Drei „grüne Gräber“ statt grünem Kreuz

Wietzendorfer kritisiert Auflagenflut für Landwirte durch Agrarpaket

Drei „grüne Gräber“ statt grünem Kreuz

Auch im Heidekreis stehen seit einigen Wochen grüne Kreuze auf den Feldern - ein Zeichen des Protestes der Landwirte gegen das Agrarpaket der Bundesregierung. Andreas Ebel ist das noch nicht deutlich genug: Am 14. Oktober hat er auf seinem Feld am Ortsrand von Wietzendorf (Richtung B 3) statt eines grünen Kreuzes gleich drei „grüne Gräber“ aufgestellt. Denn: Seiner Ansicht seien es neben dem Agrarpaket auch die Verbraucher und die eigene Berufsvertretung, die den Bauern das Grab schaufelten.

Düngeverordnung, Glyphosatverbot, Insektenschutz, freiwilliges Tierwohllabel und noch einiges mehr treibt Deutschlands Bauern schon seit einiger Zeit um. Viele von ihnen haben inzwischen ein grünes Kreuz auf den Acker gestellt, um damit auf ihre Sorgen und Nöte aufmerksam zumachen. „Ein Kreuz war mir zuwenig, denn die Auflagen werden immer höher. Dabei geht es nicht darum, dass wir sie nicht erfüllen wollen, sondern dass wir sie nicht erfüllen können“, meint Ebel und verweist beispielsweise auf kostspielige technische Erfordernisse, die sich kleine Höfe oft nicht leisten könnten: „Unter den Auflagen werden alle zu leiden haben, aber die kleinen Betriebe werden auf Dauer hinweggefegt“, befürchtet der Wietzendorfer.

Er sei selbst ein Verfechter von Umweltschutz und Tierwohl, gibt aber zu bedenken: „Viele Jahre lang wurde die Landwirtschaft auf marktwirtschaftliche Effizienz getrimmt. Das war politisch so gewollt. Die jetzigen Maßnahmen führen jedoch dazu, dass die Produktionskosten steigen und die Produkte teurer werden müssen. Gleichzeitig wird es aber auch weiterhin importierte Waren geben, die nicht solchen Auflagen unterworfen sind und günstiger angeboten werden können. Dann ist die Frage, ob die Verbraucher das erkennen können - und honorieren wollen.“

Am Ende seien es die Kunden, von denen vieles abhänge: „Der Verbraucher hat das schärfste Schwert, weil er an der Ladenkasse darüber entschiedet, was gekauft wird und was im Regal liegen bliebt. Gleichzeitig sind aber Landwirte als Produzenten einerseits und Verbraucher andererseits maximal voneinander entfernt. Das gilt nicht nur örtlich, weil der Kunde etwa in der Großstadt lebt und weil das Produkt im Supermarkt oder Discounter gekauft wird, sondern auch inhaltlich, weil die meisten Verbraucher nicht wirklich viel über die Landwirtschaft und ihre Produktion wissen, dies aber oft meinen“, betont Ebel. Und weiter: „Die Verbraucher müssten lernen, welchen wirklichen Wert solche landwirtschaftliche Produkte haben - und sie dann auch kaufen.“

Kritisch sieht Ebel auch Landvolk beziehungsweise Bauernverband als Berufsvertretung der Landwirte: „Ich hätte mir gewünscht, dass sie sich deutlicher für diese Belange eingesetzt hätten.“

Mit seinen drei „grünen Gräbern“ geht der Wietzendorfer übrigens auf eigene Kappe an die Öffentlichkeit. Sein sonstiges politisches Engagement - so als stellvertretender Vorsitzender der Heidekreis-FDP - sei davon unabhängig: „Ich will damit noch plakativer machen, dass es um viel geht und dass es am Ende vielleicht zahlreiche Betriebe nicht mehr geben wird. Die Landwirtschaft ist aber wichtig für Deutschland - oder wollen wir darauf vertrauen, dass wir uns über das Ausland ernähren? Mit dem Agrarpaket jedenfalls tragen wir die Landwirtschaft zu Grabe“, betont Ebel noch einmal. Wie viele andere sei auch er bereit, Dinge zu verändern, „aber so, dass die Betriebe überleben können. Alle sollten dabei rational, ideologiefrei und mit fachlichen Argumenten vorgehen.“ Dass nicht nur er selbst die Lage so dramatisch sehe, unterstreicht der Wietzendorfer und verweist auf anstehende Proteste, die die über Facebook entstandene Gruppe „Land schafft Verbindung - wir rufen zu Tisch“ plane: „Am 22. Oktober soll es eine Zentralveranstaltung in Bonn geben. Aufgerufen wurde aber auch zu Kundgebungen in andere Städten. Ich kann mir gut vorstellen, dass es dann nicht nur in Großstädten, sondern vielleicht auch in Soltau, Walsrode oder Bad Fallingbo­stel zu Demonstrationen kommen könnte.“

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