„Den Blick nach vorne richten“ | Aktuelle Nachrichten und Informationen

Wie kann Mobilität im ländlichen Raum künftig funktionieren?

„Den Blick nach vorne richten“

Wie kann Mobilität im ländlichen Raum künftig funktionieren? Mit dieser Frage beschäftigte sich eine Informationsveranstaltung am 29. April im „Pier One“ in Wietzendorf. FDP-Ratsherr Andreas Ebel aus Wietzendorf hatte zu der Veranstaltung eingeladen und stellte gemeinsam mit Professor Dr. Peter Pez von der Leuphana Universität Lüneburg sowie Jan Breitlauch von der „ioki GmbH“ aktuelle Entwicklungen und mögliche Zukunftsperspektiven für den öffentlichen Nahverkehr im ländlichen Raum vor.

Professor Pez erläuterte in seinem Vortrag die Bedeutung leistungsfähiger ÖPNV-Achsen für die zukünftige Entwicklung ländlicher Räume. Besonders hervorgehoben wurde dabei die zunehmende Bedeutung einer systemischen Betrachtung zukünftiger Mobilität. Statt einzelne Strecken isoliert zu bewerten, müsse künftig stärker das Zusammenspiel aus Schiene, Bus, flexiblen Zubringerverkehren und regionaler Entwicklung betrachtet werden.

Bemerkenswert waren dabei insbesondere die Ausführungen zur demographischen Entwicklung im ländlichen Raum. Pez machte deutlich, dass Gemeinden entlang leistungsfähiger ÖPNV-Achsen langfristig oftmals bessere Entwicklungs- und Stabilisierungsperspektiven hätten. Dabei gehe es nicht allein um Mobilität, sondern ebenso um Fragen der Nahversorgung, der Erreichbarkeit von Schulen und Kindertagesstätten, der Fachkräftesicherung sowie um die langfristige Attraktivität ländlicher Gemeinden als Wohn- und Wirtschaftsstandorte.

Anhand verschiedener Untersuchungen und Reisezeitvergleiche zeigte Pez zudem die deutlichen Geschwindigkeitsunterschiede zwischen Bus- und Schienenverkehr auf. Während Busverbindungen im ländlichen Raum „häufig durch Ortsdurchfahrten, Staus oder langsamen Straßenverkehr beeinflusst werden“, könne die Bahn auf einer eigenen Infrastruktur deutlich schneller und verlässlicher verkehren. Als Beispiel wurde die Verbindung zwischen Wietzendorf und Soltau genannt: Je nach Busverbindung liegen die Fahrzeiten derzeit bei etwa 24 bis 49 Minuten, während eine Bahnverbindung auf derselben Relation im eventuellen Stundentakt bei rund neun Minuten liegen könnte.

Jan Breitlauch von der „ioki GmbH“ stellte anhand praktischer Beispiele moderne On-Demand-Systeme und aktuelle Entwicklungen im Bereich autonomer Mobilität vor. Er berichtete unter anderem über Erfahrungen aus Schleswig-Holstein, wo flexible Shuttle-Systeme bereits erfolgreich als Ergänzung zum klassischen ÖPNV eingesetzt werden. Dabei wurde deutlich, dass insbesondere die Verbindung aus Schienenverkehr und flexiblen Zubringerlösungen neue Möglichkeiten für ländliche Regionen eröffnen kann.

An der Veranstaltung nahmen unter anderem Bürgermeister und kommunale Vertreter aus Wietzendorf, Bergen, Bispingen und Salzhausen teil. Die anschließenden Gespräche und Diskussionen zeigten, dass die zukünftige Entwicklung des öffentlichen Nahverkehrs in der Region zunehmend auch kommunalpolitisch stärker wahrgenommen wird. Andreas Ebel zog im Anschluss ein positives Fazit: „Die Veranstaltung sollte bewusst keine reine Rückschau sein, sondern den Blick nach vorne richten. Es geht darum, realistische Zukunftsperspektiven für unsere Region zu entwickeln und dabei neue technische Möglichkeiten sowie veränderte Mobilitätsbedürfnisse mitzudenken.“

Nach Einschätzung der Veranstalter soll die Diskussion nun fortgeführt werden. Geplant sind weitere Gespräche sowie die Prüfung moderner Mobilitätsanalysen und möglicher Verkehrserhebungen, um zukünftige Potenziale im ländlichen Raum fundierter bewerten zu können.