Havarie in Wietzendorfer Gewerbebetrieb

Stärkewerk: Mehr als 1.000 Kubikmeter Restprozessflüssigkeit ausgetreten und in Gräben, Naturschutzgebiet sowie zum Teil in Kanalisation gelaufen

Havarie in Wietzendorfer Gewerbebetrieb

Einen Großeinsatz von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk (THW) sowie Polizei und der Unterer Wasserbehörde löste am vergangenen Samstagvormittag eine Havarie in einem Wietzendorfer Gewerbebetrieb aus: Rund 1.000 Kubikmeter Restprozessflüssigkeit waren ausgetreten und vom Areal des Stärkewerks über die Entwässerungsgräben in ein angrenzendes Naturschutzgebiet sowie teilweise auch in die Kanalisation gelaufen.

Im anschließenden Bericht zu dem Vorfall schildert die Polizeiinspektion Heidekreis den Fall so: Zu einer Gewässerverunreinigung durch auslaufendes Prozesswasser seien Einsatzkräfte am vergangenen Samstagmorgen, dem 27. August, gegen 9.40 Uhr in Wietzendorf ausgerückt. „Im dortigen Stärkewerk wurde aus bislang ungeklärter Ursache in einem Vorratsbehälter für Prozesswasser von Kartoffelstärke der Deckel des Behälters angehoben. Hierdurch wurde der zylinderförmige Behälter instabil und brach zum Teil zusammen. Eine größere Menge des Prozesswassers trat schlagartig aus und beschädigte zwei weitere Behälter“, teilt die Einsatzleitstelle der Polizeiinspektion Heidekreis mit.

Die Flüssigkeit sei über das Firmengelände gelaufen, teilweise in die Kanalisation gelangt „und in einer Welle in das angrenzende Naturschutzgebiet, wo es durch Gräben weitergeleitet wurde.“ Laut Polizeibericht seien vermutlich mehrere 1.000 Kubikmeter Prozesswasser ausgelaufen. Zur Lagebeseitigung waren neben der Feuerwehr Wietzendorf, dem Technischen Hilfswerk (THW) und der Polizei auch Vertreter der Unteren Wasserbehörde vor Ort.

Da eine Umweltgefährdung durch das massiv ausgetretenes Prozesswasser nicht ausgeschlossen werden könne, sei „ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt wegen des Verdachts der Gewässerverunreinigung“ eingeleitet worden, heißt es im Bericht der Polizeiinspektion Heidekreis.

Nach dem Einsatz geht auch Thomas Klamet, Pressesprecher Kreisfeuerwehr Heidekreis, in seinem Bericht auf die Ereignisse ein: „Aus bisher ungeklärter Ursache kam es am Morgen des 27. August zu einer Havarie mehrerer Restprozesswasserbehälter, in dessen Folge, zwei Behälter ausliefen und ein weiterer stark beschädigt wurde. Gut 1.000 Kubikmeter Flüssigkeit ergossen sich über das komplette Betriebsgelände und über Entwässerungsgräben in ein angrenzendes Naturschutzgebiet. Verletzt wurde glücklicherweise niemand.“

Mitarbeiter des Betriebes begannen umgehend mit Radladern die auslaufende Flüssigkeit einzudeichen und alarmierten die Feuerwehr. Als die ehrenamtlichen Einsatzkräfte aus Wietzendorf wenig später eintrafen, begannen diese umgehend ebenfalls weitere Maßnahmen zu treffen, um ein weiteres Austreten in das Naturschutzgebiet mit dem Fluss Krepau zu verhindern. Mit der Hilfe von Landwirten und Güllefässern wurde begonnen die Flüssigkeit abzusaugen, mehrere Dämme wurden, auch mit der Hilfe eines Tiefbauers, errichtet sowie mehrere Rohrdichtkissen im Kanalsystem gesetzt. „Alle Arbeiten erfolgten von Anfang an in enger Abstimmung mit der unteren Wasserbehörde des Heidekreises, da der Austritt einer solchen Menge Restprozesswasser als akute Umweltgefahr anzusehen war. Die Bürger Wietzendorfs wurden über Warn-Apps über den Vorfall und die einhergehende Geruchsbelästigung informiert“, so Klamet.

Und weiter: „Da der beschädigte Behälter augenscheinlich nicht mehr stabil erschien, wurden ein Baufachberater zur Begutachtung der Statik und zwei ESS-Systeme (Einsatzstellen-Schnell-Sicherungssystem) des THW aus Achim und Hoya angefordert. Die Begutachtung bestätigten die ersten Einschätzungen. Der Behälter war akut einsturzgefährdet und der Inhalt von weiteren 1.400 Kubikmetern drohte ebenfalls auszulaufen. Die lasergestützten ESS-Systeme wurden in Stellung gebracht um eine Veränderung des Bauwerks permanent zu Überwachen.“

Wertvolle Dienste bei der Erkundung der Einsatzstelle leistete auch die ebenfalls alarmierte Drohne der Kreisfeuerwehr: „Aus der Luft ließ sich das gesamte Schadenausmaß besser begutachten. Ebenfalls war es möglich in Bereich vorzudringen die von Personen nicht zu erreichen waren oder auf Grund der Einsturzgefahr als zu gefährlich bewertet wurden“, so der Pressesprecher.

Zur Abstimmung der weiteren Maßnahmen waren neben Verantwortlichen der Betreiberfirma, auch mehrere Vertreter des Heidekreises, Kreisbrandmeister Thomas Ruß, Fachberater vom THW, der Gemeinde Wietzendorf und weiterer beteiligter Kräfte vor Ort. „Alle Beteiligten lobten im Anschluss an die Einsatzmaßnahmen die enge Zusammenarbeit. Um die Versorgung der rund 80 Einsatzkräfte kümmerte sich der Ortsverband Wietzendorf des Deutschen Roten Kreuzes in Zusammenarbeit mit einer ortsansässigen Fleischerei.“

Nachdem mehrere Optionen den beschädigten Behälter zu leeren ausschieden, blieb als verbleibende Möglichkeit die Flüssigkeit von oben abzupumpen: „Dazu wurden mehrere Einheiten der THW Ortsverbände Soltau und Fallingbostel-Walsrode, die Fachgruppe Wasserschaden/Pumpen des THW Verden sowie der Kran der Fachgruppe Brückenbau des THW aus Hamburg-Altona alarmiert. Zwei große Schmutzwasserpumpen wurden am Kran befestigt und in den Behälter abgelassen. Die abgepumpte Flüssigkeit wurde in Zwischenbehältern gelagert und mit mehreren vom Betreiber organisierten Lkw zu einer geeigneten Zwischenlagerstelle gebracht. Die Pumparbeiten liefen die ganze Nacht über, führten aber zum Erfolg“, so Klamet.

Nach gut 27 Stunden konnten die Einsatzmaßnahmen am Sonntagmittag beendet werden. „Parallel dazu hat der Betreiber bereits begonnen die verschmutzten Flächen des Betriebsgeländes zu reinigen und steht in engem Austausch mit den Behörden zu weiteren Maßnahmen im Naturschutzgebiet. Die Ermittlungen zum Hergang wurden aufgenommen“, so der Pressesprecher der Feuerwehr.

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