Wer folgt auf Wrieden?

Sechs der sieben Bürgermeisterkandidaten in Wietzendorf stellen sich vor

Wer folgt auf Wrieden?

Rededuelle zu kontroversen Themen waren nicht zu erwarten. Statt dessen ging es eher darum, die Bürgermeisterkandidaten etwas näher kennenzuzlernen. Und diese Chance nutzten die Wietzendorfer: Der Saal des Hotels Hartmann war rappelvoll, als sich sechs der sieben Hoffnungsträger am vergangenen Mittwoch den Bürgerinnen und Bürgern präsentierten und sich deren Fragen stellten. Hierzu eingeladen hatten CDU, SPD und Unabhängige Wietzendorfer gleichermaßen.

Während Gerhard Meyer als Sprecher der Organisatoren die Begrüßung übernahm, sorgte Pastor Friedhelm Hoffmann für die launig-unterhaltsame Moderation des Abends. Dabei hatten er und das Publikum es allerdings nicht mit der gesamten Kandidatenfülle zu tun: Michael Kalis, der für die AfD und damit als einziger für eine Partei antritt, war verhindert. Blieben die sechs übrigen Aspiranten, die allesamt als unabhängige Kandidaten ins Rennen gehen. Sie alle möchten den langjährigen amtierenden Bürgermeister Uwe Wrieden beerben: Wenn dessen Amtszeit Ende Oktober 2019 ausläuft , ist er 65 Jahre alt und hat deshalb nicht erneut kandidert. Welcher der Kandidaten als Wriedens Nachfolger für die nächsten sieben Jahre ins Rathaus einzieht, wird sich am 26. Mai zeigen. Dann nämlich steht in Wietzendorf nicht nur die Europawahl, sondern auch auch die Bürgermeisterwahl an.

Am vergangenen Mittwoch nun hatten die Aspiranten noch einmal die Möglichkeit, sich vorzustellen. Weniger die politische als eher die Verwaltungsebene des Bürgermeisteramtes hat Tobias Ginschel, Jahrgang 1977, im Blick. Der Diplom-Verwaltungswirt (FH) aus Lüneburg, der beim Bundeswehrdienstleistungszentrum Munster arbeitet, meint, an der Spitze im Rathaus sollte ein Verwaltungsprofi sitze: „Ich kann Mitarbeiter führen und motivieren.“ Zudem, so Ginschel, biete er von seinem Alter her Kontinuität, könne also auch bei späteren Wahlen wieder antreten.

Als Verwaltungsfachangestellter kennt sich auch Thomas Körtge, Jahrgang 1960, der bei der Stadt Soltau arbeitet, in Rathäusern aus. Er sei bereit, für Wietzendorf alles zu geben und sich in den Dienst der Gemeinde zu stellen. Er sei begeistert von kommunaler Arbeit, wobei ihm der Zusammenhalt wichtig sei. Ihm gehe es darum, daß Wietzendorf Identität und Traditionen bewahre, aber auch offen für Modernes sei.

Seit zehn Jahren lebt Martin Mertens, Jahrgang 1975 und Stabsoffizier bei der Bundeswehr, in der Gemeinde: „Und Wietzendorf war für uns erste Wahl.“ Wietzendorf sei ein schönes Dorf mit guter Infrastruktur. Der Tourismus sei stark, und damit davon auch alle profitieren könnten, wolle er eine entsprechende Abgabe einführen. Wichtig sei ihm zudem die Landwirtschaft und ihr Erhalt.

Vom Fach ist auch Jörg Peters, Jahrgang 1960, aus Celle: Der Diplom-Verwaltungswirt (FH), unterstrich, er arbeite seit 30 Jahren in diesem Metier und verfüge über große Erfahrung. Als externer Bürgermeisterkandidat komme er von außen und bringe deshalb einen objektiven Blick auf die Gemeinde mit. In Hinsicht auf künftige Entwicklungen mit vielleicht weniger guter Haushaltslage brauche Wietzendorf eine Strategie, bei der auch die Jugend mitgenommen werde.

Heute ist er Fahrlehrer, hat aber Ende der 90er Jahre eine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten gemacht: Andreas Reinert, Jahrgang 1979, lebt mit seiner Familie in der Gemeinde und möchte dort auch Bürgermeister werden, „um für die Wietzendorfer dazusein und ihre Probleme zu lösen.“

Seit elf Jahren lebt Dr. Ralf-Georg Tomalla in der Gemeinde. Der promovierte Diplom-Agraringenieur, Jahrgang 1956, betont: „Ich will Bürgermeister werden, weil ich mich Wietzendorf so verbunden fühle und seine Entwicklung mitgestalten will.“ Für den Fall seiner Wahl garantiere er die Forsetzung der klugen Politik Wriedens, damit Wietzendorf auch in 20 Jahren noch als selbständige Gemeinde bestehe.

Was die Bürgerinnen und Bürger dann bei der Veranstaltung von den Kandiaten wissen wollten, umfaßte ein breites Spektrum. Dabei ging es allerdings auch um Fragen, die nicht unbedingt in die Kompetenz eines künftigen Bürgermeisters fallen. Immerhin kristallisierten sich aber auch Bereiche heraus, die vielen Wietzendorfern wichtig erschienen. So etwa die Frage nach dem Stellenwert der örtlichen Landwirtschaft, den natürlich keiner der Kandidaten anzweifelte. Im Gegenteil, von Bewahrung und der Schaffung größerer Akzeptanz war da die Rede. Auch die Frage, wie künftig bei weiterem Wachstum der dörfliche Charakter der Gemeinde gewährleistet werden könne oder was sich zur Förderung der Außendörfer tun lasse, zeigte, daß sich die Veranstaltungsbesucher durchaus ihre Gedanken gemacht hatten.

Aber auch Themen, die nicht nur in Wietzendorf aktuell sind, wurden angesprochen, so etwa der verbesserungswürdige ÖPNV und die vieldiskutierte Straßenausbaubeitragssatzung.

Die Positionen der Kandidaten zu den verschiedenen Komplexen waren zwar nicht unbedingt identisch, lagen aber auch nicht meilenweit auseinander. Worin sich aber alle einig waren, war die die Beantwortung der Frage, was ihnen an Wietzendorf am besten gefalle. Einmütige Antwort: „Die Menschen - man kennt sich und geht nicht in der Anonymität unter.“

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