Warnstreik in Wietzendorf

Emsland-Stärke-Werk: Fast die komplette Frühschicht beteiligt sich an Aktion der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten

Warnstreik in Wietzendorf

Nahezu die komplette Frühschicht der insgesamt rund 60 Beschäftigten des Emsland-Stärke-Werkes in Wietzendorf hat sich am heutigen Donnerstag an einem vierstündigen Warnstreik beteiligt, zu dem die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) aufgerufen hatte.

Die Lohn- und Gehaltstarifverträge sind im April ausgelaufen. Die NGG fordert seit Februar dieses Jahres für die knapp mehr als 1.000 Beschäftigten der Stärkeindustrie in Niedersachsen und Brandenburg für die nächsten zwölf Monate eine Erhöhung der Einkommen um 4,5 Prozent.

„Seit Monaten arbeiten die Beschäftigten in der Stärkeindustrie unter den erschwerten Bedingungen in der Coronapandemie. Sie halten die Produktion und damit die Versorgung aufrecht. Die erwartete Wertschätzung für den Einsatz und die Leistungsbereitschaft bleibt jedoch aus“, heißt es in einer Mitteilung der NGG.

Die Arbeitgeber hätten nach zähen Verhandlungen in der zweiten Verhandlungsrunde am 25. Mai für die nächsten 24 Monate ein Angebot vorgelegt: Zwei Leermonate, ab 1. Juli 2021 1,85 Prozent und ab 1. Mai 2022 zwei Prozent mehr Lohn. Dazu Manuela Schäffer, Gewerkschaftssekretärin der NGG Region Lüneburg: „Das Angebot der Arbeitgeber ist völlig inakzeptabel. Das Geschäft läuft gut, wie auch die zu begrüßenden regen Investitionstätigkeiten der Unternehmen zeigen. Die Beteiligung der Belegschaft an der Wertschöpfung ist offenbar weniger im Fokus der Unternehmenslenker. Die Beschäftigten wurden in den Verhandlungen ausdrücklich auf ihre Bedeutung als Kostenfaktor reduziert. Man müsse wirtschaftlich denken. Die Kolleginnen und Kollegen haben mit ihrem Streik deutlich gezeigt, dass sie sich nicht mit Reallohnsenkungen abspeisen lassen.“ Das Angebot der Arbeitgeber komme einem Reallohnverlust gleich. Im Mai dieses Jahres seien die Verbraucherpreise mit 2,5 Prozent so stark gestiegen wie seit zehn Jahren nicht mehr - und die Inflation werde bis Ende 2021 weiter klettern.

Ökonomen sagten laut NGG voraus, dass die Inflation in der zweiten Jahreshälfte noch deutlich ansteigen werde. Außerdem komme mit zunehmenden Corona-Lockerungen die Gesamtwirtschaft wieder kräftig in Fahrt und die ohnehin kaum beeinträchtigte Produktion während der Zeit des Lockdowns in der Stärkeindustrie werde weiter sehr gut laufen.

„Das prognostizierte BIP-Wachstum von bis zu vier Prozent wird sich auch in der Stärkeindustrie bemerkbar machen. Die Verhandlungen werden am 17. Juni 2021 fortgesetzt“, heißt es vonseiten der Gewerkschaft.

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