„Kein Kavaliersdelikt“

Nabu betrachtet Wolfstötungen „mit wachsender Sorge“

„Kein Kavaliersdelikt“

„Mit wachsender Sorge“ betrachtet der Kreisverband des Naturschutzbundes im Heidekreis die Zunahme illegaler Wolfstötungen in der nördlichen Heideregion. „Das bei Wesseloh mit einer tödlichen Schussverletzung aufgefundene Jungtier ist nach dem Mitte Oktober bei Salzhausen schwer verletzt am Straßenrand entdeckten Wolf nun bereits der zweite Fall, in dem ein Wolf im letzten Jahr durch oder infolge eines Schusswaffengebrauchs in der nördlichen Heideregion ums Leben gekommen ist“, konstatiert Klaus Todtenhausen, 1. Vorsitzender des NABU Heidekreis. Spaziergänger hatten am Silvesterabend den jungen Wolfsrüden, der vermutlich illegal mit einer Jagdwaffe erlegt worden war, im Revier Eggersmühlen bei Wesseloh entdeckt.

Todtenhausen befürchtet zudem eine hohe Dunkelziffer gewilderter Wölfe. Dass der Anfang 2020 bei Rotenburg überfahrene Elternrüde des Visselhöveder Rudels eine verheilte Schussverletzung aufwies, sei ein weiteres Indiz für die zunehmende Aggressivität gegenüber einer streng geschützten Tierart, „die verbal sowohl durch unsachliche, unausgewogene und reißerische Medienberichte als auch durch Forderungen nach ‚Obergrenzen‘ und ‚wolfsfreien Zonen‘ befeuert“ werde.

„Wenn politische Entscheidungsträger wie Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner oder Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies für eine vorsorgliche Bejagung im Rahmen eines Bestandsmanagements plädieren und ungeachtet der europarechtlichen Vorgaben alles daransetzen, den hohen Schutzstatus des Wolfes aufzuweichen und die Anforderungen an den Herdenschutz zu senken, darf man sich nicht wundern, wenn die Hemmschwelle sinkt und der eine oder andere Waffenbesitzer bei Nacht und Nebel den Finger am Abzug krümmt“, ergänzt Pressesprecherin Dr. Antje Oldenburg.

Da bislang keine der neun zwischen 2000 und 2019 in Niedersachsen bekannt gewordenen illegalen Wolfstötungen aufgeklärt wurde, fordert der NABU-Kreisverband die zuständigen Behörden auf, entschlossener und konsequenter bei der strafrechtlichen Verfolgung vorzugehen. „Sollte bei der Obduktion des jüngst erschossenen Wolfes tatsächlich ein Projektil geborgen werden, könnten sich daraus wertvolle Hinweise auf die Waffe und damit auch auf den Täterkreis ergeben“, so Oldenburg. Sie appelliert: „Wer sachdienliche Hinweise zur Ergreifung des Täters geben kann, sollte sich unbedingt an die Polizei wenden“, denn das Töten eines streng geschützten Tieres sei kein „harmloses Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat, die mit einer Geldbuße bis zu 50.000 Euro, dem Entzug der Waffenbesitzerlaubnis und sogar einer Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren geahndet werden kann.“

Logo