„Was fehlt, ist das Geld“

Lars Klingbeil im Gespräch mit Dehoga-Spitze im Heidekreis

„Was fehlt, ist das Geld“

Wo genau der Schuh drückt und was sich konkret dagegen tun lässt, wollte Lars Klingbeil wissen, als er am vergangenen Dienstag mit Vertretern des Kreisverbandes Heidekreis des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in Walsrode zusammentraf. Die so gewonnenen Informationen will der hiesige Bundestagsabgeordnete und SPD-Generalsekretär nutzen, wenn es um die Beratung des Konjunkturpaketes geht. Denn gerade Gastronomie und Hotellerie sind durch die bisherigen Maßnahmen besonders gebeutelt.

Als Gesprächspartner standen dem Politiker Dehoga-Kreisvorsitzender Jens Asche (Serengeti-Park), 2. Vorsitzender Klaus Anger (Anders-Hotel) und Hotelier Reimer Eisenberg (Anders-Hotel) zur Verfügung. Sie betonten, die Bundesregierung habe Deutschland bisher dankenswerterweise gut durch die Coronakrise gebracht. Aber, so Eisenberg, „es gibt immer auch Verlierer - und zu denen gehören wir.“ Es sei deshalb gut, dass die Politik Interesse an der Situation vor Ort zeige „und hören will, was die Gastronomie bewegt“, betonte Asche.

Die wolle zwar nicht jammern, doch sei die Lage sehr ernst - auch nachdem Restaurants ja inzwischen unter Auflagen wieder öffnen können. Den großen Ansturm nämlich habe es nicht gegeben, seit Restaurants und Cafés am 11. Mai wieder öffnen durften: „Unsere Mitgliedsbetriebe haben sich sofort auf alle Hygienemaßnahmen eingestellt, aber die Gäste bleiben aus, weil sie noch immer Angst haben.“ Außerdem könnten derzeit nur 50 Prozent der Plätze besetzt werden: „Es gibt also immer Verlust.“

Kritik gab es darüber hinaus an der Sieben-Tage-Regel, die möglicherweise auch für Hotels hätten gelten sollen, wenn die wieder öffneten. Danach könnte - wie bei Ferienwohnungen - ein Zimmer erst nach sieben Tagen wieder vermietet werden - egal, ob der Gast zuvor einen oder sieben Tage darin gewohnt hat. Das alles bringe Verluste und erfordere zudem einen viel zu großen Verwaltungsaufwand, bemängelte Anger.

Inzwischen scheinen sich die Voraussetzungen in Niedersachsen aber zu ändern: Vom 25. Mai an sollen die Hotels bei einer Auslastung von bis zu 60 Prozent wieder öffnen dürfen, und die Sieben-Tage-Regelung wird gekippt.

Ob das am Ende Gastronomie und Hotellerie in genügendem Maße auf die Beine hilft, bleibt die Frage. Denn angesichts der bisherigen Entwicklung verwies Anger noch einmal auf die damit verbundenen Verluste: „Wir haben den Ofen angeworfen und schaufeln jetzt das Geld hinein. Wir wussten, dass wir eine Durststrecke vor uns haben, aber nicht eine so starke.“

Nach Wegen aus dieser Situation zu suchen - gerade darum ging es Klingbeil bei diesem Gesprächstermin: „Was würde helfen, damit die Gastronomie schneller wieder anläuft? Welches Instrument können wir nutzen, damit die Leute abends wieder essen gehen oder im Hotel übernachten?“ Antworten auf diese Fragen wussten die Dehoga-Vertreter allerdings nicht zu geben. Hier den Stein der Weisen zu finden, konnte wohl auch niemand erwarten. Statt dessen verwies Eisenberg noch einmal auf die Gäste, die nach wie vor Angst hätten und sich im Restaurant noch nicht wieder wohlfühlten, und kam aufs Geld zu sprechen, an dem es überall mangele.

So bewerteten auch Asche und Anger weitere finanzielle Unterstützung als hilfreich und erforderlich. Die auf ein Jahr befristete Senkung der Mehrwertsteuer von 19 auf sieben Prozent in der Gastronomie fand dabei ein geteiltes Echo, denn sie helfe nicht sofort. Zudem, so Eisenberg, sei es ohnehin unverständlich, warum die sieben Prozent Mehrwertsteuer auf Speisen und Getränke nicht grundsätzlich in der Gastronomie gölten. Asche allerdings meinte: „Die Mehrwertsteuersenkung war schon ganz willkommen. Was wir jedoch brauchen, sind schnellfließende finanzielle Zuschüsse für die Gastronomie, aber auch für die Mitarbeiter.“

Der Dehoga-Vorsitzende weiter: „Es muss auch für die kleinste Kneipe die Möglichkeit geben, dass Gelder fließen. Wir haben hier bei uns ohnehin ein Sterben der Landgastronomie. Diese Betriebe überleben von Woche zu Woche und haben kein flüssiges Geld mehr, um einzukaufen. Die Hälfte der Betriebe, die den Tourismus aufrechterhalten, wird es nicht mehr geben, wenn nicht auch der kleinste Betrieb Zuschüsse bekommt.“ Darüber hinaus gebe es auch eine Verantwortung für die Mitarbeiter, die oft Probleme hätten, mit ihrem Kurzarbeitergeld Lebensunterhalt und Miete zu finanzieren.

Was fehle, so Asche und Eisenberg, sei schlichtweg das Geld. Und da könnten auch 300-Euro-Familiengutscheine, die derzeit in der Diskussion seien, helfen, denn viele Leute hätten nicht mehr das Geld, um die Gastronomie zu nutzen.

Asche unterstrich, dass es in Hotellerie und Gastronomie Betriebe mit durchaus unterschiedlichen Erfordernissen gebe, so dass nicht jede Lösung für jeden Betrieb passe, zeigte sich jedoch zuversichtlich: „Ich glaube aber, dass wir Wege finden, wenn wir zusammenstehen.“

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