Wildblumen für Wietzendorf

Bürgermeister Uwe Wrieden plant Hauswurfsendung zur Information

Wildblumen für Wietzendorf

Seit 16 Jahren werden Neuanlagen des öffentlichen Grüns in Wietzendorf ausschließlich mit insektenfreundlichen Stauden und Sträuchern bepflanzt. Im vergangenen Frühjahr beschloß der eigens eingerichtete ehrenamtliche Arbeitskreis, noch mehr gegen das Insektensterben und für den Bienenschutz zu unternehmen und zwei Wildblumenwiesen anzulegen. Trotz der anhaltenden Dürre des letzten Jahres hatten sich diese Flächen prächtig entwickelt und fanden auch viel Zuspruch bei der Bevölkerung. Nun allerdings hat ein gutgemeinter Einsatz eines Bürgers den Blühstreifen am Steinbruchsweg zerstört. Aus einem vor Insekten summenden Blütenmeer wurde eine tote Wüste.

„Durch die unsachgemäße Mahd wird sich dieses Biotop niemals wie geplant entwickeln, denn viele Pflanzen sind abgestorben und die Erhaltung der Wiese durch Selbstaussaat kann nicht stattfinden“, bedauert Bürgermeister Uwe Wrieden. Er hat bereits mit dem Verurscher gesprochen. Der hatte den Streifen, der in gemeindlicher Hand ist, „freundlicherweise“ mitgemäht. Deshalb will Wrieden nun noch einmal mit Handzetteln auf den Wert von Blütenpflanzen aufmerksam machen, damit im „Imkerdorf Wietzendorf“ jeder Bescheid weiß.

„Tragisch“ findet Wrieden das Geschehen, doch „sollte man sich von solchen Rückschlägen nicht entmutigen lassen: Kirschbäume werden zu 80 Prozent von Wildbienen bestäubt, Tomaten von Hummeln. Und was ist ein Sommertag ohne flatternde Schmetterlinge und das Zirpen von Heuschrecken? Viele dieser Tiere sind auf einheimische Pflanzen angewiesen, etliche Wildbienenarten sind sogar auf eine einzige Pflanzenart spezialisiert.“

Der Bürgermeister bedauert sehr, daß sich in der vom Menschen geprägten Landschaft immer weniger Flächen finden, die nicht gemäht, gespritzt oder gedüngt werden. Dadurch verschwinden an Feld- und Straßenrändern immer mehr Pflanzenarten. Insekten verlieren ihren Lebensraum und sterben. Ohne sie verhungern die Vögel.

Wer in seinem Garten etwas Natur zuläßt, einheimische Sträucher oder Blumen pflanzt, etwas Laub im Winter unter Sträuchern liegen lässt, im Herbst absterbende Staudenstengel, in denen Insekten überwintern oder ihre Eier gelegt haben, erst im Frühjahr entfernt, Pflanzen mit ungefüllten Blüten pflanzt, kein Gift oder torfhaltige Blumenerde einsetzt, Gänseblümchen und Co im Rasen wachsen läßt – oder sogar selbst eine kleine Wildblumenwiese anlegt, kann seinen kleinen Beitrag gegen diese Entwicklung leisten. „Dann können wir uns vielleicht weiterhin an summenden Bienen, Schmetterlingen und fröhlichem Vogelgesang erfreuen“, hofft Wrieden.

Da Wildblumenwiesensaat im Handel meist nur nordamerikanische Arten enthält, die weder langlebig sind noch als Kinderstube für heimische Insekten geeignet, wird die Gemeinde Wietzendorf ab September wieder Samentütchen mit standortheimischen Pflanzenarten zu Verfügung stellen

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