Fachwerk von 1781 zieht um

Moderne Küche in alter Scheune für Schulbauernhof

Fachwerk von 1781 zieht um

Wegen der Corona-Pandemie ist das Leben auf dem Schulbauernhof der VNP-Stiftung Naturschutzpark Lüneburger Heide in Wilsede in diesem Jahr weitgehend zum Erliegen gekommen. Denn die Klassenreisen fielen aus. Dennoch denkt die Stiftung schon an „die Zeit danach“. So wird auf dem Areal des Hillmershofes jetzt eine unter Denkmalschutz stehende Scheune wieder aufgebaut. Darin entsteht die neue Küche.

„Das Fachwerkgebäude aus dem Jahr 1781 stand zuvor in Gilmerdingen bei Neuenkirchen im Heidekreis und war akut einsturzgefährdet“, erklärt VNP-Fachbereichsleiter Steffen Albers. „Wir konnten es kostenfrei erwerben.“ Nach fachgerechtem Abbau und Einlagerung wird das historische Holzgerüst jetzt in der Werkhalle im ehemaligen Schafstall der VNP-Geschäftsstelle in Niederhaverbeck aufgearbeitet. Zimmerer Benjamin Leinecker hat die Teile auf dem Fußboden ausgelegt. So sieht er auf einen Blick, welche Balken für die Wiederverwendung zu marode sind. Diese erstellt er maßstabsgerecht aus massivem Eichenholz neu. Die Kreissäge dröhnt, Klopfholz und Winkeleisen sind in Aktion.

„Schon damals haben die Zimmerleute alle Balken nummeriert“, berichtet Leinecker. „Das erleichtert uns den Wiederaufbau enorm.“ Hat man denn schon im 18. Jahrhundert Gebäude umgesetzt? „Das wohl weniger, aber nach einem Abriss wurden die Balken bei Neubauten wieder verwendet. Dabei griff man sogar auf Exemplare zurück, die bei einem Feuer verrußt worden waren.“

Auch bei der Scheune aus Gilmerdingen war das der Fall. Die verkohlten, aussortierten Balken liegen jetzt auf einem Stapel vor der Werkhalle. „Aber auch die waren gute Vorlagen für unseren Nachbau“, berichtet Leinecker. Die Arbeit ist für ihn etwas ganz Besonderes. Da entstehe etwa Dauerhaftes für die Nachwelt. Zu seiner großen Freude gibt es eine Inschrift einschließlich der Jahreszahl 1781. Mit großer Sorgfalt arbeitet Benjamin Leinecker diese nun wieder heraus.

„Ein Neubau wäre uns billiger gekommen“, erklärt Albers. „Aber das jahrhundertealte Holz strahlt eine einzigartige Atmosphäre aus. Die vorherigen Besitzer hatten die Scheune baulich erheblich verändert. Bei uns entsteht sie wieder in ihrer ursprünglichen Form - vollholzverkleidet und mit Reetdach.“

Von innen werde das Gebäude allerdings supermodern und natürlich barrierefrei, führt Albers weiter aus. Wer die Tür öffne, lande in einer Küche, die alle Anforderungen für die pädagogische Arbeit auf dem Schulbauernhof erfülle. Hier könnten die Kinder und Jugendlichen ihre gemeinsamen Mahlzeiten zubereiten sowie das hofeigene Obst und Gemüse zu Fruchtaufstrichen und Säften verarbeiten. Außerdem werde die Küche für Koch- und Hauswirtschaftskurse der VNP-Kinderakademie und der Partnerschulprogramme genutzt.

Die Gilmerdinger Scheune vervollständige perfekt das denkmalgeschützte Ensemble auf dem Hillmershof, informiert Albers. Eine ähnliche Scheune sei dort 1960 abgerissen worden und habe gefehlt. Nun gebe es stilvollen Ersatz.

Die Gesamtkosten für das Projekt betragen 350.000 Euro. Zuschüsse gibt es vom EU-Projekt „Landschaftswerte“, den Landkreisen Harburg und Heidekreis, der Gemeinde Bispingen, der Bingo-Umweltstiftung und einigen privaten Stiftungen. Der Eigenanteil für den VNP beträgt knapp 35.000 Euro. Weitere Spenden sind willkommen.

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