnahme informiert.

Das Team der VHS habe die pandemiebedingten Herausforderungen „toll gemeistert“, lobte Ostermann, „aber jetzt haben wir bis Mitte Februar den zweiten Lockdown.“ Die Volkshochschule allerdings sei gewappnet, die Umstellung auf digitale Angebote habe sich bewährt. „Man ist hier sehr kreativ gewesen und bietet vieles online an. Das funktioniert sehr gut, davon habe ich mich selbst überzeugen können“, sagte der Landrat.

Laut Obieglo händelten die Volkshochschulen in Niedersachsen den Arbeitsalltag in der Corona-Krise recht unterschiedlich. Manche hätten darauf verzichtet, ein Programm herauszubringen, die VHS Heidekreis hingegen habe eines für das erste Semester zusammengestellt, das nun auch zahlreiche Online-Angebote enthalte. „Hoffentlich können wir im März wieder durchstarten mit den Präsenzkursen“, meinte der Geschäftsführer. Was dann in Corona-Zeiten je nach Erlasslage angeboten werden könne, darüber werde stets aktuell auf der Internetseite www.vhs-heidekreis.de sowie dem Facebook-Auftritt der Volkshochschule informiert.

Das Team der VHS habe, so Obieglo, bereits frühzeitig in der Pandemie seine Hausaufgaben gemacht. Es sei ein Kraftakt gewesen, für die Geschäfts- und Außenstellen umfassende Schutz- und Hygienekonzepte zu entwickeln. „Schließlich ist der Umgang hier in der Geschäftsstelle ein anderer als zum Beispiel in der Werkhalle oder Küche“, unterstrich der Geschäftsführer. Die Mühen hätten sich damals jedoch gelohnt „und nach Ostern standen alle parat.“ Zwar habe die VHS den abendlichen Präsenzunterricht im klassischen Ausbildungsbereich einstellen müssen, aber für die laufenden Kurse mit Prüfung und Zertifikatsvergabe, zum Beispiel die Lehrgänge für angehende Betreuungskräfte in Pflegeeinrichtungen oder zur Qualifizierung zur Schulbegleitung seien online fortgesetzt und auch abgeschlossen worden. Dazu habe die VHS nicht etwa fertige Module gekauft, vielmehr hätten die eigenen Mitarbeiter selbst entsprechende Online-Möglichkeiten erarbeitet, so Obieglo. Dies sei auch im Bereich Gesundheit und zweiter Bildungsweg der Fall gewesen. Unter anderem sei über Zoom-Videokonferenzen gearbeitet worden, aber auch die VHS-Cloud, das Online-Netzwerk für Volkshochschulen, das der deutsche Volkshochschul-Verband eingerichtet habe, sei ein äußerst hilfreiches Instrument. Darüber könnten unter anderem auch Materialien und Filme abgerufen werden.

„Die VHS-Cloud hat uns die Tür geöffnet für zahlreiche Aktivitäten“, erläuterte der Geschäftsführer. Zum Teil sei die Nachfrage überschaubar, „aber es ist uns wichtig, den Kontakt zu unseren Kunden zu halten“, unterstrich Obieglo. Und weiter: „Alles, was wir anbieten, bestücken wir mit unseren Mitarbeitern und Dozenten. Das kommt bei unseren Kunden sehr gut an. Derzeit arbeiten wir an einer Verbesserung des Handlings für die Nutzer. Wegen der technischen Herausforderungen war die Erarbeitung der Unterrichtsinhalte hochspannend. Es haben sich sofort Mitarbeiter und Dozenten gemeldet, die Feuer und Flamme waren, das umzusetzen.“

In Sachen Deutsch als Zweitsprache, Berufssprachkurse und Integrationskurse „haben wir sofort den Weg eingeschlagen, Kurse, die ausgesetzt wurden, sinnvoll zu füllen“, erklärte VHS-Programmbereichsleiterin Silke Huster, zuständig für Deutsch- und Integrationskurse. „Aktuell betreuen wir zehn Kurse im Online-Unterricht, geben 156 Stunden Online-Unterricht pro Woche und haben 23 Leihgeräte an Kundinnen und Kunden ausgegeben“, so Huster weiter: „Wir haben tolle, engagierte Dozentinnen und Dozenten und eine stabile Anwesenheit. Natürlich würden alle gern in die Präsenz zurückkommen.“

Besonders komplex ist in der Corona-Krise die Organisation im Bereich der Projekte, in denen die VHS als Partner fungiert. Dazu zählen die von der Europäischen Union über den Europäischen Sozialfonds (ESF) geförderten Maßnahmen sowie die Projekte in Kooperation mit der Agentur für Arbeit und dem Jobcenter. Dazu stellvertretender Geschäftsführer Thomas Lembke: „Wir mussten im ersten Lockdown stetig prüfen, was wir in welchen Bereich machen dürfen - und das war immer unterschiedlich. Für die verschiedenen Formate gelten jeweils unterschiedliche Spielregeln. Es ist ein sehr komplexes Geflecht von Regelungen.“

Unter anderem ist die VHS Heidekreis mit der integrativen Ausbildung beauftragt. Aktuell werden 33 Jugendliche in den drei Bereichen Küche, Malern und Metall ausgebildet. „Auch hier haben wir Online-Angebote gestrickt und von der Agentur für Arbeit die Genehmigung erhalten. Das war das Fundament für uns, alles weiter anbieten zu können“, so Obieglo. Um weiter ausbilden zu können, mussten in den fachpraktischen Bereichen die Gruppen verkleinert werden. „Wer das Schweißen von Metall erlernen möchte, kann sich nicht nur ein Youtube-Video anschauen. Das muss man mit den Händen machen, um ein Gefühl dafür zu bekommen“, betonte Lembke. Weiterhin pausieren muss das Qualifizierungsprojekt „FUNDUS - soziales Kaufhaus“, das die VHS Heidekreis im Auftrag des Jobcenters Heidekreis in Walsrode betreibt, ein arbeitsmarktpolitisches Projekt für erwerbsfähige Leistungsberechtigte aus dem Rechtskreis SGB-II. Hier fällt derzeit der Erlös aus dem Verkauf weg.

Laut Obieglo schließe die VHS Heidekreis das Jahr 2020 mit einem Minus ab, wolle in diesem Jahr jedoch auf gesunden Füßen stehen. „Wir haben eine neue Situation und werden 33 Mitarbeiter in den Monaten Februar und März in Kurzarbeit schicken“, so der Geschäftsführer. Dies werde sozialverträglich umgesetzt, so dass die in Kurzarbeit geschickten letztlich 95 Prozent ihres üblichen Gehalts erhielten. „Das ist ein Weg, den wir zeitlich begrenzt umsetzen müssen und der hier auch von der breiten Masse getragen wird“, betonte Obieglo. Die gute Nachricht sei: „Wir mussten uns nicht von Kollegen trennen, kein Projekt und keine Maßnahme wird eingestellt.“

In welcher Form die VHS ihr digitales Angebot in Zukunft weiterführen oder gar ausbauen wird, ist derzeit noch offen. Laut Lemke sei angedacht, es künftig flankierend einzusetzen. Landrat Ostermann abschließend: „Uns ist wichtig, die Botschaft zu vermitteln, dass die VHS weiterarbeitet. Man muss auch mal das Positive sehen. Jeder soll wissen, dass die Angebote derzeit in etwas anderer Form genutzt werden können.“

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