„Standortfrage steht nicht an erster Stelle“

HKK-Neubau: Wietzendorfer FDP will Versachlichung des Themas

„Standortfrage steht nicht an erster Stelle“

Kreistagsbeschluss für den Standort F4 (Bad Fallingbostel), Bürgerbegehren für einen Standort bei Dorfmark - wenn es um einen möglichen Neubau des Heidekreis-Klinikums (HKK) geht, dann fokussiert sich derzeit alles auf die erbittert geführte Standortdiskussion. Davon allerdings möchte sich die FDP Wietzendorf, soweit möglich, lösen und statt dessen den Blick auf das künftige Krankenhaus als solches richten. Dafür machen sich Andreas Ebel, André Hofmeister und Andreas Reinert stark, denn die drei Wietzendorfer Liberalen befürchten, dass durch die große Emotionalität der gegenwärtigen Auseinandersetzung das eigentliche Thema zu sehr in den Hintergrund gerät.

„Wir wollen das an erster Stelle sehen, was am wichtigsten ist. Und das ist das Krankenhaus - noch vor dem Standort“, betont Ebel. Und Hofmeister konkretisiert: „Wir möchten ein HKK, das über die Grund- und Regelversorgung hinaus attraktive Fachabteilungen bietet und in dem die medizinische Qualität möglichst optimal ist.“ Das Gebäude dafür müsse modernsten Gesichtspunkten entsprechen. Ein solches Haus mit adäquater Ausstattung könne dann auch interessant für besonders qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sein, was sich wiederum positiv auf die Akzeptanz unter den Patienten auswirke.

Hofmeister weiter: „Ein neues HKK muss auf die Bedürfnisse der Mitarbeiterschaft, der Patienten und Besucher abgestimmt sein und medizinisch etwas zu bieten haben.“ Nur wenn es solchermaßen attraktiv sei, könne es konkurrenzfähig sein, im Wettbewerb mit anderen Häusern punkten und am Ende auf gesunden wirtschaftlichen Füßen stehen.

„Über diese zentralen Fragen wird zur Zeit kaum gesprochen, weil die Standortfrage die Diskussion dominiert und dadurch andere wichtige Aspekte in den Hintergrund geraten. Dabei müssten gerade diese Themen im Mittelpunkt der Information und Diskussion stehen“, beklagt Ebel.

Allerdings sind die derzeitigen Auseinandersetzungen für die drei Liberalen durchaus nachvollziehbar: „Auch im Rückblick auf die HKK-Umstrukturierung vor Jahren hätte man wissen müssen, wie die Reaktion im Nordkreis auf die Standortwahl F4 ausfallen würde“, meint Reinert. Hier, so Hofmeister, hätte möglicherweise Härte aus der Auseinandersetzung genommen werden können, wenn denn zeitig genug vor dem Kreistagsbeschluss vom 26. Juni informiert worden wäre - und nicht erst danach, Corona hin oder her. Rechtzeitige Informationen habe es aber - beabsichtigt oder unbeabsichtigt - nicht gegeben, was die drei Liberalen deutlich kritisieren. So betont Ebel: „Das Problem ist, wie man hier mit den Bürgerinnen und Bürgern umgegangen ist.“ Nachdem es erst gar keine Informationen gegeben habe, „wurde nur wenig kommuniziert - und dann aneinander vorbei.“

Die drei Wietzendorfer unterstreichen, dass sie standortoffen seien, räumen allerdings ein, dass es in der gegenwärtigen Situation wohl auf F4 hinauslaufen werde. Sonst sei wegen des engen Zeitfensters, innerhalb dessen die nötigen Unterlagen in Hannover eingereicht werden müssten, eine 130-Millionen-Förderung durch das Land nicht mehr zu erwarten. Und das wiederum würde das Ende für ein neues HKK bedeuten.

Diese Gefahr sehen sie auch, sollte der in den kommenden Monaten anstehende Bürgerentscheid positiv für einen Standort bei Dorfmark ausfallen. Hofmeister, Reinert und Ebel betonen, dass sie das gesetzliche Mittel des Bürgerbegehrens mit anschließendem Bürgerentscheid ausdrücklich begrüßten. In diesem Fall könnte das Ergebnis allerdings alle Hoffnungen auf ein HKK zunichte machen, weil auch dann nicht mehr mit Landesmitteln zu rechnen sei. „Die Menschen würden dann um die medizinische Zukunft des Heidekreises und ihre gute Versorgung gebracht“, befürchtet Ebel.

Statt der gegenwärtigen Auseinandersetzung um den „richtigen“ Standort wollen die Wietzendorfer Liberalen einen anderen Ansatz, bei dem es eigentlich keine Rolle spielt, ob das neue HKK fünf Kilometer weiter im Norden oder Süden steht: „Der Standort muss die ökologischen und ökonomischen Erfordernisse für den Bau erfüllen. Das heißt, die Infrastruktur muss entsprechend ausgebaut werden“, so Hofmeister. Dabei denken die drei Liberalen nicht in lokalen Dimensionen und blicken auch nicht nur ein paar Jahre nach vorn, sondern weit dar­über hinaus.

Wenn ein neues HKK von möglichst vielen Einwohnern des Heidekreises akzeptiert werden und auch für autolose Bürger mit schmalem Geldbeutel oder alte Menschen erreichbar sein solle, „dann muss die Infrastruktur im gesamten Heidekreis optimiert werden. Dazu gehört auch der ÖPNV“, so Hofmeister.

Wie er, so sieht auch Ebel hier einen wichtigen Bedarf. Dabei gehe es sowohl um den Ausbau des Busverkehrs als auch um weitere Verbesserungen auf der Schiene, was allerdings nicht nur den Besuchern des HKK, sondern den Bürgern im Heidekreis insgesamt zugute käme: „Natürlich braucht das HKK einen Bahnstopp in der Nähe, denn es geht auch um eine möglichst ökologische und schnelle Erreichbarkeit. Wasserstoffbetriebene Züge auf der Heidebahn oder die Reaktivierung alter Bahnstrecken, um den Heidekreis besser über die Schiene zu erschließen, sind durchaus keine Zukunftsmusik und sollten erwogen werden. Auf jeden Fall muss es die Möglichkeit geben, ein neues HKK mit einem vernünftigen und schnellen ÖPNV zu erreichen.“

Es gebe also über den emotional diskutierten Standort hinaus weitere wichtige Faktoren, die neben der medizinischen Qualität zu besprechen und über die zu informieren sei, so Hofmeister: „Wir brauchen eine Versachlichung, weg von der Standortdiskussion. Dann erreichen wir vielleicht auch wieder mehr Bürgerinnen und Bürger.“

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